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Aktuell Europa

Dramatische Zustände auf Samos

Die Versorgung der 5000 Flüchtlinge auf der griechischen Insel ist kaum noch machbar. Es gibt nicht einmal genug Essen für die Menschen. Die Behörden schlagen Alarm. Auf anderen Ägäis-Inseln sieht es kaum besser aus.

Flüchlinge drängen sich auf Samos vor einer Essensausgabe (Foto: dpa)

Flüchlinge drängen sich auf Samos vor einer Essensausgabe

Ein drastisches Bild der Lage auf Samos zeichnet der Sindelfinger Europakoordinator Martin Horn. Er ist mit einer Lieferung von Hilfsgütern aus Baden-Württemberg auf die griechische Insel gereist und sieht sich derzeit vor Ort um. In einem ehemaligen Gefängnis, das als Flüchtlingslager dient, ist offiziell Platz für 240 Menschen. Derzeit leben dort gut 1200 Migranten. Weitere 3500 Flüchtlinge sind in einem provisorischen Lager am Hafen untergebracht, wo sie sich zwölf mobile Toiletten und sechs Duschen teilen, wie Horn weiter mitteilte.

Keine Nahrungsmittel

Noch schlimmer sei jedoch, dass die Nahrungsmittel nicht mehr ausreichten, weil die Kommune Samos schlichtweg kein Geld mehr hat. Das Militär übernahm, unterstützt von der einheimischen Bevölkerung, die Versorgung der Gestrandeten. "Wir haben unsere Belastungsgrenze eindeutig erreicht", machte Bürgermeister Michalis Angelopoulos nochmals deutlich. Beunruhigt über die Menschenrechtslage auf Samos zeigte sich auch der Menschenrechtskommissar des Europarates, Nils Muiznieks. Ihm lägen alarmierende Berichte über die Aufnahmebedingungen vor, erklärte er jüngst. Viele der Ankömmlinge müssten im Freien übernachten.

Der Präsident des Europa-Parlaments, Martin Schulz, sah sich am Donnerstag mit dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras auf Lesbos um (Foto: dpa)

Der Präsident des Europa-Parlaments, Martin Schulz, sah sich am Donnerstag mit dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras auf Lesbos um

Krisentreffen der Bürgermeister mit Tsipras

Für diesen Freitag wurde ein Krisengipfel mit den Bürgermeistern der von der Flüchtlingskrise am stärksten betroffenen Inseln und Ministerpräsident Alexis Tsipras angesetzt. Vor zwei Wochen hatte der Bürgermeister von Samos ein dringendes Hilfegesuch an die Regierung in Athen gesandt. Er bat um 600.000 Euro Soforthilfe für die Grundversorgung der Flüchlinge, für den Bau von provisorischen Unterkünften, für Sanitäranlagen und die Registrierung der Ankömmlinge. "Angekommen sind bisher genau null Euro", sagte er nun der Deutschen Presse-Agentur. Jetzt will Angelopoulos die Situation ein weiteres Mal schildern, wenn er und seine Kollegen mit Tsipras zusammenkommen.

Die Lage auf den Inseln der Östägäis hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt. Allein im Oktober strandeten dort nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 218.000 Schutzsuchende. Der deutsche Helfer Horn wies darauf hin, auch jetzt kämen täglich bis zu 1500 Flüchtlinge über die schmale Meerenge aus der Türkei an. "Fast jede Nacht ertrinken dabei Menschen."

Verschärft wird die Situation seit Tagen durch einen Streik der Seeleute. Mehr als 25.000 Flüchtlinge sitzen derzeit auf Inseln fest, weil keine Fähren zum Festland fahren. Allein auf Lesbos warten nach Schätzungen 15.000 Menschen im Hafen von Mytilini auf ein Schiff. Die Leichen ertrunkener Flüchtlinge werden auf Lesbos mittlerweile in Kühlcontainern aufbewahrt, weil es in den Leichenhallen für sie keinen Platz mehr gibt.

se/uh (dpa, kna, epd)

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