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Kultur

Ein dichterisches Kammerspiel

Zum 200. Todestag von Friedrich Schiller veranstaltete die Deutsche Welle die Schiller-Woche. Udo Marquardt hat dafür aus rund 1000 Briefen, die Schiller sich mit Goethe schrieb, ein fiktives Gespräch erstellt.

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Goethe im Dialog mit Schiller

Es ist eine Art "Kammerspiel mit Goethe" im Originalton daraus entstanden, in dem es um das alltägliche Leben der beiden größten deutschen Dichter geht, um ihre Krankheiten und ihr Verhältnis zur ihrer Dichtkunst und zum Theater. Denn so bekannt die beiden Dichter und ihre Stücke sind, so wenig kennt man ihr Privatleben. Vor ihrem Briefwechsel beispielsweise mochten sich die beiden nur wenig.

Angewidert hat Schiller einst gesagt: "Öfters um Goethe zu sein, würde mich unglücklich machen. (…) Ich betrachte ihn wie eine stolze Prüde, der man ein Kind machen muss, um sie vor der Welt zu demütigen."

Goethe hat daraufhin gekontert: "Schiller ist ein kraftvolles, aber unreifes Talent. (…) Alle Versuche, von Personen, die ihm und mir gleich nahe stehen, lehne ich ab, und so leben wir nebeneinander fort."

Aus der Ferne zur Freundschaft

Bis zum 20. Juli 1794 sollte das auch so bleiben. Nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena allerdings kamen der damals 34-jährige Friedrich Schiller und der 44-jährige Johann Wolfgang von Goethe doch miteinander ins Gespräch. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Schiller: "Wissen Sie, Goethe, lange schon habe ich, obgleich aus ziemlicher Ferne, dem Gang Ihres Geistes zugesehen, und den Weg, den Sie sich vorgezeichnet haben, mit immer erneuerter Bewunderung bemerkt. Sie suchen das Nothwendige der Natur, aber Sie suchen es auf dem schweresten Wege, vor welchem jede schwächere Kraft sich wohl hüten wird."

Goethe: "Schiller, Sie ziehen da mit freundschaftlicher Hand die Summe meiner Existenz. Und muntern mich durch Ihre Teilnahme zu einem emsigeren und lebhafteren Gebrauch meiner Kräfte auf. Reiner Genuß und wahrer Nutzen kann nur wechselseitig sein, und ich freue mich, Ihnen gelegentlich zu entwickeln: was mir Ihre Unterhaltung gewährt, wie ich von jenen Tagen an auch eine Epoche rechne, und wie zufrieden ich bin, ohne sonderliche Aufmunterung, auf meinem Wege fortgegangen zu sein, da es nun scheint als wenn wir, nach einem so unvermutheten Begegnen, mit einander fortwandern müßten. Alles was an und in mir ist werde ich mit Freuden mittheilen. (…) Wie groß der Vortheil Ihrer Theilnehmung für mich sein wird, werden Sie bald selbst sehen, wenn Sie, bei näherer Bekanntschaft, eine Art Dunkelheit und Zaudern bei mir entdecken werden, über die ich nicht Herr werden kann, wenn ich mich ihrer gleich sehr deutlich bewußt bin. Aber … wie steht es mit Ihnen, Schiller?"

Schiller: "Mein Verstand wirkt eigentlich mehr symbolisirend, und so schwebe ich, als eine Zwitterart, zwischen dem Begriff und der Anschauung, zwischen der Regel und der Empfindung, zwischen dem technischen Kopf und dem Genie. Dieß ist es, was mir, besonders in frühern Jahren, sowohl auf dem Felde der Speculation als der Dichtkunst ein ziemlich linkisches Ansehen gegeben; denn gewöhnlich übereilte mich der Poet, wo ich philosophiren sollte, und der philosophische Geist, wo ich dichten wollte. Noch jetzt begegnet es mir häufig genug, daß die Einbildungskraft meine Abstractionen, und der kalte Verstand meine Dichtung stört. (…) Sie wollten, daß ich von mir selbst reden sollte, und ich machte von dieser Erlaubnis Gebrauch. Mit Vertrauen lege ich Ihnen diese Geständnisse hin, und ich darf hoffen, daß Sie sie mit Liebe aufnehmen."

Das war im September 1794. Schillers Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Nur wenig mehr als ein Jahr später hatte Goethe die Idee zu einem gemeinsamen Werk. Es war die Zeit um den Jahreswechsel 1795/96.

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