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Politik

Mit Geld, Gift und Gewalt gegen den Drogenanbau

Die USA und die kolumbianische Regierung arbeiten gemeinsam an einem Weg aus dem bewaffneten Konflikt. Der sogenannte Plan Colombia ist jedoch umstritten, denn das eigentliche Ziele wurde nicht erreicht.

Mit Pestiziden besprühtes Kokafeld. Foto: AP

Kokafeld nach einem 'Chemieangriff'

Kolumbien braucht Hilfe. Einen Plan, um den bewaffneten Konflikt nach vierzig Jahren endlich zu beenden. Es geht um Kokain, um die, die damit Handeln und um die Nutznießer: Die Guerillas und die Paramilitärs. Die kolumbianische Regierung und die USA haben einen Plan ausgearbeitet, der helfen soll, den Drogenanbau einzudämmen und die Guerillatruppen zu bekämpfen: Der Plan Colombia.

Seit dem Jahr 2000 hat die US-Regierung rund 4,7 Milliarden US-Dollar nach Kolumbien überwiesen. Knapp vier Milliarden allein für Militär und Polizei. Ziel der US Regierung ist es, den illegalen Anbau und Handel mit Kokain im Land einzudämmen und die rebellierenden Guerillas im Land auszuschalten. Allerdings führt dies zu einer wachsenden Militarisierung der Gesellschaft: Die Gewaltspirale zwischen kolumbianischen und amerikanischen Militärs, den Rebellengruppen und der Privatarmee der Drogenbosse dreht sich weiter – und die Armut auf dem Land nimmt weiter zu.

Kampf für Öl statt gegen Drogen

Die zivile Bevölkerung leidet unter den massiven Umweltschäden durch Pestizide. Aber die USA halten es weiter für notwendig, die Kokaplantagen durch Einsatz von Chemikalien zu vernichten. Die wichtigste Einnahmequelle Kolumbiens im Agrarsektor ist der Anbau des Schlafmohns zur Gewinnung von Kokain. Das Land musste bis heute einen Verlust von rund sechs Milliarden US-Dollar einstecken und die Kleinbauern verarmen zunehmend. Insgesamt wurden bis heute 170.000 Hektar Kokafelder mit Chemikalien vernichtet. Atemwegsbeschwerden und Missbildungen treten immer häufiger auf.

Aber den USA gehe es nach Auffassung von Nichtregierungsorganisationen eher um die Sicherung der kolumbianischen Ölfelder, als um die Beseitigung des Drogenproblems. Peter Strutynski, Mitarbeiter der Friedensforschungs AG Uni Kassel, bekräftigt, dass diese These zwar richtig sei, aber nicht alles. "Es geht um Öl, aber auch um den schwindenden Einfluss der USA in Lateinamerika". Kolumbiens Regierung ist der letzte Verbündete der USA auf dem Südamerikanischen Kontinent und die USA braucht das Öl, da sich der Ölbedarf der Amerikaner bis 2020 verdoppeln wird.

"EU sitzt zwischen zwei Stühlen"

Plan Colombia führt zur wachsenden Milittarisierung in der Gesellschaft. Foto: AP

Der "gewaltige" Plan Colombia stößt auf viel Kritik

Die EU "sitzt zwischen zwei Stühlen", so Strutynski. Auf der einen Seite sichere die Staatengemeinschaft Kolumbien finanzielle Hilfe zu, könnte dies aber mit besserem Gewissen tun, wenn die US-Regierung nicht auf militärischem Wege den Konflikt zu lösen versuche, so Strutyinski. Man wolle das Verhältnis zu Kolumbien und den USA nicht gefährden. Mit den EU-Geldern sollen bewusst keine militärischen Handlungen unterstützt, sondern die ländliche Entwicklung gestärkt und die Umwelt geschützt werden.

Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) lehnen den Plan Colombia kategorisch ab. Ihre Hauptkritik richtet sich gegen die kolumbianische Regierung, die den Plan Colombia ohne demokratische Konsultation verfasst hat. Weder die lokalen und regionalen Behörden wurden einberufen, noch wurden Menschenrechtsgruppen, Kirche, Gewerkschaft und die Guerilla befragt.

"Der Plan Colombia ist auf ganzer Linie gescheitert"

Der Plan der USA, das Land drogenfrei zu machen und die Guerilla zu zerschlagen, ist "auf ganzer Linie gescheitert", so Strutynski. Die FARC kann sich weiterhin gut mit Drogenerlösen (und Entführungen) finanzieren. Ebenso die Paramilitärs, die zwar der Form halber ihre Truppen demobilisiert haben, aber das lukrative Kokain-Geschäft nicht ohne weiteres den alten Feinden der Guerilla überlassen wollen. Durch Vernichtung der Koka-Plantagen wurde Kleinbauern die Existenzgrundlage entzogen und der Drogenpreis stieg immens und damit auch die Umsätze der Drogenbarone. Der verstärkt militärische Einsatz nährt die Nachfrage nach Waffen und bietet den Händlern ein großes Marktpotenzial. "Die Regierung muss die Antidrogen-Militärpolitik verlassen und sich zur Friedenspolitik durchringen", wünscht sich Strutynski für die Zukunft.

Pia Roeder, Studiengang Online-Journalismus, Hochschule Darmstadt

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