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Nahost

Die "Operation Babylon" und ihre Folgen

Vor 25 Jahren zerstörten israelische Kampfjets einen fast fertigen irakischen Atomreaktor bei Bagdad. Israel nannte die Aktion einen Akt der "präventiven Selbstverteidigung".

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Mit F-15 Kampfjets bombardierte die israelische Luftwaffe den Atomreaktor

Die "Operation Babylon" - so der Code-Name für den Angriff - beginnt am 7. Juni um 15.55 Uhr: Von der Luftwaffenbasis Etzion im damals noch besetzten ägyptischen Sinai heben acht F-16 und fünf F-15 Kampfbomber in Richtung Osten ab. Wenig später dringen sie in den saudischen Luftraum ein und fliegen dort zunächst entlang der saudisch-jordanischen Grenze, bis sie den Irak erreicht haben.

Zweieinhalb Stunden nach ihrem Start haben sie Bagdad erreicht und damit auch das Ziel - den fast fertig gestellten irakischen Reaktor Osirak, nur wenige Kilometer außerhalb der irakischen Hauptstadt. Innerhalb nur weniger Minuten werfen sie 16 Bomben mit einem Gewicht von jeweils 1000 Kilogramm auf den Reaktor ab. Die Bomben durchschlagen das Dach und zerstören den Reaktor völlig.

Hefige Reaktionen der UN

Kurt Waldheim

Scharfe Kritik: Ex-UNO-Generalsekretär Waldheim

Der Sicherheitsrat verurteilt aufs Schärfste den israelischen Militärangriff als einen Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen und die Normen des internationalen Verhaltens." So beginnt die Sicherheitsrats-Resolution 487 vom 19. Juni 1981. Zwölf Tage sind seit dem Angriff vergangen. In der Weltorganisation ist man sich einig: Israel dürfe solches nicht wiederholen und auch nicht androhen, weil dies die Basis des Nichtverbreitungsabkommens zerstöre, dem der Irak im Gegensatz zu Israel angehöre. Und auch UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim ist verärgert: "Die Bombardierung eines irakischen Atomreaktors steht in klarem Widerspruch zu internationalem Recht und muss verurteilt werden."

Rechtfertigungen aus Israel

In Israel will man den Angriff zunächst geheim halten, dann entschließt Ministerpräsident Menachem Begin sich aber doch, das selbst auferlegte Schweigen zu brechen, allerdings erst, nachdem die Flugzeuge unversehrt zurückgekehrt sind. Begin rechtfertigte den Angriff damals: "Wir hatten Information aus den zuverlässigsten Quellen, dass der Atomreaktor Osirak entweder im Juli dieses Jahres oder spätestens im September betriebsbereit und 'heiß' sein würde. Aus einfacher Logik beschlossen wir, zu handeln." Die Regierung Menachem Begin reklamiert den Artikel 51 der UN Charta für sich. Im Sicherheitsrat ist man anderer Meinung und man fordert Israel stattdessen auf, selbst dem Atomwaffensperrvertrag NPT beizutreten. Israel denkt nicht daran.

Hat Paris mit Jerusalem zusammengearbeitet?

Besonders erbost ist Frankreich: Unter dem damaligen Ministerpräsidenten Jacques Chirac hatte Paris sich in den siebziger Jahren bereit erklärt, dem Irak einen Atomreaktor zu bauen und über 12 Kilo hoch angereichertes Uran zu liefern. Am Tag des israelischen Angriffs aber hatten die französischen Experten vor Ort - bis auf einen - den Reaktor verlassen - Grund für Verdächtigungen, Paris habe mit Jerusalem zusammengearbeitet. Der einzige zurückgebliebene Franzose wurde bei dem Angriff getötet. Er war möglicherweise ein Helfer der Israelis, der einen Ortungssender am Reaktor installiert hatte.

Washington will Geschäft platzen lassen

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Auch in Washington, das damals schon zu den engsten Verbündeten Israels zählt, ist man zunächst verärgert. Und verhängt ein vorübergehendes Embargo über die Lieferung bereits zugesagter Kampfbomber vom Typ F-16. Erst Tage später beginnt Washington eine Kursänderung. Jean Kirkpatrick, US-Botschafterin an den Vereinten Nationen erklärt: "Ich glaube wirklich, man muss erkennen, dass Israel Grund zur Sorge hatte." Angesichts der bisherigen Geschichte des Irak, der nie einen Waffenstillstand unterzeichnet oder Israel als Staat anerkannt habe und sich auch nie an irgendwelchen Friedensbemühungen beteiligt habe. Der Irak erkenne ja noch nicht einmal Israels Existenz als Land an, sagt Kirkpatrick.

Empörung in der arabischen Welt

In Bagdad hält man sich zunächst zurück. Man erkennt aber rasch, dass die eigenen Atompläne damit um Jahre zurückgeworfen sind. In der arabischen Welt bricht lauter Protest aus, denn man sieht in dem Angriff wieder einmal eine Demütigung durch Israel. Clovis Maksoud vertritt damals die Arabische Liga bei den Vereinten Nationen: "Die Schwere dieser Entwicklung stellt eine qualitative Veränderung von Israels Hang zur Aggression dar.

Ohne Zweifel erfordert dies von den arabischen Staaten ein Niveau der Koordination unserer strategischen Antwort", sagte Maksoud. Er kündigte an, eine dringende Sitzung der Arabischen Liga einzuberufen und vor den Sicherheitsrat zu ziehen.

Tiefes Misstrauen

Menachem Begin

Ex-Premierminister Menachem Begin gab den Angriffsbefehl

Der Gang zum Sicherheitsrat bleibt ohne Folgen. Wenn man einmal von der Resolution 487 absieht. Die "Operation Babylon" aber und die Zerstörung des irakischen Atomreaktors vertiefen das Misstrauen der Region gegenüber Israel, von dem man längst überzeugt ist, dass es über Atomwaffen verfügt und von dem man nun annimmt, dass es auch die einzige Atommacht in der Region bleiben will. Der Angriff auf den Reaktor bei Bagdad dient gleichzeitig lange Jahre auch als Warnung an alle, die zu großes Interesse an Atomforschung oder gar Atomwaffen entwickeln.

Vielleicht mit ein Grund dafür, dass der Iran die ersten Schritte auf diesem Gebiet jahrelang geheim hielt. Heute braucht er die Öffentlichkeit nicht mehr zu scheuen, weil seine Atomanlagen auf zahlreiche Orte verstreut sind und nicht so leicht zerstört werden können wie einst der Reaktor bei Bagdad. Das meint auch der Kommandant des israelischen Angriffs auf Osirak, Zeev Raz: Die Atomanlagen im Iran könnten bestenfalls durch Bodenoperationen zerstört werden, ein Luftangriff wie der von 1981 bei Bagdad komme im Iran nicht in Frage.

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  • Datum 07.06.2006
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