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Musik

East Affair: musikalische Osterweiterung

Drei Osteuropäer und ein Deutscher erreichen mit ihren rein instrumentalen, üppigen Klanglandschaften ganz unterschiedliche Musikgeschmäcker. Sie haben dabei nicht nur den Osten, sondern weit mehr im Blick.

East Affair musiziert im Park (Foto: Roman Pompe)

"East Affair verbinden die Welt", wird gleich ganz oben auf der Webseite der Band versprochen. In diese östliche "Liaison" verwickelten sich 2007 vier Absolventen der Kölner Musikhochschule. Doch weder dem tschechischen Cimbalspieler hat die Band ihren Namen zu verdanken noch dem polnischen Cajonero oder dem mittlerweile wieder heimgekehrten serbischen Kontrabassisten. Es war Kim Efert, Gitarrist und Gründervater des virtuosen und humorbegabten Instrumentalensembles, der den Namen erfand.

Am Anfang war das Cimbal

Cimbal /Foto: @ picture alliance/ Keystone)

Das Cimbal ist auch als Hackbrett bekannt

Kim Efert, der gemeinsam mit dem Cimbal-Virtuosen und studierten Pianisten Jura Wajda das Projekt aus der Taufe hob, gibt gerne zu, anfangs noch gar nichts mit dem musikalischen Balkan am Hut gehabt zu haben. Im Grunde war er einfach nur fasziniert von dem in ganz Süd-, Ost- und Mitteleuropa existierenden Hackbrett, von dem er eines Tages ein Exemplar in der Wohnung seines tschechischen Kumpels erblickte. "Damit machen wir mal irgendwas", sagten sich beide. Doch es dauerte noch ein paar Jahre bis zum musikalischen Konzept East Affair, bei dem vom freien Cimbal-Spiel ausgehend die Welten des Jazz, der Funk- und Latin-Musik oder des Flamencos durchwandert werden.

Seelenverwandte

Zwei weitere visionäre Seelenverwandte waren offenbar schnell gefunden: der serbische, mit Jazz, Klassik und osteuropäischer Volksmusik vertraute Kontrabassist Fedor Ruskuc, der heute übrigens als einziger wieder in seiner Heimat lebt und zum gemeinsamen Musizieren häufig nach Deutschland reist. Und der Perkussionist Mirek Pyschny aus Polen, der unter anderem in Köln und Rotterdam Jazz und Latin erkundete, aber natürlich auch die heimische Folklore kennt. Für die Arbeit mit East Affair setzt er exklusiv aufs Cajón und lässt es dem Zuhörer in den teils wild ausufernden Stücken an nichts mangeln.

Komplexe Strukturen und freie Improvisation

Die East Affair-Bandmitglieder beim Grillen (Foto: Roman Pompe)

Nicht nur musikalisch liiert ...

In den zumeist fünf und mehr Minuten andauernden Kompositionen, mehrheitlich aus der Feder der beiden Bandgründerväter, geht es recht sportlich hin und her zwischen straffen, teils schwierig anmutenden Strukturen und hemmungslosem Improvisieren. Die Stärke von East Affair liege im Live-Musizieren; auf der Konzertbühne entlade sich die Energie besonders, erklärt Kim Efert.

Was auf der Bühne angenehm perfekt, komplex und kohärent erklingt und auch anzuschauen ist, das habe – so beschreibt der Gitarrist schmunzelnd -  im Proberaum womöglich die eine oder andere Debatte gekostet. "Denn wir haben es hier nun mal mit vier Individualisten und unterschiedlichen musikalischen Ansätzen und Hintergründen zu tun", sagt er.

Fernbeziehung und Fremdgänger

Die vier eigenwilligen jungen Männer gehen allesamt neben den vielen Aktivitäten mit East Affair auch noch ihren eigenen "Affairen" nach, sind musikalisch in verschiedenen Kontexten unterwegs und geografisch mittlerweile in alle Winde zwischen Köln, Berlin und Novi Sad verstreut. Und sie führen eine anregende, bislang offenbar nicht langweilig werdende Fernbeziehung, wie sie im heutigen, globalisierten Musikbusiness immer häufiger anzutreffen ist. Geschadet hat ihnen die räumliche Distanz nicht: 2009 wurde East Affair mit einem Creole-Preise ausgezeichnet, und 2011 brillierten sie beim größten deutschen Weltmusikfestival, dem Tanz- und Folkfestival in Rudolstadt.

Autorin: Katrin Wilke
Redaktion: Matthias Klaus