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Zum Tod von Helmut Kohl

Ein großer Deutscher ist tot

Helmut Kohl ist tot. Im In- und Ausland würdigten Politiker den Altbundeskanzler als großen Deutschen und überzeugten Europäer. "Ich verneige mich vor seinem Andenken", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Helmut Kohl ist tot

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als "großen Staatsmann" bezeichnet, dessen Werk Bestand haben und den Deutschland niemals vergessen werde. "Sein politischer Instinkt, seine große Erfahrung und seine herausragende Begabung, Vertrauen bei unseren Nachbarn und Partnern zu gewinnen, haben ihn dazu befähigt, eine einmalige historische Chance zu erkennen und sie mit Entschlossenheit zu ergreifen; es ist ihm gelungen, die deutsche Einheit im friedlichen Einvernehmen und in guter Partnerschaft mit unseren europäischen Nachbarn zu erreichen" schrieb Steinmeier in einem Kondolenzbrief an die Witwe Helmut Kohls, Maike Kohl.

Helmut Kohl habe sich um Deutschland und um Europa verdient gemacht, so Steinmeier. "Ihm verdanken wir, dass Deutschland als europäische und geeinte Nation bestätigt und damit die "Deutsche Frage" beantwortet wurde. Auch als "Ehrenbürger Europas" werde Kohl stets in Erinnerung bleiben.

Merkel erreicht die Todesnachricht in Rom

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Samstag von Papst Franziskus im Vatikan empfangen. Die Nachricht vom Tod Helmut Kohls erreichte sie daher in Rom. In einem Statement würdigte Merkel den Altkanzler als "Glücksfall für uns Deutsche" und als großen Europäer. Er habe erkannt, dass die Einheit Deutschlands und Europas untrennbar miteinander verbunden seien, sagte Merkel. Er habe die Gunst der Stunde genutzt, um die Wiedervereinigung herbeizuführen. Was er und seine Mitstreiter nach dem Fall der Mauer erreicht hätten, "das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens".

Als CDU-Vorsitzende lobte Merkel auch die Verdienste Kohls um seine Partei. Er habe sie modernisiert. Als Pfälzer habe er immer seine Heimatliebe betont; auch deshalb habe er ein feines Gespür für die Geschichte und die Gefühle der europäischen Partner gehabt.

Merkel, die in der DDR aufgewachsen ist, betonte, Kohl habe auch Bedeutung für sie persönlich gehabt. "Helmut Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert." Durch ihn habe sie ein Leben in Freiheit führen und das Leben in der Diktatur verlassen können. "Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat."

Vermächtnis und Erinnerung

Bundestagspräsident Norbert Lammert erklärte: "Helmut Kohl hat entscheidend zu den glücklichsten Zeiten beigetragen, die wir Deutschen je hatten." Lammert weiter: "Sein Vermächtnis, ein weltweit geachtetes Deutschland in einem friedlich geeinten Europa, bleibt die Richtschnur unseres Handelns und ist Auftrag für alle künftigen Generationen."

Mit Altkanzler Helmut Kohl sei ein "wirklich großer Deutscher gestorben", so reagierte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel auf die Todesnachricht. "Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist." Das sei Kohls großes Vermächtnis und so werde er in Erinnerung bleiben. "Wir sind in diesen Minuten in Gedanken bei seiner Familie und seinen Kindern", so der SPD-Politiker Gabriel.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kondolierte der Witwe von Helmut Kohl mit einem Telegramm. Darin würdigte auch er den Altkanzler als einen großen Europäer. "Helmut Kohl hat historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden." Über alle Parteigrenzen und unterschiedliche politische Auffassungen hinweg zolle die Sozialdemokratie Helmut Kohl Respekt und Anerkennung für sein politisches Lebenswerk.

Trauer in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion äußerte sich deren Vorsitzender Volker Kauder. "Helmut Kohl hat deutsche Geschichte geschrieben, diese Leistungen können allenfalls mit denen des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer verglichen werden." Auch in seinen letzten Lebensjahren sei der Fraktion der Rat Kohls wichtig gewesen. "Wir erinnern uns noch lebhaft an seinen letzten Besuch in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vor fünf Jahren", so Kauder. "Dort war zu spüren, wie wichtig ihm die Bundestagsfraktion, die er über lange Jahre geführt und die er stets als seine Heimat betrachtet hatte, immer noch war."

Als sein Vermächtnis bleibe, "dass wir uns auch in Zukunft für das einige Europa einsetzen müssen". Helmut Kohl habe Europa stets als Friedensversicherung für die kommenden Generationen angesehen. "Gerade in diesen außenpolitisch unruhigen Zeiten sollten wir uns immer daran erinnern, wie wichtig das geeinte Europa für uns ist."

Auch Grüne und Linke reagieren umgehend

Die Parteispitze der Grünen erreichte die Nachricht vom Tod Helmut Kohls auf dem gerade begonnenen Parteitag. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte, bei allem Streit mit seiner Partei hätten sich die Grünen gegenüber dem früheren CDU-Chef in einer Frage zum Auftakt ihres Treffens in großer Achtung verneigt. "Ein großer Europäer ist von uns gegangen." Unter dem Applaus der mehreren Hundert Delegierten sagte Özdemir: "Sein Name wird für immer in Verbindung stehen mit einem der großartigsten Projekte der deutsche Nachkriegsgeschichte, der deutschen Wiedervereinigung."

Nach Ansicht der Linken hat Helmut Kohl die Bundesrepublik vor dem Jahrtausendwechsel geprägt wie nur wenige andere politische Persönlichkeiten, gleichzeitig aber ein "widersprüchliches Erbe" hinterlassen." Das erklärten die Vorsitzenden von Partei und Fraktion, Katja Kipping, Bernd Riexinger, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. "Er war ein überzeugter Europäer, der zugleich mit der Fehlkonstruktion der Währungsunion eine - von ihm nicht beabsichtigte - Entwicklung einleitete, die Europa heute in seine tiefste Krise bringt." Kohl habe die deutsche Einheit zu seinem Anliegen gemacht, "wenn auch die wirtschaftlichen Weichenstellungen zu großen sozialen Verwerfungen in Ostdeutschland führten."     

Thüringens linker Ministerpräsident Bodo Ramelow würdigte Kohl hingegen als "eine außerordentliche Persönlichkeit", die in der schwierigsten Phase nach dem Zweiten Weltkrieg "große Verantwortung übernommen" habe. Er habe sich "sehr, sehr verdient gemacht" um Deutschland.

Juncker bestürzt

Altkanzler Gerhard Schröder hat seinen verstorbenen Vorgänger als "großen Patrioten und Europäer" gewürdigt. "Die Einigung unseres Landes und unseres Kontinents wird auf alle Zeit auch mit seinem Namen verbunden bleiben", sagte der SPD-Politiker Schröder. Trotz des harten Wahlkampfs im Jahr 1998 und fundamental unterschiedlicher Ansichten in vielen politischen Fragen habe er "für seine historische Leistung größten Respekt".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich bestürzt über über die Nachricht: "Ich bin in großer Trauer über den Tod von Helmut Kohl, meinem engen Freund. Er hat mich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet." Am Abend meldete sich auch der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow zu Wort. Kohl sei "ohne Zweifel eine außergewöhnliche Persönlichkeit" gewesen, heißt es in einer Erklärung Gorbatschows, die seine Stiftung veröffentlichte. Er verwies darauf, dass Kohl auch ein großes Interesse an Russland gehabt und den Westen "vor einer verächtlichen Haltung" gegenüber Moskau gewarnt habe.

Gorbatschow gilt als einer der Wegbereiter der deutschen Einheit. Im Juli 1990 traf er sich mit Kohl im Kaukasus. Beim Treffen, dass auch durch Bildaufnahmen der Politiker in Strickjacken in Erinnerung blieb, gelang der Durchbruch für die "volle und uneingeschränkte Souveränität" Deutschlands. 

US-Präsident Trump: ein Anwalt der transatlantischen Beziehungen

Unterdessen hat auch US-Präsident Donald Trump auf die Nachricht vom Tod Helmut Kohls reagiert. Der Kanzler sei den Vereinigten Staaten ein Freund und Verbündeter gewesen, während er die Bundesrepublik Deutschland durch 16 entscheidende Jahre führte, heißt es in einer Erklärung, die das Weiße Haus veröffentlichte. Die Welt habe von Kohls Weitblick und seinen Anstrengungen profitiert.

Kremlchef Putin: hatte Glück ihn kennenzulernen

Der russische Präsident Wladimir Putin würdigte Kohl als einen "prinzipiellen Verfechter freundschaftlicher Beziehungen" zwischen Berlin und Moskau. "Ich hatte das Glück, persönlich mit Helmut Kohl sprechen zu können", schrieb Putin  in einem Beileidstelegramm an Bundespräsident Steinmeier und Kanzlerin Merkel. "Ich habe seine Weisheit bewundert und seine Fähigkeit, fundierte, zukunftsweisende Entscheidungen auch in schwierigsten Situationen zu treffen." Kohl habe eine Schlüsselrolle bei der Beendigung des Kalten Krieges gespielt.

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