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Kultur

Die Vogelgrippe kommt - aber wann?

Die Vogelgrippe hat in Südostasien auch Menschen getötet - und sie breitet sich weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation warnt: Die Pandemie kommt. Aber wann, weiß keiner.

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Impfstoffe gibt es noch nicht, aber Notfallpläne und Medikamente

Beim Symposium der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in San Francisco (28./29.7.2005) werden ausführlich Maßnahmen zur Eindämmung des Vogelgrippe-Virus in Asien diskutiert. Aber die Befürchtungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen über dieses Problem hinaus: Seit Jahren warnen Forscher vor einer möglichen weltweiten Epidemie, einer so genannten Pandemie - wenn das Vogelgrippen-Virus auf den Menschen überspringen sollte.

Gelegenheiten hierzu gibt es reichlich: Erst am 27.7.2005 wurde das Virus erneut in einer japanischen Geflügelfarm entdeckt. 35.000 Tiere sollen getötet werden. In dem selben Bezirk war bereits im vergangenen Monat Juni die Vogelgrippe aufgetreten. Danach wurden 94.000 Tiere getötet.

Bedrohlicher Viren-Mischling

Vogelgrippe Impfung in Indonesien

In Indonesien werden Hühner eingeschläfert, um die Ausbreitung der Vogelgrippe zu stoppen

"Wir befürchten, dass das Virus einen Menschen oder ein Schwein infizieren könnte, die gleichzeitig mit dem normalen menschlichen Grippe-Virus angesteckt sind - und diese beiden Viren dann die gleiche Zelle befallen", erklärt Dick Thompson, Pressesprecher bei der WHO in Genf. Durch den Austausch von Erbmaterial der Viren könnte aus der bisherigen Variante "H5N1" ein noch aggressiveres Vogelgrippe-Virus entstehen - das dann von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Dabei könne es seine Besonderheit behalten, vom menschlichen Immunsystem nur schwer zu erkennen zu sein - und sich dann schnell weltweit verbreiten.

Seit den ersten Todesfällen in Indonesien und der Ausbreitung in Russland hat die WHO ihre Warnstufe für die Gefahr einer Grippe-Pandemie nun auf die dritte von sechs Stufen gesetzt. Ob es diese Pandemie geben wird, ist für die WHO überhaupt keine Frage: "Wir wissen genau, dass es eine Pandemie geben wird", sagt Thomson. "Aber wir wissen nicht, wann sie ausbrechen wird."

Arznei ja, aber kein Impfstoff

Schlafende Schweine Grüne Woche

Vom Schwein ist es nicht weit zum Menschen - für die Vogelgrippe zumindest

Die Folgen einer globalen Grippe-Welle könnten verheerend sein. Bis zu 20 Prozent der Weltbevölkerung könnten sich anstecken; jeder vierte Patient würde sterben, schätzen Mediziner des britischen Fachjournals "Nature".

Verschiedene Länder haben damit begonnen, Vorräte an Grippe-Medikamenten anzulegen - vor allem das Mittel "Tamiflu". Dieses wird derzeit bei einer Infektion mit dem Vogelgrippevirus eingesetzt. Allerdings taugt es nicht als Impfstoff. Und ob es noch wirkt, wenn sich das Virus wie befürchtet verändert, ist völlig ungewiss.

Bisher habe kein Land ausreichende Vorräte an Medikamenten, sagt Thompson. Die WHO könne die Länder nur beraten: "Sie müssen selbst entscheiden, was das für ein Risiko sein könnte und wie viel sie beispielsweise in den Kauf von Medikamenten oder in die Entwicklung von Impfstoffen investieren."

Millionen für Medikamente

In Deutschland wurde schon 2001 eine Expertengruppe zur "Influenza-Pandemie-Planung" am Robert-Koch-Institut (RKI) gegründet, auf deren Rat hin die Bundesländer für 52 Millionen Euro Grippe-Medikamente bestellt haben. Diese Gruppe versucht, im Falle einer Pandemie die Ausbreitung der Grippe so schnell wie möglich einzudämmen. "Man will versuchen den Zeitraum zu strecken, so dass möglichst wenig Leute während der ersten Zeit erkranken", erklärt der Biologe Horst-Gerhard Baumeister, Mitglied in der Expertengruppe. "Denn dann hat man die Chance, einen Impfstoff zu entwickeln."

"Mehr Menschen müssen zur Impfung" Nach Einschätzung der Expertengruppe sei mit der Erkrankung von etwa zehn Prozent der Bevölkerung in einer ersten Grippe-Welle zu rechnen. Diese könne nun mit den angeschafften Medikamenten versorgt werden. Baumeister erklärt allerdings, mehr Menschen müssten eine Grippe-Schutzimpfung vornehmen lassen. Bisher seien nur etwa 30 Prozent der Gefährdeten, also in erster Linie ältere Personen, geimpft.

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