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Kultur

Radsport auf der Kippe

Der Profi-Radsport steht am Abgrund - und hinter ihm eine lange Reihe von Freiwilligen, die anscheinend nichts sehnlicher anstreben, als ihn in die Tiefe zu stürzen. Dabei ist das gar nicht mehr nötig.

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Der Radsport befindet sich bereits im freien Fall. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er aufschlägt. Sponsoren wie T-Mobile und Gerolsteiner oder auch die Hauptgeldgeber der Tour de France denken offen über ihren Ausstieg nach. Den Geldhahn zudrehen ist die wirksamste Waffe gegen Doping, aber eben auch der Tod des Profisports.

Dummheit und Dreistigkeit

Alexander Winokurow ein Dopingsünder! Wirklich überraschen kann diese Nachricht doch eigentlich nur die Naiven. Winokurow und sein Astana-Team stehen seit Monaten unter Dopingverdacht. Und dann die Achterbahn-Fahrt des Kasachen bei dieser Tour de France. Gleich zwei Mal brach Winokurow bei Bergetappen regelrecht ein, um anschließend als triumphaler Etappensieger wieder aufzuerstehen - als habe ihn Harry Potters Zauberstab von seiner Schwäche erlöst.

Überraschend ist eigentlich nur die Dummheit oder auch Dreistigkeit, mit der Radprofis wie Winokurow ungeachtet aller Dopingdiskussionen weiter manipulieren. Fremdblutdoping wie bei dem Kasachen oder auch Testosteron-Doping wie bei den jüngst positiv getesteten deutschen Profis Matthias Kessler und Patrick Sinkewitz sind seit Jahren durch Analysen eindeutig nachweisbar. Für wie blöd halten diese Profis eigentlich die Kontrolleure - und letztlich auch die Öffentlichkeit, die sie weiter belügen, ohne mit der Wimper zu zucken?

Der Radsport braucht mehr als nur einen Harry Potter

Grenzenlose Optimisten werten die schnelle Enttarnung Winokurows noch während der Frankreich-Rundfahrt als Zeichen dafür, dass die Maßnahmen gegen Doping greifen. Dagegen spricht der Blick aufs Gesamtklassement: an der Spitze der Däne Michael Rasmussen, der sich mehrfach Dopingkontrollen entzogen hat und deswegen bei der Weltmeisterschaft im September in Stuttgart nicht für sein Land fahren darf - wohl aber bei der Tour de France. Auf Rang zwei der Spanier Alberto Contador, der nachweisbar auf der Kundenliste des spanischen Dopingarztes Fuentes stand, dann aber wie durch ein Wunder davon verschwand. Wieder Harry Potter.

Die Ehrenerklärungen gegen Doping, die alle Profis vor dem Start der Rundfahrt unterzeichnen mussten, taugen nicht mal als Makulatur. Bei aller aufrichtigen Liebe zum Radsport - die Tour de France 2007 ist wieder einmal eine Tour de Farce. Schade um die sauberen Profis im Fahrerfeld, die es hoffentlich noch gibt. Aber wer will für die noch die Hand ins Feuer legen? Der Profiradsport braucht mehr nur als einen Harry Potter um zu überleben.

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