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Politik

Die Sahara-Geiseln sind frei: Ende gut, alles gut?

Die im Süden Ägyptens entführten Urlauber aus Europa sind wieder frei. Die Geiseln, unter ihnen auch fünf Touristen aus Deutschland, sind von Spezialkräften befreit worden. Rainer Sollich kommentiert.

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Themenbild Kommentar Grafik Symbolbild

Das Wichtigste zuerst: Die Geiseln aus Ägypten und Europa sind frei. Sie und ihre Angehörigen müssen nicht mehr um ihr Leben fürchten. Alle können erleichtert aufatmen: Es hätte auch ganz anders kommen können.

Dennoch bleiben Fragen offen. Erstens: Sind die Sicherheitsmaßnahmen in der Region ausreichend? Ganz offensichtlich sind sie es nicht. Der gemeinsam mit den Touristen reisende Sicherheitsoffizier, der eigentlich auf sie aufpassen sollte, konnte gegen die Übermacht der Angreifer nichts ausrichten. Er wurde ebenfalls gekidnappt. Es ist Sache der ägyptischen Behörden, hieraus umgehend Konsequenzen zu ziehen. Um zu verhindern, dass ein weiteres Mal Menschen zu Schaden kommen. Aber durchaus auch, um der eigenen Tourismusindustrie größere Wirtschaftsschäden zu ersparen. Und Ägypten-Urlauber aus europäischen oder anderen Ländern sollte bei künftigen Reiseplanungen noch genauer die Sicherheitslage vor Ort studieren. Viele Regierungen dieser Welt und auch das Auswärtige Amt in Berlin geben dazu wichtige, mitunter eben auch lebenswichtige Hinweise, die von vielen Urlaubern oft nicht ausreichend beachtet werden.

Zweifelhaftes Krisenmanagement

Kritisch hinterfragt werden muss jetzt aber auch das Krisenmanagement von einigen der beteiligten Staaten. Keine Frage: Die Befreiung der Geiseln ist als Erfolg zu werten, auch als Erfolg internationaler Zusammenarbeit. Aber als Beobachter musste man in den vergangenen 10 Tagen den Eindruck gewinnen, dass sich nicht alle Beteiligten ausreichend der hohen Verantwortung für das Leben der Geiseln bewusst waren. So verkündete der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit vor einer Woche vorschnell ihre Freilassung - und musste von seiner eigenen Regierung zurückgepfiffen werden. Und der Innenminister des Tschad, Mahamat Hissene, versicherte in einem Interview der Deutschen Welle, die Gefangenen seien "ganz sicher nicht" in seinem Land und bezeichnete entsprechende Medienberichte kurzerhand als "Komplott" und "Medienkampagne" aus dem Sudan. Das mag stimmen oder auch nicht. Aber man darf sich schon darüber wundern, dass ein Innenminister meint, sämtliche Wüstenwinkel seines Landes unter völliger Kontrolle zu haben, und dass manche Regierungen sich auch nicht scheuen, einen Entführungsfall für eigene Zwecke politisch auszuschlachten.

Die Verantwortung der Medien

Kritisch hinterfragt werden sollte schließlich aber auch die Gewichtung und Berichterstattung in vielen internationalen Medien, einschließlich der westlichen, aber auch der arabischen und ägyptischen Fernsehsender. Man fragt sich: Hätte die Entführung genauso viel mediale Aufmerksamkeit erzeugt, wenn es sich bei den Geiseln überwiegend um Menschen nicht-westlicher Herkunft gehandelt hätte?

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