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Afrika

Die USA und der Albtraum von Mogadischu

Vor 20 Jahren landeten US-Truppen in Somalia. Ihr Ziel: Stabilität schaffen. Doch der internationale Militäreinsatz endete in einem Desaster - und beeinflusst die US-Politik gegenüber Afrika bis heute.

Somalia Anfang der 1990er Jahre: Seit dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 herrscht Bürgerkrieg, dazu bahnt sich eine Hungerkatastrophe an. Am 3. Dezember 1992 beschließt der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einstimmig: Ein internationaler Einsatz soll die Sicherheitslage in dem ostafrikanischen Staat zumindest soweit verbessern, dass humanitäre Hilfe möglich ist. Die USA übernehmen das Kommando über die "United Task Force" (UNITAF). Am 9. Dezember 1992 erreichen die ersten Einheiten der UNITAF die Küste vor Mogadischu, der Hauptstadt Somalias.

Bei einer Operation der US-Soldaten im Oktober 1993 schießen somalische Milizsoldaten zwei Helikopter ab, 18 Amerikaner sterben. Die Leichen werden durch die Straßen der somalischen Hauptstadt Mogadischu gezerrt. Daraufhin ziehen die USA ihre Truppen ab.

Keinen "Appetit" mehr auf Auslandseinsätze

US-Soldat mit somalischen Kindern 1992 (Foto: AP)

Anfangs willkommen: US-Soldaten in Somalia 1992

Rashid Abdi studierte damals in Kenia. Der Somalia-Experte erinnert sich noch gut an die Ereignisse im Nachbarland Somalia - und daran, dass der Einsatz dort zu Beginn von der Bevölkerung sogar begrüßt wurde: "Verbindungswege für humanitäre Hilfe wurden gesichert, Hilfsorganisationen kamen und Menschen bekamen wieder Essen“, sagt er. Doch am Ende sei die Mission politisch und militärisch geworden. "Und als dann die US-Soldaten getötet wurden, endete der Einsatz in einem Desaster".

"Das war eine sehr traumatische Erfahrung für die Amerikaner", sagt auch Thomas Cargill, der an der Denkfabrik Chatham House in London zur Afrika-Politik der USA forscht. Es sei ihre schmerzhafteste militärische Niederlage seit dem Vietnam-Krieg und dem Geiseldrama in Iran Ende der 1970er Jahre gewesen. "Die Erfahrung in Somalia hat den Amerikanern für Jahre regelrecht den Appetit auf jegliche Auslandseinsätze dieser Art verdorben", so Cargill. Erst nach dem 11. September 2001 habe sich das geändert, erklärt der Analyst. "Solange haben sich die USA in Afrika lediglich auf humanitäres Engagement konzentriert".

Unterstützung aus dem Hintergrund

2007 wurde Africom gegründet, das Afrika-Kommando der USA mit Sitz im deutschen Stuttgart. Von dort aus werden die militärischen Aktivitäten in Afrika gesteuert. Das sind vor allem Trainingsmissionen. Seit 2011 unterstützen US-Soldaten beispielsweise Uganda bei der Suche nach Kriegsverbrecher Joseph Kony in Zentralafrika.

AFRICOM-Logo (Foto: ddp)

Strategie-Zentrale: AFRICOM

Und auch in Somalia sind die Amerikaner inzwischen wieder aktiv – sie beteiligen sich im Hintergrund an der aktuellen Mission der Afrikanischen Union (AU) in Somalia, AMISOM. "Wir haben die AU mit Beraten unterstützt, haben die Mission und die Truppen technisch unterstützt. Und jetzt bieten wir den Ministerien Unterstützung an", sagt Donald Teitelbaum aus der Abteilung für Afrikanische Angelegenheiten im US-Außenministerium. Wie diese Hilfe genau aussehen werde, liege aber in der Hand der Somalis, betont Teitelbaum. Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme - so laute das Credo der USA. Ihre Rolle sehen sie dabei in der Unterstützung durch Training und Beratung.

Großes Interesse an einem stabilen Somalia

Somalia - Plakat von Präsident Hassan Sheikh Mohamud (Foto: rtr)

Somalias neuer Präsident Sheikh Mohamud

Seit diesem Herbst hat Somalia mit Hassan Sheikh Mohamoud einen neuen Präsidenten und nach über 20 Jahren Bürgerkrieg die erste funktionierende Zentralregierung. Die USA haben großes Interesse daran, dass sich das Land stabilisiert und der Einfluss der islamistischen Al-Shabaab-Miliz weiter schwindet. Die AMISOM-Truppen erzielten im Herbst große Fortschritte im Kampf gegen die Islamisten. Doch ist die indirekte Beteiligung der USA ein guter Weg? "Ich denke, den Amerikanern ist bewusst, welche Auswirkungen eine direkte und öffentliche militärische Beteiligung in Somalia haben könnte. Das könnte zum Beispiel von Al Shabaab genutzt werden, um Antiamerikanismus zu schüren", sagt Somalia-Experte Rashid Abdi. Die US-Unterstützung für afrikanische Truppen hält er in diesem Fall für eine weise Entscheidung: "Soldaten aus diesen Ländern werden in Somalia stärker akzeptiert".

Seit einiger Zeit setzen die USA allerdings auch - wie in Pakistan und im Jemen - unbemannte Drohnen zur Aufklärung und Bekämpfung von Extremisten in Somalia ein. Ein international sehr umstrittenes Vorgehen - für die Amerikaner aber eine Möglichkeit, selbst direkt einzugreifen, ohne eigene Soldaten zu gefährden.

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