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Kultur

Die Magie der Rebe

Wein ist mehr als nur ein berauschendes Getränk, das gut schmeckt. Er ist ein Symbol, das von jeher mit viel Gefühl und Ausdruckskraft verbunden wird, in der Kirche und in der Kunst. Darauf ein Prosit!

Weintrauben am Weinstock (Foto: DW)

Schon im Altertum begannen die Menschen dem Wein besondere Kräfte zuzuschreiben. Er begleitete religiöse Rituale und Feste, aber er war nicht nur ein Accessoire. Was man mit ihm verband, wurde in Gottheiten personifiziert und repräsentiert. Anregung für den Geist, Kraft und Sinnlichkeit. In der römischen Mythologie war es Bacchus, bei den Griechen Dionysos, in Ägypten Osiris. Über die Religion fand der Wein später seinen Weg in die Symbolwelt der Kunst, ob von Michelangelo geformt oder von Velazquez gemalt. Unzählige Darstellungen von Künstlern folgten.

Bacchus-Gemälde von Diego Velasquez

Bacchus-Gemälde von Diego Velasquez

Heute sprechen vor allem Historiker von der Verbindung des Weins zur Kultur - und natürlich Marketingfachleute und Winzer. Die Anknüpfungspunkte könnten dabei vielfältiger nicht sein. Das Deutsche Weininstitut - die Werbeeinrichtung für Deutschen Wein im In- und Ausland - kürt im Jahr 2010 mehr als 40 Höhepunkte der Weinkultur in Deutschland.

Wo Wein wichtig war - und ist

Kloster Eberbach im Rheingau

Kloster Eberbach

Ausgewählt werden Sehenswürdigkeiten in einem der 13 deutschen Anbaugebiete, die einen direkten Bezug zur Geschichte und zur Tradition des Weinbaus in Deutschland haben. Zum Beispiel das ehrwürdige Kloster Eberbach im Rheingau. 1136 von den Zisterziensern gegründet, entwickelte sich Eberbach schnell zu einem der größten und bedeutendsten Klöster Deutschlands – auch dank des Rebensaftes. Heute ist es zwar kein Kloster mehr, aber Wein und Kultur spielen immer noch eine große Rolle.

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Weintheater

Denn in Eberbach wird nicht nur Wein produziert. Man kann ihn auch auf der Bühne erleben. Das Theaterensemble "Weinkörper" inszeniert Stücke, in denen die Schauspieler Weine personifizieren. Sie zeigen sich als schillernde Zwitterwesen und weisen damit nicht nur auf deren komplexen Geschmack hin, sondern unternehmen vielfältige Ausflüge in die Geschichte und Gegenwart. Sie versuchen zu zeigen, was Wein alles ist oder sein kann: eine für den Verbraucher designte Ware, ein flüssiges Spekulationsobjekt in der Finanzwelt, ein Mittel des Rausches und ein Mythos der europäisch-christlichen Kultur.

Wein on stage und back stage

Martin Tesch auf der Bühne, Copyright Weingut Tesch

Wein und Winzer auf der Bühne

Auch Martin Tesch vom gleichnamigen Weingut in Langenloinsheim an der Nahe hat mit Wein schon auf der Bühne gestanden. Aber ganz anders. Sein Credo: den Wein dorthin bringen, wo bisher keiner war. Auf einer "Rolling Riesling Show" ist er mit dem renommierten Gitarrenhersteller Gibson und Musikern durch Deutschland getourt. Weinprobe mit 400 Personen – on stage. Backstage gibt's aber auch. Auf dem legendären Musikfestival an der Rennstrecke des Nürburgrings "Rock am Ring" übernimmt Tesch seit Jahren einen Teil der Künstlerbetreuung. Hinter der Bühne serviert er den Musikern Riesling und Co. Für Bands, die durch die ganze Welt touren, hat er sogar ein eigenes Etikett entworfen, auf dem er mit einem Negativbegriff spielt: Krautwine. Das kommt an.

Auch die Brüder Martin und Gregor Meßmer aus Burrweiler in der Pfalz stellen zwischen Musik und Wein eine besondere Verbindung her. Allerdings nicht auf und hinter der Bühne, sondern in ihrem Keller. Dort werden die Weine bei der Vergärung und anschließenden Reife beschallt. Sie sind davon überzeugt, dass Wein, der Musik vorgespielt bekommt, feiner und harmonischer wird. Und sie testen das auch mit anderen Winzern in verdeckten Verkostungen. Riesling mag eher Mozart, andere Weine bekommen Tschaikowsky, aber auch Miles Davis tut manchem Rebsaft gut.

Wein auf Leinwand geht auch

E L L A N O H L Arbeiten mit Rotwein D.Wosimsky@galerie-wosimsky.de www.galerie-wosimsky.de

Auch Hella Nohl geht kreativ mit Wein um. Allerdings spielen bei ihr weder Geschmack noch die Geschichte eine Rolle. Sie malt in ihrem Atelier in Hattenheim im Rheingau mit Wein, und zwar nur mit Wein. Spätburgunder zum Beispiel, aber auch gerne mit Roten aus Italien, Chile oder Südafrika. Die haben mehr Farbe. Spätburgunder ist heller und deshalb etwas schwieriger. Aber Panschen, also Mischen kommt bei ihr nicht in Frage. Trotzdem hält sich der Materialverbrauch in Grenzen: "Ich brauche gar nicht viel. Kleine, halbe Gläschen reichen manchmal für ein ganzes Bild." Ein bisschen trinkt sie aber auch von der Farbe. Unprobiert kommt nichts auf die Leinwand.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Marlis Schaum