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Sport

Die WM und die Angst um den Job

Was haben Nedved, Vogel, Cafú, Thuram, Ibrahimovic, Zambrotta, Robert Kovac bei all ihren unterschiedlichen Nationalitäten gemeinsam? Sie alle bangen um ihren Job.

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Umsatzstark - auch unter der Ladentheke?

Mit ihren Leistungen beim WM-Turnier hat diese Angst weniger zu tun. Vielmehr mit der Tatsache, dass sie bei italienischen Renommierklubs unter Vertrag stehen, die in einen Manipulationsskandal verwickelt sind. Lange wurde der Skandal bei der Weltmeisterschaft verdrängt. Jetzt hat er die Beteiligten eingeholt.

In einem Gerichtssaal im römischen Olympia-Stadion fing am Donnerstag (29.6.) der Sportprozess gegen die vier italienischen Fußball-Renommierklubs an, die in den Sog des Manipulationsskandals geraten sind. Den Vereinen Juventus Turin (allein aus diesem Verein waren bei der WM elf Spieler vertreten), Lazio Rom, AC Mailand und AC Florenz steht damit eine entscheidende Woche bevor, in der Rekordchampion Juve sogar den Zwangsabstieg in die zweite oder gar dritte Liga befürchten muss. Und den Niedergang würde wohl kaum ein Spieler mitmachen.

Auch Strafverfahren drohen

Vor Gericht stehen 30 Personen, darunter der ehemalige Sportdirektor von Juventus Turin, Luciano Moggi, der als Drahtzieher des Skandals zählt. Moggi wird eine systematische Manipulation der Meisterschaftssaison 2004/2005 zu Gunsten des italienischen Rekordmeisters vorgeworfen. Vor allem mit Hilfe korrupter Schiedsrichter soll der 68-Jährige die Liga beeinflusst haben. Moggi hatte unmittelbar nach dem Gewinn der Meisterschaft seinen Rücktritt erklärt.

Den ehemaligen Schiedsrichter-Koordinatoren Paolo Bergamo und Luigi Pairetto soll Moggi vorgeschrieben haben, welcher Schiedsrichter die Juve-Spiele pfeift. Dazu sollen die beiden Koordinatoren sogar die öffentliche Ziehung manipuliert haben. Einige Schiedsrichter sollen von Moggi Anweisungen bekommen haben, welche Spieler sie mit Gelben Karten gezielt für die nächsten Partien außer Gefecht setzen sollten. So soll Moggi die nächsten Juve-Gegner geschwächt haben.

Zu den verdächtigten Schiedsrichtern zählt auch der zunächst für die Weltmeisterschaft nominierte und vom italienischen Fußballverband FIGC zurückgezogene Massimo De Santis. Der Rechtsanwalt von Juventus Turin, Cesare Zaccone, hat alle Hände voll zu tun. Der Verteidiger will den Richtern ein Dossier vorlegen, in dem sich Juventus vor den Vorwürfen des Sportbetrugs verteidigt. Ein Urteil im Prozess ist Mitte Juli zu erwarten. Das Verfahren ist übrigens kein Strafprozess. Allerdings ermitteln in dem Skandal auch mehrere Staatsanwälte wegen mutmaßlicher Verbrechen: Sie könnte letztlich Strafverfahren beantragen.

Immer mehr Vereine unter Verdacht

Inzwischen hat der Ermittler des Fußballverbands, Francesco Saverio Borrelli, mit einem zweiten Teil der Untersuchung begonnen. Dabei geht es um Absprachen mit kleineren Klubs, die bisher nicht in den Sumpf des Skandals geraten waren. Verdächtigt werden die Klubs AC Siena, Reggina Calcio, FC Messina, US Lecce, US Empoli und AC Arezzo. Ihre Beteiligung soll in den nächsten Tagen überprüft werden, mehrere Befragungen sind geplant.

Borrelli will auch die Bilanzbücher des italienischen Verbandes überprüfen. Er schließt nicht aus, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Der Klubchef von Inter Mailand, Massimo Moratti, forderte, dass Juventus Turin die zwei letzten Meisterschaftstitel aberkannt werden müssten, sollte der Klub wegen Absprachen verurteilt werden. Der Erdölmagnat Moratti warnte außerdem vorsorglich vor einer Amnestie im italienischen Fußball.

Der neue Manager des italienischen Fußball-Rekordmeisters Juventus Turin, Gianluca Pessotto, hat am Dienstag (27.6.) offenbar einen Selbstmordversuch unternommen. Der 36 Jahre alte ehemaliger Nationalspieler sprang angeblich aus dem Fenster seines Büros im zweiten Stock der Geschäftsstelle. Er wurde mit Knochenbrüchen ins Molinette-Krankenhaus von Turin eingeliefert, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Inwieweit ein Zusammenhang mit dem Manipulationsskandal besteht, konnte nicht geklärt werden.