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Politik

Die Katastrophe nach dem Hurrikan

Eine der größten Rettungsaktionen in der Geschichte der USA beginnt zu greifen. Jetzt hat Amerika auch noch zusätzliche Hilfe aus dem Ausland angefordert. DW-WORLD dokumentiert die wichtigsten Ereignisse des Tages.

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Soldaten bemühen sich zu helfen, wo sie können

Die USA haben die Europäische Union und die Nato offiziell um Hilfe für die vom Hurrikan "Katrina" verwüsteten Regionen ersucht. Amerika habe um Nahrungsmittelhilfen gebeten, teilte die Nato am Sonntag in Brüssel mit. Nach Angaben der EU-Kommission baten die USA um Erste-Hilfe-Ausrüstungen, Decken, Wasser-Tankfahrzeuge und 500.000 Fertigmahlzeiten.

"Wir sind bereit, zu den Hilfsanstrengungen zur Beilegung der Krise in New Orleans beizutragen", sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Der Anfrage gingen tagelange informelle Kontakte und Vorbereitungen von USA und EU voraus. Nun sollen die angeforderten Hilfsgüter ab Sonntagabend oder Montag in die USA geflogen werden.

Viele der 25 EU-Länder - darunter auch Deutschland - haben den USA außerdem eigene Hilfsangebote unterbreitet. Insgesamt haben bislang 55 Staaten ihre Unterstützung zugesagt. Am Sonntag bot auch der Iran seine Hilfe an.

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US-Militär und Polizei beschleunigten am Wochenende die Evakuierung des noch immer zu 80 Prozent überfluteten New Orleans. Verkehrsminister Norman Mineta sprach von "der größten Luftbrücke auf US-Boden in der Geschichte". Hunderttausende Opfer sind inzwischen von anderen US-Staaten aufgenommen worden. Doch nicht alle Evakuierten fanden sofort eine Unterkunft. Augenzeugen berichten immer wieder, dass Busse mit den schwer traumatisierten Flutopfern von überfüllten Notunterkünften abgewiesen wurden.

Der Flughafen von New Orleans wurde zum Transitlager und zur Behelfsklinik umfunktioniert. Ärzte und Pflegepersonal behandelten hunderte Kranke und Verletzte in der Abflugzone. Für die ernsten Fälle wurden zwei Feldlazarette errichtet. Vor allem alte und chronisch kranke Menschen sind nach den Strapazen der vergangenen Tage stark geschwächt.

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Der US-Senat hat einen Untersuchungsausschuss zum Verhalten der Behörden vor und nach dem Hurrikan eingerichtet. Es liege ein Fall "gewaltigen Versagens" vor, sagten die Ausschussvorsitzenden, die Republikanerin Susan Collins und der Demokrat Joseph Lieberman. Für Mittwoch ist eine erste Anhörung unter Ausschluss der Öffentlichkeit geplant.

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Die deutsche Bundesregierung hat am Wochenende eine erste Nahrungsmittelhilfe in das amerikanische Katastrophengebiet gebracht und weitere Hilfslieferungen vorbereitet. Ein zweiter Flug mit Hilfsgütern sei in Vorbereitung, sagte ein Sprecher des Verteidigungs-Ministeriums. Allerdings werde zunächst ein Treffen mit US-Botschafter William Timken abgewartet, von dem eine Konkretisierung der benötigten Hilfe erwartet werde.

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Sechs Tage nach dem Hurrikan "Katrina" haben Helfer in New Orleans im größeren Umfang mit der Bergung der Toten begonnen. Mit dem Sammeln der in den Straßen und im Wasser liegenden Leichen sei "Phase zwei" der Rettungsmaßnahmen in der überfluteten Stadt gestartet worden, berichtete der US-Nachrichtensender CNN am Sonntag unter Berufung auf einen hochrangigen Militärangehörigen. Dadurch solle die weiträumige Ausbreitung von Seuchen verhindert werden.

Die Gouverneurin von Louisiana rechnet damit, dass der Hurrikan tausende von Menschen das Leben gekostet haben könnte. Rund eine Million Menschen haben ihr Zuhause verloren.

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Die Evakuierung der beiden großen Notunterkünfte in New Orleans - die Sportarena "Superdome" und das Kongresszentrum - ist abgeschlossen. Insgesamt wurden bislang rund 42.000 Einwohner aus der überfluteten Küstenstadt evakuiert. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums erhalten 100.000 Menschen humanitäre Hilfe.

In der Innenstadt von New Orleans bleibt die Lage aber chaotisch. In den Straßen liegen Leichen. Der Geruch von Verwesung, Müll und Exkrementen hängt in der Luft. Ärzte warnten vor dem Ausbruch von Seuchen in der Region. Wie viele Menschen weiterhin in ihren Häusern ausharren, ist unbekannt. Militärvertreter rechnen mit bis zu 80.000.

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Die USA haben für die Hurrikan-Gebiete Hilfsangebote von ungeliebter Seite bekommen: Die beiden verfeindeten Staaten Kuba und Venezuela erklärten sich zur Entsendung insbesondere von medizinischer Hilfe bereit. Venezuela bot den USA unter anderem Hilfsgelder in Höhe von einer Million Dollar an. Das Angebot an die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, sei in einer offiziellen diplomatischen Note an die US-Botschaft ergangen.

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Der US-Dokumentarfilmer und erklärte Irak-Kriegs-Gegner Michael Moore hat US-Präsident Bush mit beißendem Sarkasmus für die schleppend anlaufende Rettung der Opfer des Hurrikan verantwortlich gemacht. Vielen der Not leidenden Menschen in den überschwemmten Gebieten im Süden des Landes bleibe schnelle Hilfe verwehrt, weil sich Einsatzgeräte und Soldaten der Armee im Irak befänden, schrieb Moore in einem am Samstag auf seiner Internetseite veröffentlichten offenen Brief an den Präsidenten.

Die linksgerichtete Organisation MoveOn.org vermittelt Schlafplätze an Bedürftige. MoveOn hatte am Donnerstag eine Internetseite mit Informationen über verfügbare Betten eingerichtet. Innerhalb der ersten 24 Stunden bot die Bevölkerung rund 42.000 Schlafplätze an. Zahlreiche Künstler unterstützen die Organisation. Zugleich liefen weitere Benefizaktionen an.

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Die USA ziehen 3000 Soldaten vorzeitig aus dem Irak ab, damit diese bei den Hilfseinsätzen in den Hurrikan-Gebieten eingesetzt werden können. Die Einheit der Nationalgarde von Louisiana werde den Irak eine Woche früher als geplant verlassen, erklärten US-Behörden am Samstag. Zudem würden 300 Mitarbeiter der US-Luftwaffe, die derzeit im Irak oder Afghanistan eingesetzt seien, in ihre Heimat zurück geschickt. Ihnen werde erlaubt, ihre Familien bei der Bewältigung der Katastrophe zu unterstützen.

US-Präsident George W. Bush will am Montag zum zweiten Mal in das Katastrophengebiet reisen. Ein für kommende Woche geplanter Besuch von Chinas Präsident Hu Jintao wurde auf einen geeigneteren Zeitpunkt verschoben.

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Das US-Umweltinstitut Worldwatch fordert nach der Hurrikan-Katastrophe ein Umdenken in der internationalen Umweltpolitik. Das Institut warf der US-Regierung vor, Mittel für die Katastrophenvorsorge und den Umweltschutz gestrichen zu haben, um den Irak-Krieg zu finanzieren. Die Begradigung des Mississippis und die Zerstörung von Marschland habe die Region um New Orleans den Naturkräften schutzlos ausgeliefert.

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Ein führender Republikaner und Freund von Präsident Bush hat Zweifel am Sinn des Wiederaufbaus von New Orleans geäußert und damit einen Sturm der Empörung ausgelöst. Dennis Hastert, Präsident des Abgeordnetenhauses, sagte in einem Interview, es sei nicht sinnvoll, viel Geld für den Wiederaufbau einer Stadt auszugeben, die unter dem Meeresspiegel liegt.

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