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Aktuell Afrika

Drei Femen-Aktivistinnen vor tunesischem Gericht

Die barbusige Protestaktion vor einer Woche hat Folgen: In Tunis müssen sich drei Aktivistinnen der Frauenrechtsorganisation Femen vor Gericht verantworten. Am Vortag schoben die Behörden eine ukrainische Kollegin ab.

Aktivistinnen von Femen protestieren barbusig in Tunis (Foto: dpa)

Tunesien Tunis Femen Justizministerium

Die drei Frauen stehen am Mittwoch in der tunesischen Hauptstadt wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und Sittlichkeitsvergehen vor Gericht. Der Anlass war eine Oben-Ohne-Protestaktion am 29. Mai. Damals zogen eine Deutsche und zwei Französinnen blank gegen die Inhaftierung einer tunesischen Aktivistin und gegen die allgemeine Unterdrückung von Frauen in der arabischen Welt. Für die Forderung nach Selbstbestimmung über ihren Körper, die sie durch den Islamismus bedroht sehen, droht ihnen bis zu ein Jahr Haft. Die junge Deutsche auf der Anklagebank soll Medienberichten zufolge eine 19 Jahre alte Philosophiestudentin aus Hamburg sein.

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Protestaktion für verschwundene Bloggerin (04.04.2013)

Die Zurschaustellung nackter Haut ist in dem islamischen Land verpönt, weshalb selbst vielen liberaleren Geistern die Protestaktion der jungen Frauen zu weit ging. Sie hatten vor dem Justizpalast in Tunis ihre Brüste entblößt, um gegen die Inhaftierung der 18-jährigen Femen-Aktivistin Amina zu protestieren. Diese hatte nahe einem islamischen Friedhof in der Stadt Kairouan das Wort "Femen" auf eine Mauer geschrieben, um gegen eine Versammlung besonders konservativer Salafisten zu protestieren. Ihr drohen in einem Prozess bis zu 18 Jahre Haft.

Wenig Verständnis für Protestaktion

Doch während Aminas Verhaftung am 19. Mai die säkulare Opposition in Tunesien empört, sieht das im Fall ihrer europäischen Unterstützerinnen schon anders aus. In den Medien wurde zwar weniger der Protest an sich, dafür aber die Wahl der Mittel kritisiert. Und für das Präsidialamt ging schon die "gefährliche" Wandschmiererei Aminas in Kairouan zu weit, da sie die heilige Stadt damit "dem Risiko eines Blutbads" ausgesetzt habe. Dass die folgende Solidaritätsgeste vermutlich auf noch weniger Gegenliebe stieß, lässt sich trotz des präsidialen Schweigens erahnen.

"Ich hoffe auf ein mildes Urteil", sagte Verteidiger Souheib Bahri der Nachrichtenagentur afp. Mit ihrer Protestaktion hätten sie bloß internationale Aufmerksamkeit auf Aminas Schicksal lenken wollen. Und auch Frankreichs Außenminister Laurent Fabius verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die tunesische Justiz "Milde walten lässt".

Aktivistin in die Ukraine ausgewiesen

Die Organisation Femen wurde ursprünglich in der Ukraine als Protestbewegung gegen die Unterdrückung von Frauen gegründet und hat inzwischen in mehreren Ländern - darunter Deutschland - nationale Ableger. Mit barbusigen Protesten gegen Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, einer Oben-Ohne-Feier zum Rücktritt des Papstes in Paris und der öffentlichkeitswirksamen Störung des Besuchs von Russlands Präsident Wladimir Putin auf der diesjährigen Hannover-Messe haben sie immer wieder weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Auch in Brüssel demonstrierten Aktivistinnen von Femen für die Tunesierin Amina (Foto: afp/Getty Images)

Auch in Brüssel demonstrierten Aktivistinnen von Femen für die Tunesierin Amina

Erst am Dienstag hat die Polizei in Tunis nach Angaben der Organisation ein ukrainisches Femen-Mitglied festgenommen und des Landes verwiesen. Wie die Femen-Chefin Inna Schewtschenko mitteilte, kamen Männer in das Hotelzimmer der Ukrainerin und brachten sie zum Kommissariat. Die junge Ukrainerin habe keine Aktion geplant, sondern nur ihre Kolleginnen bei dem Prozess unterstützen wollen, fügte die Femen-Chefin hinzu. Den Namen der ausgewiesenen Frau gab sie mit Alexandra Schewtschenko an. Sie sei aber nicht mit ihr verwandt.

kle/sti (afp, afpe, dpa)

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