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Europa

Die Mittelmeerunion bleibt unpolitisch

Ägypten ist neben 42 anderen Anrainerstaaten Mitglied in der Mittelmeerunion. Sie führt ein Schattendasein. Ob das so bleiben wird, erklärt der stellvertretende Generalsekretär Ilat Chet im Interview mit DW-WORLD.DE.

Ilan Chet, stellvertretender Generalsekretär (Foto: Pressestelle Mittelmeerunion)

Ilan Chet will vor allem mehr Projekte im Rahmen der Mittelmeerunion umsetzen

DW-WORLD.DE: In der Mittelmeerunion sind neben den Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens auch alle EU-Staaten vertreten. In der jetzigen Umbruchsituation in der Region hört man allerdings wenig von dieser Union. Ihre Arbeit wird vom Konflikt zwischen arabischen Staaten und Israel überlagert. Herr Chet, wird die Rolle der Mittelmeerunion durch die Umwälzungen in Tunesien und Ägypten auf lange Sicht gestärkt?

Ilan Chet: Das hoffe ich. Ehrlich gesagt, bin ich ein Professor und kein Diplomat. Ich habe die Verbindung der Mittelmeerunion zum Friedensprozess (zwischen Israel und den Palästinensern) nie verstanden. Ich hoffe wirklich, dass es bald einen Friedensvertrag geben wird. Trotzdem ist die Rolle der Union so positiv, dass es schlecht wäre, sie wegen Dingen zu stoppen, die nichts mit ihr zu tun haben.

Vielleicht sind die Veränderungen in Ägypten und Tunesien dauerhaft und wirken sich auch noch auf andere Regime aus. Auf der Ebene der stellvertretenden Generalsekretäre arbeiten wir alle wirklich gut zusammen. Lassen Sie uns hoffen, dass die Umbrüche eine Wende zum Besseren bringen werden.

Die Mittelmeerunion ist 2008 gegründet worden. Die nordafrikanischen Regime, die jetzt unter Druck stehen, sind Teil der Union. Wie wirkt sich das auf die Glaubwürdigkeit der Mittelmeerunion heute aus?

Die stellvertretenden Generalsekretäre der Union sind alle keine Politiker. Wir kümmern uns um konkrete Projekte. Und die sind die gleichen Projekte - jetzt wie auch zuvor. Es geht um Energieeinsparung und die Energieversorgung. Diese Probleme werden auch in den nächsten Jahren noch aktuell sein. Das trifft auch auf die Stadtentwicklung und Transportsysteme zu. Wir wollen helfen, diese Probleme zu lösen, egal wer gerade in diesen Ländern an der Regierung ist.

Sie sind israelischer Staatsbürger. Machen Sie sich persönlich Sorgen wegen der Entwicklung in Ägypten?

Ich bin sehr besorgt, weil wir im Nahen Osten nun wirklich schon genug Probleme habe. Das brauche ich nicht weiter auszuführen. Wir haben einen sehr stabilen Friedensprozess zwischen Israel und Ägypten und auch zwischen Israel und Jordanien. Ich hoffe von Herzen, dass dieser Friedensprozess weitergeht und noch auf andere Staaten in der Region ausgeweitet wird. Zum Beispiel arbeiten wir gerade daran, eine neue Universität der Mittelmeerunion in Fez, Marokko, aufzubauen. Das ist ein ganz entscheidendes Projekt für die ganze Region. Innerhalb der Länder am Südufer des Mittelmeeres tut sich etwas. Und wenn die Länder vom Nordufer dabei helfen können, ist das fantastisch.

Glauben Sie, dass die Region am Südufer bereit ist für Demokratie?

Wir können die Länder nicht zwingen. Jedes Land geht seinen eigenen Weg mit seiner eigenen Geschwindigkeit und nach dem Willen der Menschen, die dort leben. Die müssen entscheiden. Wir können ihnen das nicht von außen aufzwingen.

Gehen Sie davon aus, dass die Mittelmeerunion in Zukunft mehr politisches Gewicht bekommen wird?

In gewisser Weise ist sie theoretisch schon eine politische Organisation, weil sie von 43 Anrainerstaaten des Mittelmeers getragen wird, von der Europäischen Union und den anderen Staaten, die nicht Mitglied in der EU sind. Die Unterstützung ist breit, aber in der Praxis sind wir eine technische Organisation und keine politische.

Und Sie vermuten nicht, dass diese politische Rolle in Zukunft wachsen könnte?

Sie kann wachsen, aber nur in dem Sinne, dass wir größere Projekte umsetzen, die mehr Menschen berühren. Aber eine echte politische Funktion sehe ich nicht.

Ilan Chet ist israelischer Professer für Landwirtschaft und einer der stellvertretenden Generalsekretäre der Mittelmeerunion, die die konkrete Arbeitsebene der Union darstellen und deren Projekte managen.

Interview: Neil King
Redaktion: Bernd Riegert

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