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Nahost

Ein jüdischer "Lawrence von Arabien"

Er wurde als Sohn eines Rabbiners geboren. Später konvertierte er zum Islam und wurde zu einem bedeutenden muslimischen Denker. Eine Biografie und ein Film erzählen die bewegte Geschichte von Muhammad Asad.

Muhammad Asad, Foto: mieschief Film

Muhammad Asad, der Konvertit und muslimische Denker

Der Lebensweg von Muhammad Asad zählt zu den ungewöhnlichsten des 20. Jahrhunderts und seine Biografie liest sich wie ein Orient-Roman von Alexandre Dumas. Zugleich spiegelt sich darin aber auch die orientalische Kolonialgeschichte seiner Zeit: Asads Autobiografie "Der Weg nach Mekka", die jetzt neu veröffentlicht wurde, ist die Geschichte eines Mannes, der in einer streng gläubigen jüdischen Familie aufwuchs und später zu einem der bedeutendsten muslimischen Denker des 20. Jahrhunderts wurde. Sie ist aber auch die Geschichte eines Abenteurers und Draufgängers.

Buchcover Mohammed Asad - Der Weg nach Mekka

Sein Leben in Buch und Film gebannt: Mohammed Asad

Ausschweifendes Leben im Berlin der 1920er

Muhammad Asad wurde am 2. Juli 1900 als Leopold Weiss in Lemberg geboren, damals Teil der k.u.k.-Monarchie und er bekam als Sohn einer Rabbiner-Familie eine religiöse Erziehung. Bereits im Alter von 14 Jahren riss er von Zuhause aus, um sich für den Kampf an der Front für die österreichischen Truppen im Ersten Weltkrieg zu melden. Gerade noch rechtzeitig spürten die entsetzten Eltern ihn auf und verhinderten, dass er aufs Schlachtfeld zog.

Kurze Zeit später verließ er sein Elterhaus und ging er nach Wien, wo er sich in lebhaften Caféhausdiskussionen mit bedeutenden Psychologen wie Alfred Adler erging. Die nächste Station seines Lebens war das Berlin der 1920er Jahre, wo er dem ausschweifenden Leben der Bohème frönte. Unter anderem arbeitete er mit dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau zusammen; außerdem feierte er erste Erfolge als Journalist und Autor. "Der Weg nach Mekka" berichtet auch von amourösen Abenteuern und zerwühlten Betten am Morgen danach.

Abkehr von Europa

Doch der junge Mann blieb ein Suchender, den das moderne, nervöse Leben der Großstadt nicht erfüllte, und so landete er auf Einladung eines Onkels in Palästina, wo er sich in die Beduinenkultur verliebte und in einen von Brüderlichkeit und Gemeinschaft geprägten, stolzen Menschenschlag, den er in Europa vergebens gesucht hatte. 1926 konvertierte er in der Berliner muslimischen Gemeinde vom Judentum zum Islam, änderte seinen Namen in Muhammad Asad und machte die Hadsch, die Pilgerreise nach Mekka. Er vertiefte sich in Koran-Studien. Als persönlicher Freund von König König Ibn-Saud, dem Gründer Saudi-Arabiens, lebte er jahrelang dort.

Regisseur Georg Misch

Portrait des Filmregisseurs Georg Misch "A road to Mecca"

Aber auch Afghanistan, Iran, Ägypten und die anderen Länder des Orients bereiste er, überall knüpfte er Freundschaften und Kontakte. In Indien lernte er lernte er den Dichter Muhammad Iqbal kennen und arbeitete an den Entwürfen der pakistanischen Verfassung mit. Danach wurde er einer der ersten Botschafter Pakistans bei den Vereinten Nationen in New York.

Die faszinierende Dualität von Asads Persönlichkeit

"Der Weg nach Mekka" ist ein Sammelsurium an Abenteuern, die der Wiener Regisseur Georg Misch jetzt in seinem Film nachzeichnet. Vor allem habe ihn die "Dualität" von Asads Persönlichkeit fasziniert, erklärt Misch. "Er war zum einen ein Österreicher, der aber an der Staatsgründung von Pakistan mitgewirkt hat. Er war Jude, der zu einem der bedeutendsten Muslime wurde. Das sind scheinbar unvereinbare Aspekte einer Person – und diese Kontraste seiner Persönlichkeit fand ich unglaublich spannend."

Auch habe Asad sich vor allem darum verdient gemacht, die intolerante, dogmatische und patriarchalische Auslegung des Islams zu bekämpfen, so Misch. Glaubwürdig erscheine er, weil er mit theologischer Kenntnis die Quellen des Korans anführe und so niemals nur der Mahner einer naiven Form der Toleranz bleibe, sondern eine unbestreitbare theologische Autorität. Er wurde zu einem der bedeutendsten islamischen Autoren seiner Zeit und schrieb Bücher und zahlreiche Essays über Weltbild, Recht und Philosophie des Islam sowie seine Autobiographie "Road to Mekka".

Weder Mystiker noch Islamist

Filmplakat A road to Mecca

Der Film "A road to Mecca" erscheint jetzt auf DVD

Dass Asad in seinem Glauben nie auf Verstand und Rationalität verzichtete, betont Murat Wilfried Hofmann, islamischer Philosoph und einstiger Freund Asads. "Ich glaube, der richtige Weg in allen Dingen ist der Mittelweg. Und Asad ist genau der Mittelweg, was den Islam anbetrifft", so Hofmann. Asad sei nämlich durchaus kein Mystiker gewesen: "Asad war alles andere als ein Sufi." Auf der anderen Seite sei er aber auch kein politischer Muslim gewesen, der den Koran für politische Zwecke verwendet.

Gegnerschaft der Dogmatiker

Am Ende seines Lebens war Asad von seinen Glaubensbrüdern jedoch enttäuscht über ihre intellektuelle Abschottung und die Intoleranz der Extremisten: Die Muslime hätten diese "wunderbare Religion" nicht verdient, so sein Verdikt. Verbittert und zurückgezogen lebte er in den letzten Jahren in Andalusien, im ehemals maurischen Spanien.

Die letzte Episode im Film "Der Weg nach Mekka" wurde am Grab Muhammed Asads gedreht. Die Szene fasst das Vermächtnis des muslimischen Denkers anekdotisch zusammen: Sein ehemaliger Assistent diskutiert dort mit dem örtlichen Imam. Der Geistliche behauptet, der Grabstein sei zu hoch und damit unislamisch. Der schlechte christlich-europäische Einfluss müsse korrigiert werden, die Grabplatten solle man abschleifen. Asads Assistent entgegnet, dass es Asads Wunsch gewesen sei, so beerdigt zu werden. Wortlos zieht der Imam von dannen. "Der arme Mann", sagt der Assistent und fegt dabei Staub und Herbstblätter von der Steinplatte. "Sein Leben lang hat er gegen bornierte Dogmatiker gekämpft, und nicht mal an seinem Grab lassen sie ihn in Frieden."

Autor: Lewis Gropp
Redaktion: Stephanie Gebert

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