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Wirtschaft

Die Preise steigen

Unternehmer nutzen die Einführung des Euro-Bargelds, um Preise zu erhöhen. Auch die Optik spielt bei der Umrechnung eine Rolle.

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Der Euro - ein Preistreiber?

Schon vor der Einführung des Euro-Bargelds klagen Verbraucher über höhere Preise: "Zum Beispiel die H-Milch, die hatte vorher 98 Pfennig gekostet, jetzt 1,18 Mark." Oder: "Direkt bei der Einführung nicht, aber im Vorfeld merkt man das jetzt schon."

Die Preise sind hochgegangen. Deutlich hochgegangen in den vergangenen Wochen. Das leugnet auch Edgar Meister, Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank, nicht: "Ich möchte generell noch dazu sagen, dass es sehr, sehr schwer ist zu unterscheiden, ob eine Preiserhöhung eurobedingt ist oder ob beispielsweise die Tierkrisen BSE oder Maul- und Klauenseuche oder ob es hier Sonderfaktoren sind. Das sieht man den Preiserhöhungen in der Regel nicht an."

Der Markt, das heißt der Verbraucher, werde das schon regeln. Das meint auch Frank Albrecht, Präsident des Hessischen Einzelhandelsverbandes. Er verspricht sogar, dass es mit den Erhöhungen jetzt vorbei sei: "Viele Einzelhändler sagen, wir können jetzt im zweiten Halbjahr 2001 auf keinen Fall die Preise noch einmal erhöhen. Wir können es wahrscheinlich auch nicht im ersten Quartal im Jahr 2002, so dass das, was bis jetzt erhöht wurde, praktisch schon jetzt ein Vorgriff auf diese Einführung ist."

Der Einzelhandel hat sich eine Selbstverpflichtung auferlegt, bei dieser Umstellung korrekt umzurechnen. Das bedeutet aber nicht, dass die Preise nicht erhöht werden. Aus strategischen Gründen hat der Handel die Preise bis Ende Juni angehoben. Denn seit dem ersten Juli werden die Preise groß in Euro ausgezeichnet. Und da will der Einzelhandel den Kunden nicht direkt mit Preisanstiegen verärgern. Dass Preise gezielt erhöht wurden, legt auch eine Studie des Instituts für angewandte Verbraucherforschung nahe, wie Rainer Wezel erklärt: "Es ist eine ganz erkennbare Strategie, es eben jetzt zu tun, wenn noch nicht so sehr darauf geachtet wird. Wir müssen natürlich davon ausgehen, dass die Verbraucher dann unmittelbar vor dem Jahreswechsel sehr viel mehr darauf achten, wie die Preise umgestellt werden."

Das Institut hat zwei Monate lang die Preisentwicklung von über 1.200 Produkten verfolgt. Ergebnis: Einige wurden billiger. Das waren aber meist saisonabhängige Kleidungsstücke oder veraltete Elektrogeräte. Viele wurden teurer. Das legt den Verdacht nahe, dass die Umstellung auf den Euro dabei eine Rolle spielte, so Rainer Wezel: "Eine Bohrmaschine, die früher 169 Mark gekostet hat, kostet jetzt 175,93 Mark. Das also einem Europreis von 89,95 Euro entspricht. Das sind Erhöhungen, die dann offensichtlich schon auf die gewünschten Europreise vorgenommen wurden."

Bei extrem hohen Verteuerungen könnten die Händler später mit den Preisen runtergehen, vermutet Rainer Wezel. Im Vergleich wären solche Sonderpreise dann aber noch immer eine deutliche Preiserhöhung. Wichtig bei allen Preisen, ob jetzt in D-Mark oder dann in Euro, sie sollen schön aussehen. Das heißt, hinter dem Komma mit einer Neun enden. Rainer Wezel: "Diese bei uns übliche Optik mit diesen Neuner-Preisen, diese Signalpreise, die anscheinend psychologisch wichtig sind - so hat sich eben unsere Preiswelt eingependelt - wenn es das so nicht gäbe und man einfach nur eine ganz korrekte Umrechnung vornehmen bräuchte, dann hätten wir dieses Problem nicht."

Ob die Preise nun vom Rinderwahnsinn oder dem Euro nach oben getrieben werden oder einfach nur schön aussehen sollen, ist dem Kunden oder der Kundin letztlich egal: "Ich bin Hausfrau und Mutter. Ich gehe einkaufen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich einen Verbrauch von sechs Litern Milch am Tag habe, und die Milch um 30 Pfennig teurer ist, dann werden wir auf Wasser umsteigen."

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