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Musik

"Tear down this wall": USA verbieten Anti-Mauer-Konzert der Dresdner Sinfoniker

Es sollte ein musikalisches Zeichen gegen Trumps Mauerpläne werden und auf beiden Seiten des Grenzzauns stattfinden. Doch jetzt haben die USA dem Protest-Konzert der Dresdner Sinfoniker eine Absage erteilt.

"Sicherheitsbedenken und der Vogelschutz im Park" - das sind die offiziellen Gründe der US-Behörden, den Sinfonikern den geplanten Auftritt in San Diego zu verweigern. Die erste Anfrage, im Friendship Park der Stadt auftreten zu dürfen, wurde schon im April abschlägig beschieden. Der Name des Parks klingt besser als die Realität: Hier können immer nur wenige Menschen auf einmal durch eine Schleuse zu einem Maschendrahtzaun gehen, den Finger hindurchstecken und Familienmitglieder oder Freunde auf der anderen Seite berühren. Der Ort war den Behörden offenbar zu heikel für ein Konzert.  

Stattdessen sollte es am Strand stattfinden, der ebenfalls durch einen Zaun abgegrenzt ist. "Das ist öffentliches Gelände. Normalerweise hätte man für dieses Konzert gar keine Genehmigung gebraucht", sagt Markus Rindt, Intendant der Sinfoniker. "Da kann also jeder hingehen und die Trommel auspacken, deswegen erstaunt mich das Verbot ganz besonders. Und das in Amerika - das muss man sich mal vorstellen!" 

Grenzzaun am Strand zwischen USA und Mexiko (picture-alliance/dpa/A. Zepeda)

Hier sollte das Konzert stattfinden

Musiziert werde trotzdem, so Rindt, allerdings eben nur auf mexikanischer Seite in Tijuana. Die Stadt werde eine musikalische Brücke für Freiheit und Völkerverständigung schlagen. "Unmittelbar an der Grenze zur USA werden die Musiker nach wie vor ein Signal gegen die Mauern in den Köpfen setzen", hieß es in einer Pressemitteilung. Die Parole lautet: "Jetzt erst recht!" 

"Tear down this wall"

Das Motto des Konzerts, das in Kooperation mit Amnesty International am 3. Juni stattfindet, erinnert an die berühmte Aufforderung des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan 1987 in Westberlin: "Mister Gorbatschow, tear down this wall!" Das durch Crowdfunding finanzierte eintrittsfreie Event erreichte schon vor Ablauf der Frist sein Spendenziel, rund 370 Unterstützer aus 40 Ländern brachten mehr als 16.000 Euro auf.

Ursprünglich war ein grenzübergreifendes Zusammenspiel US-amerikanischer und mexikanischer Künstlern zusammen mit den Dresdner Sinfonikern geplant. Das ist in der Form jetzt nicht mehr möglich, das Konzert wird nun ausschließlich auf mexikanischer Seite stattfinden.


3144 Kilometer Grenze - viele Aktionen 

Markus Rindt (Karla Arnold)

"Jetzt erst recht!", findet Markus Rindt

Künstler aller Sparten sind aufgerufen, sich mit eigenen Aktionen oder Flashmobs entlang der gesamten 3144 Kilometer langen Grenze zu beteiligen. Das Verbot der Behörden beschränkt sich nämlich ausschließlich auf das Konzert der Dresdner Sinfoniker im Friendship Park in San Diego. "Singt, spielt, macht von der kleinen Aktion ein Video und teilt es unter #teardownthiswall im Internet", so Markus Rindt.

Uraufgeführt werden in Tijuana im Parque del Mar die Ballade "Beyond" von Wieland Reißmann und die geführte Improvisation "The Big, The Bug, The Cricket & The Quack" von Harald Thiemann, bei der die Dresdner Sinfoniker mit zahlreichen Perkussionisten aus Mexiko und den USA die Mauer in ein Instrument transformieren. Auftreten werden auch die Maya-Popsängerin Sara Curruchich und die Popsängerin Ceci Bastida.

Zu viele Mauern weltweit 

Menschen laufen in Tijuana-Stadt am Grenzzaun entlang (DW/V. Muscella)

San Diego liegt auf der anderen Seite des Zauns - das Konzert wird man dort nur eingeschränkt hören können

"Unsere Aktion ist an vielen Stellen der Welt möglich und nötig. Die Liste der infrage kommenden Mauern ist leider sehr lang", sagte Rindt. Auch Europa müsse dringend andere Möglichkeiten finden, als sich immer weiter abzuschotten: "Das Flüchtlingsleid im Mittelmeer ist unerträglich und muss gestoppt werden. Lasst uns verhindern, dass weitere Mauern gebaut werden!"

Zuletzt machten die Dresdner Sinfoniker weltweit mit ihrem deutsch-türkisch-armenischen Konzertprojekt "Aghet" Schlagzeilen, das an den Genozid an den Armeniern erinnerte. Der Auftritt in der Türkei musste nach Protesten der Regierung Erdogan abgesagt werden.

suc/pl (dpa/epd)

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