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Kultur

Die letzten Momente

Der Titel ist schlicht und nüchtern: "Umsiedlung der ungarischen Juden", so heisst das Internet-Fotoalbum. Es erinnert webweit an den Holocaust im Konzentrationslager Auschwitz.

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Das Fotoalbum dokumentiert das grausamste Kapitel des 20. Jahrhunderts: Die Massenvernichtung der Juden in Nazi-Deutschland. Das Dokument ist einmalig: Es ist das einzige, das Fotos über die Ankunft von Juden in Todeslagern zeigt. Nun kann es im Internet weltweit durchgeblättert werden.

Entscheidungen über Leben und Tod

Das visuelle Internet-Zeugnis zeigt Aufnahmen, die von SS-Leuten während der Deportationen im Jahr 1944 aufgenommen wurden. Die Motive zeigen Entscheidungen über Leben und Tod: Juden bei ihrer Ankunft im Konzentrationslager und bei der "Selektion" an der "Rampe". Hier entschied einst der Lagerarzt Joseph Mengele, wer sofort ermordet wurde und wer zunächst weiterleben durfte. In dem Fotoalbum sind keine Gewalttaten festgehalten, sondern ungarische Juden bei ihrer Ankunft in den Lagern - unwissend, was sie dort erwarten sollte.

Die Fotos schossen zwei SS-Männer, deren Aufgabe es war die Neuankömmlinge im Lager per Passfoto und Fingerabdruck zu dokumentieren. Wohl in ihrer Freizeit fungierten sie auch als Fotografen im Lager. Ihre Motive sammelten sie in einem Album.

Zufallsfund

Dass dieses Album unversehrt und in gutem Zustand existiert, ist der Finderin zu verdanken. Lily Zelmanovic, eine Jüdin, wurde als 18jährige ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Dort wurde sie direkt nach der Ankunft von ihrer Familie getrennt, die sie nie wiedersah. Nach ihrer Befreiung fand sie dieses Fotoalbum in den verlassenen Baracken. Per Zufall erkannte sie auf den Fotos ihre eigene Familie wieder. Nach dem Krieg ging sie nach Amerika. Unter den Überlebenden sprach sich herum, dass Lily Zelmanovic ein Fotoalbum "der letzten Momente" besaß. Viele hofften auch ihre Lieben wiederzuerkennen. Die Überlebende brachte das Album in den achtziger Jahren nach Jerusalem. Dort wurde es in der Jerusalemer Holocaust Gedenkstätte Yad Vaschem restauriert. (pt)

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