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Kultur

Dieter Wellershoff: "Es ist ein Wunder"

Der Schriftsteller Dieter Wellershoff ist 90 geworden. Dabei musste er bereits vor 70 Jahren um sein Leben bangen. Dass er den Zweiten Weltkrieg überlebte - für ihn ein Wunder. Im DW-Video erinnert er sich.

Video ansehen 06:14

Dieter Wellershoff

Dieter Wellershoff ist ein großer Schreiber und ein großer Leser. In seiner Kölner Altbauwohnung stapeln sich die Bücher bis unter die Decke. Es ist das Archiv seiner Erinnerung aus 90 Jahren eines bewegten Lebens.

Seit mittlerweile 60 Jahren schreibt er - zunächst Hörspiele, dann folgen Theaterstücke, Essays, Drehbücher und Romane. 1966 erscheint sein erster Roman "Ein schöner Tag" - ein Text über das Miteinander "oder Gegeneinanderleben", wie das Magazin Der Spiegel damals schrieb, "in einem lädierten Kölner Kleinbürgerhaushalt". Den großen Durchbruch beim Publikum aber bringt ihm im Jahr 2000 "Der Liebeswunsch". Es ist ein Liebesdrama um zwei junge Paare, die auf ein emotionales Desaster zurasten. Die Geschichte wird später auch fürs Kino verfilmt. Die Literaturkritiker schätzen ihn zu dem Zeitpunkt so gut wie einhellig bereits seit Langem.

Neben der psychologischen Beobachtung von Liebes- und zwischenmenschlichen Beziehungen, ist ein Thema prägend für die Romane und Erzählungen von Dieter Wellershoff: Die Erfahrungen des Krieges, die er selbst als junger Mann im Zweiten Weltkrieg machte.

Vom Gräuel des Krieges

1943, mit 17 Jahren, meldet er sich freiwillig zur Wehrmacht - von dieser Zeit erzählt er im DW-Special "Mit 17... Das Jahrhundert der Jugend". "Ich bin auch von der SS angesprochen worden", erinnert er sich, "komm zu uns. Zur Waffen-SS. Wir sind die Startruppe schlechthin." Doch der Vater rät ihm ab. Er weiß wovon er spricht. Er selbst ist Mitglied der NSDAP - und für den jungen Dieter ein Vorbild. Wie der Vater im Ersten Weltkrieg möchte auch der Sohn Offizier werden. Schon als Kind und Jugendlicher in den 30er Jahren engagiert sich Dieter Wellershoff im "Jungvolk", der NSDAP-Jugendorganisation. Statt zur SS meldet er sich schließlich bei der Panzerdivision Hermann Göring - auch dies eine Elitetruppe der Nazis.

Das erste, was er an der Ostfront wahrnimmt, so erzählt er im DW-Special, sei der Leichengestank gewesen. Ein Jahr später - 1944 - wird er schwer verwundet und muss mehrere Monate im Lazarett verbringen. Heute, 70 Jahre später sagt er: "Es ist so unwahrscheinlich, dass ich das überstanden habe. Ich habe so viele Tote, so viele Sterbende gesehen."

Das Leben danach

Im Mai 1945 gerät er in Kriegsgefangenschaft - und muss sich erklären. Denn das Regiment Hermann Göring war an Massakern beteiligt wie dem im italienischen Civitella. Dieter Wellershoff war nicht dabei. Er wurde zuvor nach Berlin abkommandiert. Als er schließlich aus der Kriegsgefangenschaft kommt, so erinnert er sich im DW-Video, ist er erstaunt, über das große Glück, den Krieg unversehrt überlebt zu haben. "Es war ein Gefühl, einfach des Staunens. Etwas ganz Neues beginnt. Vor allem das Gefühl: Verdammt noch mal, wie kommt das, das ich am Leben geblieben bin? Wie kommt das? Gar nichts ist kaputt bei mir. Ich lebe. Das ist ja großartig. Da willst du was draus machen."

Und er hat etwas daraus gemacht. Dieter Wellershoff zählt zu Deutschlands wichtigsten Autoren seiner Generation. Seine Erfahrungen aus dem Krieg hat er in große Literatur verwandelt. Und: Noch heute, mit 90 Jahren, schreibt er. Nicht mehr auf dem Computer. Sondern wieder mit Hand.

sh/pl (mit dpa) / Video: Annika Zeitler

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