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Kultur

Dopingfall Schumacher: Willkommen zum gemeinsamen Heucheln

Wieder droht dem Radsport der endgültige K.o.: Deutschlands Shooting-Star Stefan Schumacher steht unter dringendem Dopingverdacht. Schuldige gibt es reichlich, findet Stefan Nestler.

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Da ist er wieder, der ewig gleiche Reflex. Ein Star des Radsports wird als Doper erwischt und prompt hebt das große Wehklagen an. Aus dem bejubelten "Rad-Schumi" des Sommers wird über Nacht der "Schummel-Schumi": Du hast uns belogen, betrogen, für dumm verkauft. Du hast das zarte Pflänzchen Hoffnung zertreten, es könnte einen sauberen Profi-Radsport geben. Wir drehen den Geldhahn zu und die Bildschirme ab!

Schulterklopfer statt Krisenmanager

Der unter Dopingverdacht stehende RadprofiStefan Schumacher fasst sich während einer Pressekonferenz nachdenklich an sein Kinn. Quelle: dpa

Was nun, Stefan Schumacher?

Um nicht falsch verstanden zu werden: Sollte sich, woran leider kaum zu zweifeln ist, der Dopingverdacht bestätigen, gehört auch Schumacher in die Reihe der dreisten Profis, die sich einen feuchten Dreck um die Grundidee eines fairen Wettbewerbs scheren und denen für den eigenen Erfolg jedes Mittel recht ist. Doch auf die Anklagebank gehören auch andere: Der Weltradsportverband, der mehr mit sich selbst, als mit allem anderen beschäftigt ist. Oder auch Sportfunktionäre wie der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping, der sich gerne als Schulterklopfer betätigt, in Krisensituationen aber immer erst in Erscheinung tritt, wenn das Kind bereits im Brunnen liegt. Das verbindet ihn übrigens mit den meisten Sport-Politikern in Berlin.

Sieger statt Platzierter

Und dann gibt es auch noch die breite Öffentlichkeit, wir alle, die wir eigentlich erst richtig aufmerksam werden, wenn ein Sportler ganz oben auf dem Treppchen steht. Der Zweite und der Dritte werden vielleicht noch gewürdigt, der Vierte schon bemitleidet und alle dahinter meist mit Missachtung gestraft. Vielleicht sind wir, die Sportinteressierten, daher von allen die größten Heuchler. Wir wollen Erfolge, Rekorde, Helden, und davon viele und unverzüglich. Wir nehmen uns keine Zeit, auf die wenigen Ausnahmetalente zu warten oder darauf, dass sich ein Sportler langsam steigert. Wir wollen Spitzenathleten sehen und nur die sollen auch gefördert werden. Ach ja, und sauber müssen sie natürlich auch noch sein. Denn schließlich sollen sie ja Vorbilder für die Jugend sein. Eine ziemlich verlogene Welt, dieser Leistungssport - nicht nur wegen Stefan Schumacher.

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