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Afrika

Ein Gummiband gegen Aids

Mit einem Gummiring werden jetzt in Uganda Männer beschnitten: ganz ohne Blut, Eingriff oder Schmerzen - der neueste Schrei in der Aids-Prävention.

Uganda galt stets als Vorzeigeland in Afrika in Sachen Aids-Bekämpfung. Ugandas Präsident Yoweri Museveni war in den 80er Jahren, als die Immunkrankheit zum ersten Mal als Seuche in Afrika auftrat, der erste Präsident, der Aids nicht als Hokuspokus abtat, sondern eine aktive Gesundheitspolitik und Aufklärung anschob. Mit beispiellosem Erfolg: Im Jahr 2005 lag die HIV-Rate in

Uganda bei 6,4 Prozent der Bevölkerung

. Das ist enorm wenig im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern. Heute, knapp zehn Jahre später, sind es wieder 7,3 Prozent der Bevölkerung. Die Infektionsraten steigen also wieder. Uganda muss in Sachen Aids-Bekämpfung also wieder neue Wege gehen.

Uganda Flüchtlingslager in der Nähe von Gulu AIDS Medizin

Medikamente zu AIDS-Behandlung ...

Beschneidung reduziert die Infektionsrate

Wie am Fließband führen die Ärzte in Uganda dieser Tage Beschneidungen durch. Über 150 pro Woche. Im Operationssaal läuft Musik, um den Patienten zu beruhigen. Joshua Ssekizoteko liegt nackt auf dem OP-Tisch im Krankenhaus von Kisenyi, einem Viertel von Ugandas Hauptstadt Kampala. Er wirkt nervös, als der Arzt ihm eine Spritze in den Unterleib verpasst: zur Betäubung. Denn der 26-Jährige wird heute beschnitten.

Uganda setzt in Sachen Aids-Bekämpfung auf Beschneidung, erklärt Doktor Barbara Nanteza, Koordinatorin für Beschneidungen im Aids-Kontroll-Programm des Gesundheitsministeriums. Sie verweist auf die jüngsten Studien, die 2007 in Uganda, Kenia und Südafrika durchgeführt wurden. Dabei wurde herausgefunden, dass die HIV-Übertragungsrate bei beschnittenen Männern 50 bis 70 Prozent niedriger ist als bei nicht beschnittenen Männern. Es gibt also Beweise, dass Beschneidung Aids vorbeugen kann, so Nanteza: "Uganda übernimmt jetzt die Vorreiterrolle. Wir beschneiden jetzt Jungen und Männer zwischen 15 und 49 Jahren, also diejenigen, die sexuell aktiv sind. Von 2010 bis heute haben wir 1,7 Millionen Männer beschnitten. Das war nicht einfach, aber ich bin taff ", erzählt Doktor Nanteza. "Wir mussten erst einmal Politiker und Abgeordnete überzeugen, dass das funktioniert. Dann sind wir durch das Land gezogen und haben mobile Zelte eingerichtet, wo wir Beschneidungen durchgeführt haben." Via Radio, in Kirchen und in Moscheen hätten sie geworben für die Beschneidung. Und inzwischen sei es unter Studenten sogar zum Trend geworden, sich beschneiden zu lassen. Selbst die Mädchen würden ihre Freunde zu ihr schicken, sagt Nanteza.

Gummiband als Aidsbekämpfung in Uganda

... Gummibänder zur AIDS-Prävention


Der neueste Trend unter männlichen Studenten

So war es auch bei Joshua Ssekizoteko, der jetzt seit 18 Minuten auf dem OP-Tisch liegt. Aufgrund der lokalen Betäubung hatte er keine Schmerzen, erzählt er später, nachdem er verbunden wurde und wieder in seine Jeans und T-Shirt steigt. Ihm wurde erklärt, dass er die Wunde sauber halten soll und sechs Wochen keinen Geschlechtsverkehr haben darf. Der junge Mann, der sonst auf dem Markt Second-Hand-Klamotten verkauft, guckt sehr erleichtert.

"Ich fühl mich sehr gut. Ich dachte es wird schmerzhaft. Aber ich fühle gar nichts", sagt er und lacht. Er habe sich beschneiden lassen, weil es das Risiko reduziere, sich mit HIV anzustecken. Er sei zwar nicht verheiratet, aber habe eine Freundin. "Sie hat mich hierher geschickt. Ich weiß nicht genau warum, aber sie wollte das so und sie hat sicher ihre Gründe", sagt er. In Uganda sei HIV immer noch ein großes Problem, junge Leute wie er und auch Paare reden darüber. Stets würden die neuesten Präventionsmaßnahmen in den Schulen und Universitäten oder abends in den Kneipen diskutiert, berichtet Joshua: "Mein Bruder hat es mir empfohlen, der hat sich neulich beschneiden lassen. Ich hatte große Angst, aber alles ging super. Ich werde also meine Freunde ermuntern, auch zu kommen. Ich darf zwar jetzt sechs Wochen keinen Sex haben, aber ich glaube meine Freundin wird damit klarkommen."

Gummiband als Aidsbekämpfung in Uganda

Schnell und ohne Schnitte: das Anlegen der Prepex-Ringe

Vorbeugung statt teure Medikamente für HIV-Positive

Uganda hat in den vergangenen Jahren stets auf die Bekämpfung von Aids gesetzt, also kostenlos Medikamente verteilt, an alle, die schon HIV-Positiv sind. Das wird auch nach wie vor getan. Doch die Zahl der Neu-Infektionen steigt wieder an. Daher setzt Uganda jetzt auf

Beschneidung als Vorbeugungsmaßnahme

. Um den Eingriff noch schneller und einfacher zu machen, wird ein neues Instrument getestet: Das Gummiband. Für Doktor Nanteza ist das der neueste Trick in der Aids-Prävention - weltweit. Prepex heißt er. In der ersten Testphase wurden 1000 Männer damit beschnitten. Jetzt, in der zweiten Phase kommt die Methode schon in Kliniken wie dieser hier zur Anwendung.

Für das Gesundheitsministerium habe diese Methode enorme Vorteile: Beschneidungen mit Prepex sind keine medizinischen Eingriffe. Man brauche dazu keinen Arzt, sondern nur einen Krankenpfleger. "Für uns, in einem Dritte-Welt-Land, in welchem wir nicht genügend Ärzte haben, ist das entscheidend. Es kostet auch nicht viel Zeit. Der Gummiring ist in drei oder vier Minuten übergestülpt, dann kann der Patient nach Hause gehen. Es ist also billiger, weil wir Ärzte und Zeit sparen", sagt Nanteza.

Leider muss der Patient nach einer Woche zurückkommen, um sich den Ring entfernen zu lassen. Es sind eigentlich zwei Ringe, einer innerhalb der Vorhaut, der andere außerhalb. Sie schneiden die Blutzufuhr ab. Nach einer Woche ist die Vorhaut praktisch abgestorben und kann ganz leicht entfernt werden.

Picture-Teaser 20th International AIDS Conference

Neue Ergebnisse, neue Medikamente? Aktisten setzten auf die internationale AIDS-Konferenz in Australien.

Diese schnelle einfache Art der Beschneidung wird als neues Wundermittel in Uganda gegen HIV/AIds beworben. Auch Joshua hätte diese einfache Form gern ausprobiert. Doch nach den ersten 1500 Patienten sind die Test-Packungen in Uganda gerade alle aufgebraucht. Die neue Lieferung ist auf dem Weg aus den USA über den Hafen in Kenia nach Uganda - und wird hoffentlich bald eintreffen, versichert Nanteza. Die größte Gefahr ist jedoch, dass junge Männer wie Joshua sich beschnitten nun sicher fühlen und dann vielleicht weniger Kondome benutzen. Doch egal welche Beschneidungsmethode: Sie reduziert die Übertragungsrate nur, verhindert die Ansteckung aber nicht zu hundert Prozent.

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