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Politik

Drogen regieren das Land

Der Krieg in Kolumbien wird zum Großteil durch den Drogenanbau finanziert. Aber auch andere Einnahmequellen spielen eine Rolle. Militante Gruppen investieren auch in legale Unternehmen und auf dem Aktienmarkt.

Drogenfund in Kolumbien, Foto: AP

Kokainfund in Kolumbien

Das Drogengeschäft in Kolumbien ist ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Erst im Oktober vergangenen Jahres hat die kolumbianische Marine über neun Tonen reines Kokain sichergestellt – im Gesamtwert von 175 Millionen US-Dollar. Das Kokain war für Mexiko und die USA bestimmt. Solche Erfolge der Regierung sind aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Immerhin befriedigt Kolumbien mit einer Exportmenge von 640 Tonnen Kokain 70 Prozent des Weltmarkts. Die großen Verdiener sind aber nicht Kokabauern. Vom Milliardengeschäft profitieren vor allem die Drogenkartelle, Händler sowie Unternehmerfamilien aber auch Finanz-Institutionen und Parteien. Zudem sind kolumbianische Banken mit im Drogenboot, um die exorbitanten Geldsummen reinzuwaschen.

Kokabauern haben einen harten Stand

Die Bauern dagegen erhalten das kleinste Stück vom Kuchen. Es gibt kaum einen Bauern, der freiwillig Koka anbaut. Reich werden sie mit dem Anbau der Koka nicht. Zudem büßen sie extrem an Lebensqualität ein. Ständig sind sie Gefahren ausgesetzt: Die Paramilitärs unterdrücken jene Bauern, die mit den verfeindeten Guerilla symphatisieren. Die Guerilla sehen sich als Schützer der Mohn-und Kokabauern und kassieren Schutzgelder von ihnen. Damit rechtfertigen die linken Guerilla-Truppen ihren Kampf gegen den Imperialismus – ein verlogenes Spiel. Denn Paramilitärs und Guerilla verdienen – direkt und indirekt – am Umsatz aus dem Drogengeschäft und finanzieren damit ihren Krieg.

Mohnbauern bei der Ernste. Foto: AP

Der Koka- und Mohnanbau in Kolumbien finanziert auch den Krieg mit

Zudem leben die Bauern in ständiger Angst vor den US-amerikanischen Söldnertruppen, die bezahlt werden, um Koka-Ländereien zu vernichten. "Der Druck bewaffneter Gruppen auf die Bauern in einigen Regionen, Koka für die Kokainproduktion anzubauen, ist meist genauso hoch wie die wirtschaftlichen und sozialen Kosten des Anbaus,“ erklärt Peter Strack, jahrelanger Regionalkoordinator in Kolumbien von Terre des Hommes.

Erpressung und Korruption an Tagesordnung

Dennoch wäre es viel zu einfach und falsch den Konflikt ausschließlich an den Drogen festzumachen. Guerilla und Paramilitär sowie die Splittergruppen würden auch ohne die Einkünfte aus dem Drogenanbau weiterhin finanziell abgesichert sein. Peter Strack erläutert, dass die militanten Gruppen auch Schutzgelder von Firmen und Transportunternehmen einforderten. Zudem investierten sie in legale Unternehmen und mischten auf dem Aktienmarkt mit.

Trotzdem bleibt der Handel mit Kokain für kolumbianische Drogenkartelle und für alle am Geschäft beteiligten Gruppen eine enorme Einnahmequelle. "Die Drogenwirtschaft ist das Problem Nummer eins Kolumbiens", so Jaime Vásquez, Chef der Sozialseelsorge in San José del Guaviare. "Ohne das Kokain gäbe es keinen bewaffneten Konflikt, keine Guerilla, keine Paramilitärs, weniger Vertreibungen, weniger Morde, keine Vergiftungen durch Unkrautvertilgungsmittel, weniger Entführungen und weniger Korruption."

Drogenkonsum bestimmt den Krieg

Das Paradoxe ist, dass das eigentliche Drogenproblem in Form von Abhängigkeit und Drogentoten nicht in Kolumbien herrscht. Fast 99 Prozent des Kokains wird in den USA, Europa und Asien konsumiert. Laut der spanischen Zeitung “El Mundo“ gehört beispielsweise für 1,6 Prozent der Spanier der Kokainkonsum zum Alltag wie das Abendbrot. Eines ist sicher: So lange die weltweite Nachfrage nicht sinkt, wird der Drogenkrieg in Kolumbien auch weiter das Leben der Menschen bestimmen. Denn aus ökonomischer Sicht ist es nachvollziehbar, dass das angebaut wird, was die meisten Erträge auf dem Weltmarkt abwirft: Coca-Blätter zur Gewinnung von Kokain sowie Mohn und Mohn-Produkte zur Herstellung von Heroin.

Jens-Oliver Höfling, Studiengang Online-Journalismus Darmstadt

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