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Soziale Netzwerke

Dient Facebook sich chinesischen Zensoren an?

Kotau für Milliardengewinne: Das größte soziale Netzwerk der Welt will auf den Riesenmarkt China zurück - und könnte dafür vor den Behörden einknicken. Die Technik dafür gibt es angeblich schon.

Alles sei nur ein Pilotprojekt, schreibt die "New York Times" (NYT) - aber eines, das es in sich hat. Um den Zensurbehörden in China entgegenzukommen, habe Facebook ein eigenes Programm entwickelt, mit dessen Hilfe sich unliebsame Inhalte unterdrücken lassen. "Unliebsam" heißt in diesem Fall: für die chinesischen Behörden.

Doch was diese nicht mögen, kann auch Facebook nicht recht sein, so die Logik. Denn die chinesische Regierung hat das soziale Netzwerk 2009 aus dem Land verbannt - Facebook-Seiten werden seither geblockt. Dadurch entgehen dem Internetkonzern Milliardengewinne. Das Reich der Mitte ist ein gigantischer Markt mit weit über 700 Millionen Internetnutzern - und ihre Zahl wächst rasend schnell.

Ideen ohne Denkverbote

Um daran teilzuhaben, so die NYT, habe das soziale Netzwerk viele Ideen gesammelt, offenbar ganz ohne Denkverbote. Auf diese Weise sei die geheim entwickelte Software entstanden, die allerdings nicht benutzt werde und den chinesischen Behörden nicht angeboten worden sei - jedenfalls bisher.

Facebook China Symbolbild (picture-alliance/dpa)

Riesige Gewinne im Reich der Mitte? Facebook ist in China seit 2009 blockiert

Die Anwendung könne in bestimmten Weltregionen filtern, welche Nachrichten den Nutzern auf ihrer Startseite angezeigt werden, schreibt das Blatt unter Berufung auf drei frühere und amtierende Mitarbeiter des Konzerns. Facebook will das Programm demnach nicht selbst einsetzen, sondern möglicherweise einem Partnerunternehmen in China zur Verfügung stellen. Vielleicht komme es aber auch niemals zum Einsatz.

Seltener Krawatten-Termin

"Wir sagen seit langem, dass wir an China interessiert sind, und wir verbringen Zeit damit, das Land besser zu verstehen und mehr darüber zu erfahren", sagte eine Facebook-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe aber noch keine Entscheidung zum weiteren Vorgehen in der Volksrepublik.

Im März hatte der Chef des sozialen Netzwerks einen seiner seltenen Krawatten-Termine: Im dunklen Anzug sprach er in Peking bei Liu Yunshan vor. Der Mann ist Herr über das, was Chinesen sehen, hören oder lesen dürfen - als oberster Chef der Zensurbehörde. Internetnutzer werden in der Volksrepublik wegen kritischer Kommentare verfolgt. Doch vieles, was ihr Weltbild durcheinanderbringen könnte, sollen sie erst gar nicht erblicken.

Da es schwer ist, die Hand über ein weitverzweigtes soziales Netzwerk wie Facebook zu halten, griff die chinesische Regierung zum letzten Mittel und blockierte den Dienst komplett. Auch der Kurznachrichtendienst Twitter, mit dem sich Oppositionelle kurzschließen könnten, und Googles Videoplattform YouTube etwa werden in China unterdrückt.

Facebook light - für Gewinne satt

Facebook könnte mit der neuen Software wieder auf den Riesenmarkt zurückkehren - als Facebook light sozusagen. Einige Quellen der NYT sind indes besorgt, dass auch in einem anderen Staat das neue Zensurprogramm an den Start gehen könnte: in den Vereinigten Staaten unter deren neu gewähltem Präsidenten Donald Trump.

Facebook hat bisher schon in Ländern wie der Türkei, Pakistan oder Russland wegen lokaler Gesetze Inhalte eingeschränkt. Aber auch in freiheitlichen Staaten des Westens werden Veröffentlichungen herausgefiltert, die dort verboten sind, etwa Propagandaposts mit Hakenkreuz-Bildern oder Beiträge, in denen der Holocaust geleugnet wird. Diese Inhalte sind in Deutschland - im Gegensatz zu den USA - gesetzlich untersagt.

jj/kle (dpa, afp, rtr)