1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Dieter Nuhr: Keine Islam-Hetze

Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen den Kabarettisten Dieter Nuhr wegen angeblicher Islam-Hetze eingestellt. Der Muslim Erhat Toka hatte Nuhr einen "Hassprediger" genannt und angezeigt.

Man habe die Kunstfreiheit gegen den Schutz der Religionsgemeinschaften abgewogen, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück mit. Abschließend sei man zur Entscheidung gekommen, das Verfahren einzustellen. Ein Sprecher des Norddeutschen Rundfunks hatte am Mittwoch gesagt, die Staatsanwaltschaft habe die Einstellung damit begründet, dass es in den Werken von Nuhr an der "fremdenfeindlichen Gesinnung" fehle, um den Volksverhetzungsparagrafen zu erfüllen. Auch das Kriterium der Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft sei nicht erfüllt, da es sich erkennbar um Satire handele.


Staatsanwaltschaft: "Erkennbar Satire"

Der Muslim Erhat Toka aus Osnabrück hatte Anzeige gegen den Kabarettisten Dieter Nuhr (54) erstattet, weil der "blöde dumme Hetze" gegen den Islam betreibe. Toka hatte Nuhr sogar einen "Hassprediger" genannt. Anstoß nahm der Kläger an Sprüchen wie "Der Islam ist nur tolerant, wo er keine Macht hat" oder "Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie frei davon, alles entscheiden zu müssen".

Der Präsident des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hatte sich von der Anzeige gegen den Kabarettisten distanziert. Toka sei bekannt als jemand, der "immer mal wieder aufwiegelt" und "Stress mit der Gemeinde macht", sagte Mazyek dem RBB-Inforadio.


Nuhr verschont niemanden

Dieter Nuhr spottet über Christen ebenso wie über Muslime. Er ist aber einer der wenigen, die sich überhaupt trauen, Witze über den Islam zu machen. Die Angst vor radikalen islamischen Vertretern beschränke die freie Meinungsäußerung auch in der westlichen Welt, glaubt der Kabarettist. Der Zeitung "Die Welt" sagte er: "Es ist das erste Mal seit 1945 so, dass man befürchten muss, umgebracht zu werden, weil man was Falsches sagt. Weil das irgendein Geistlicher in Pakistan meint."

Nuhr, der sich deutlich von rechtem Zuspruch im Internet distanziert, hatte unter anderem die nach islamischem Recht vorgesehene Bestrafung von Dieben durch Abschlagen einer Hand mit den Worten kommentiert: "Das hat ja was für sich. Da klaut einer zweimal, aber beim dritten Mal wird's schwierig."

nf/sw (dpa/epd/kna/dw)

Die Redaktion empfiehlt