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Champions League

Dortmund verliert - und gewinnt Sympathien

Der BVB verliert das Champions-League-Heimspiel gegen den AS Monaco, weil der Schiedsrichter nicht mitspielt, ein 18-jähriger Franzose aufdreht und die Nerven versagen - verständlicherweise nach dem Sprengstoffanschlag.

Deutschland Champions League Borussia Dortmund vs. Monaco (Reuters/K. Pfaffenbach)

Unglückliche Szene: Sven Bender köpft ins eigene Tor - und Dortmund verliert das Hinspiel.

Vor dem Anpfiff die immer gleichen Rituale: Jubel, als das Team den Rasen betrat, eine schwarz-gelbe Choreographie auf der Südtribüne, aus Tausenden Kehlen die Vereinshymne "You'll never walk alone" - alles wie immer? Nein. Wer genau hinsah, entdeckte die Unterschiede: Manchem Fan standen die Tränen in den Augen, als er die Hymne mitsang, andere wirkten besonders motiviert, ihr Team anzufeuern - um den Schrecken des Sprengstoffanschlags vergessen zu machen. Und natürlich gab es sie im Vorfeld, die Gerüchte, dass einige Spieler gar nicht spielen wollten. Weltmeister Lothar Matthäus wollte davon erfahren haben, wie er bei Sky sagte, BVB-Trainer Thomas Tuchel widersprach: alle Spieler wären gefragt worden und wollten spielen - und dass, obwohl nicht einmal 24 Stunden zuvor ein Mordanschlag auf sie verübt worden war.

Auf dem Platz stand dann auch tatsächlich die aktuell erste Elf der Borussia - bis auf einen: Marc Bartra. Zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Fußballs fehlte mit ihm ein Spieler "wegen der Folgen eines terroristischen Anschlags", wie es im offiziellen Spielbogen hieß. Während er sich im Krankenhaus von den Verletzungen durch das Bus-Attentat erholt, hatten viele Fans seinen Namen auf dem Trikot, sogar einige Monegassen.

Ein Juwel namens Mbappé

Fußball wurde dann auch noch gespielt und Borussia Dortmund begann überraschend druckvoll sowie präsent. Keine Spur von Verunsicherung in der Anfangsphase, die klar den Dortmundern gehörte. Die erste gute Torchance hatte dann auch folgerichtig der BVB durch Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang, der nach einem präzisen Pass von Shinji Kagawa aus halbrechter Position knapp über das Tor des AS Monaco schoss (11.). Wie aus dem Nichts dann ein Pfiff: Sokratis hielt Mbappé einen Tick zu lange - Elfmeter. Doch Fabinho konnte die große Chance zur Führung nicht nutzen: Sein Schuss ging am linken Pfosten vorbei, BVB-Torwart Roman Bürki hatte die Ecke geahnt (17.). Doch nur zwei Minuten später ging Monaco dann doch in Führung: Mit einem blitzschnellen Konter über Bernardo Silva, der Raphael Guerreiro spielend davonlief, spielte Monaco Thomas Lemar auf links frei und der passte in den Strafraum, wo Kylian Mbappé mit der Hüfte zum 0:1 einnetzte. Kleiner, aber bedeutsamer Schönheitsfehler: Er stand dabei im Abseits, der Treffer hätte nicht zählen dürfen.

Deutschland Champions League Borussia Dortmund vs. Monaco (Getty Images/Bongarts/M. Hitij)

Eiskalt vor dem Tor: Der AS Monaco ist in der ersten Hälfte effizienter vor dem Tor.

Dortmund tat sich danach im Aufbau schwer und kam erst nach einer halben Stunde wieder gefährlich vor das Tor der Monegassen: Matthias Ginter spielte sich auf rechts frei und bediente den im Strafraum stehenden Shinji Kagawa, doch der rutschte weg und verpasste den Ausgleich (31.). Und dann traf Dortmund endlich, allerdings jubelte darüber niemand unter den Dortmunder Fans: Sven Bender erzielte mit einem wunderschönen Flugkopfball das 2:0 für Monaco - ein Eigentor der ganz bitteren Sorte (35.). Der hinter ihm einschussbereite Radamel Falcao  hatte Bender leicht am Knöchel berührt und damit wohl zu Fall gebracht. Schiedsrichter Daniele Orsato sah auch das nicht oder konnte darin kein regelwidriges Verhalten erkennen, erneut Pech für Dortmund.

"Wir haben nur über Fußball geredet"

Nach der Halbzeitpause wirkte Dortmund energischer und spielbestimmender. Mit den eingewechselten Christian Pulisic und Nuri Sahin drückte die Borussia auf den Anschlusstreffer, biss sich förmlich am Strafraum von Association Sportive de Monaco fest. Und die Mühen wurden schließlich belohnt: Der sehr agile Sahin setzte Guerreiro in Szene, der wiederum per Flanke eine Strafraum-Stafette von Aubameyang, Kagawa und Dembelé auslöst und Letzterer machte das umjubelte 1:2 (57.) - die Hoffnung war im Signal Iduna Park wieder spürbar. Auch weil der Tabellenführer der französischen Ligue 1 plötzlich völlig verunsichert wirkte. Kaum ein Pass kam mehr an bei AS und nur per Foulspiel konnten die Rot-Weißen den BVB-Angriff noch stoppen. Doch dem fehlte meist die letzte Präzision. Wie so oft unter Trainer Thomas Tuchel blieb die Chancenverwertung das zentrale Problem der jungen Dortmunder Mannschaft.

Deutschland Dortmund vor dem Spiel (picture alliance/AP Photo/M. Meissner)

Vor dem Spiel: Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen und hohe Polizeipräsenz

Die Quittung dafür reichte dann der Mann des Abends ein: Kylian Mbappé. Das 18-jährige Juwel aus Frankreich, für das astronomische Ablösesummen von 100 Millionen Euro diskutiert werden, schnappt sich einen Katastrophen-Rückpass von Lukasz Piszczek, rennt frei auf Bürki zu und verwandelt trocken zum 1:3 (79.) – das Ende der aufkeimenden Dortmunder Hoffnungen, dachten viele. Denn Shinji Kagawa setzte sich fünf Minuten später gegen zwei Monaco-Verteidiger durch und machte den erneuten Anschlusstreffer - 2:3! Doch dabei bleibt es. Dortmund verliert mit 2:3 (0:2) und kann dennoch auf eine starke kämpferische Leistung in der zweiten Hälfte blicken, findet Trainer Thomas Tuchel: "Wir haben nur über Fußball geredet", beschrieb er die Stimmung in der Kabine. "Ich habe gesagt, dass wir es viel können es besser machen können und das haben wir gezeigt. Aber wir haben ein paar falsche Entscheidungen getroffen. Sonst hätten wir den Ausgleich machen können." Dortmund erhält für die Aufholjagd erneut Applaus vom Gegner: BVB- wie AS-Fans zeigen den Dortmunder Spielern ihren Respekt für deren Mut, am Mittwoch schon wieder gespielt zu haben.

Zwei Rucksäcke und ein Roller sorgten für Aufregung

Am Rande des Spiels gab es erneut eine Nachricht, die Sorge verbreitete: Zwei herrenlose Rucksäcke sowie ein herrenloser Motorroller auf dem Stadionvorplatz irritieren die alarmierte Polizei. Nach der zwischenzeitlichen Sperrung von Ausgängen des Stadions, gaben die Behörden wenig später Entwarnung - diesmal handelte es sich nicht um Sprengsätze. Borussia Dortmund muss diese Partie und die Vorgänge im Umfeld nun verdauen und hat eine schwere Aufgabe im Rückspiel in einer Woche vor sich. Und dann soll es wieder nur um Fußball gehen.

Die Partie im Re-Live:

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