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Kommunikationswissenschaft

Die Psychologie hinter Trump: Harte Zeiten erfordern harte Redner

Er droht und beleidigt. Mimik, Gestik und Sprache sind aggressiv. Er nutzt die Angst seiner Wähler und präsentiert sich als ihr Erlöser. Es ist das psychologische Erfolgsrezept von Donald Trump - und nicht nur seines.

Trump hat es geschafft, eine riesige Menschenmenge hinter sich zu vereinen. Weil er - wie viele andere Politiker - um den psychologischen Effekt von Wortwahl, Intonation, Mimik und Gestik weiß. Es ist wirklich kein Hexenwerk: Das hier sind die wichtigsten Regeln für eine erfolgreiche aggressive Rede.

1. Suche ein Problem

Trump hat sich mit der vornehmlich weißen, gering gebildeten Mittelschicht verbrüdert. Er hat das Potenzial erkannt, das in diesem frustrierten Teil der US-Gesellschaft schlummert, und sich zu dessen Sprachrohr erklärt. In seiner Amtsantrittsrede sagt er, "die Vergessenen werden nicht länger vergessen sein". Mit seiner Wahl bekämen die Menschen ihre Macht zurück.

Glauben diese Menschen das wirklich? Donald Trump gehört nicht erst seit gestern zur Wirtschaftselite des Landes und soll nun ausgerechnet für den kleinen Fabrikarbeiter sprechen? Ja, genau, meint Medienpsychologe und Kommunikationswissenschaftler Benjamin Lange von der Universität Würzburg. "Wenn ich ein durchschnittlicher Trump-Wähler wäre, würde ich wahrscheinlich denken: Das ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der bekommt das hin! Für jemanden, der nicht viel zu verlieren hat, strahlt Trump wirtschaftliche Kompetenz aus", sagt Lange.

USA Präsidentschaftswahl Wahlparty der Republikaner in New York (Getty Images/C. Somodevilla)

Trump schafft es, auch junge Menschen zu begeistern.

2. Die Körpersprache des Alpha-Tieres

Medienpsychologe Lange beschreibt Trump als ein typisches Alpha-Männchen, dominant und aggressiv. Er hat sich die Rede des US-Präsidenten am Tag der Amtseinführung angeschaut. Trumps Gesichtsausdruck ist ernst, die Augen zusammengekniffen. Bloß nicht lächeln! "Statushohe Männer lächeln einfach nicht", sagt der Psychologe. Das würde den Ernst der Lage konterkarieren.

3. Die Sprache: You are the people!

Die Sprache sollte dem Problem angepasst sein. Den meisten von Trumps Wählern wird eine geringe Bildung nachgesagt. Die Welt hingegen ist durch die komplizierten internationalen Verflechtungen immer schwerer zu verstehen. Trumps Devise ist deshalb: Die Sätze sind kurz, die Botschaften simpel. Denn bisher ging es nicht darum, die Welt tatsächlich zu verändern, sondern die auserkorenen Problem-Menschen hinter sich zu versammeln.

Um die Allianz mit dem einfachen Volk zu festigen, appelliert Trump an das Herdentier in seinen Wählern. "Er sagt 'wir' und 'uns' und kreiert ein Gruppengefühl für die Menschen, die sich seit längerem keiner Gruppe mehr zugehörig fühlen", erklärt Kommunikationswissenschaftler Lange. Trump spreche von "movement" - einer Bewegung - und gebe seinen Anhängern damit das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein.

Infografik Trump vs. Obama Ein Amt - zwei Welten

Das waren die Lieblingsworte von Obama und Trump in ihren jeweiligen Antrittsreden

Es empfiehlt sich außerdem, mit emotional stark aufgeladenen Worten zu agieren. Trump hat in seiner Antrittsrede von Drogen, Kriminalität und Banden gesprochen. Diese Themen sind medial so präsent, dass es für viele Menschen gar keiner persönlichen Erfahrung bedarf, damit Ihnen diese Begriffe Angst machen. Drogen, Kriminalität und Banden - von heute an ist Schluss damit! Erst an die Angst erinnern und sich dann als der Erlöser präsentieren - das ist ein beliebter Kniff aller Populisten.

4. Vergiss die kognitive Dissonanz

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern! Es ist vollkommen unnötig, konsequent einem roten Faden folgen zu wollen, der die eigenen Gedankengänge logisch und nachvollziehbar erscheinen lässt. Denn die menschliche Psyche kann einen offensichtlichen Widerspruch, die sogenannte kognitive Dissonanz, eliminieren. Das machen wir immer dann gerne, wenn etwas unserem Weltbild völlig zuwider läuft.

Die Folge: "Das hat er bestimmt nicht so ernst gemeint. Oder: Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern. So versucht die Psyche die Widersprüche wieder aufzulösen", erklärt Lange. "Kognitive Dissonanz bekommt man gut wieder weg, wenn man sich auf die Reize konzentriert, die die Sache widerspruchsfrei für uns machen."

5. Was wir alle wollen

Trump ist nicht der einzige aggressive Redner in der Politik - im Gegenteil. Auch Anton Hofreiter oder Claudia Roth von den eher friedfertigen Grünen können derart aggressive Reden schwingen, dass Haare und Schal fliegen, sagt Lange. Trump hebt sich natürlich durch seine Freude am Beleidigen von den meisten anderen Politikern ab.

Bundesparteitag der Grünen (picture-alliance/dpa)

Aggressive Reden schwingen die meisten Politiker, sagen Medienpsychologen - auch Anton Hofreiter von den Grünen.

Trotzdem: Plärrende Alpha-Tiere in Führungspositionen sind nichts Außergewöhnliches. Stehen wir irgendwie doch alle ein bisschen auf das Aggressive? "Es ist wie bei der Partnerwahl", sagt Lange. "Wir wollen jemanden, der nach außen stark, zu uns aber ganz lieb ist." Für die Trump-Wähler bedeutet "America first" nichts anderes als außen hart und innen ganz weich.

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