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Wirtschaft

Die Homepage feiert 25. Geburtstag

1969 tauschen in Kalifornien erstmals zwei Computer über eine Telefonleitung Informationen aus. Die erste Webseite der Welt ist jedoch bedeutend jünger - sie erschien am 20. Dezember vor 25 Jahren.

In der Nähe von Genf in der Schweiz bietet das Forschungszentrum für Teilchenphysik namens CERN einzigartige Forschungsmöglichkeiten für Physiker aus der ganzen Welt. Mit enormen Maschinen beschleunigen sie kleine Nuklearteilchen in einem 27 Kilometer langen kreisförmigen Tunnel 100 Meter unter der Erde auf ein extrem hohes Energieniveau und lassen sie dann aufeinander knallen, um neue Teilchen entstehen zu lassen.

Wissenschaft in diesen Dimensionen ist so teuer, dass die Zusammenarbeit mehrerer Nationen erforderlich ist. Gastwissenschaftler führen ihre Experimente am CERN durch und kehren anschließend in ihre Heimat zurück, um die Daten auszuwerten. Tim Berners-Lee, ein britischer Physiker und Informatiker, heuerte in den 1960er Jahren beim CERN an, um Ordnung in das Chaos der verschiedenen Computer, Netzwerke, Betriebssysteme und Datenbanken zu bringen.

Alles miteinander verheiratet

"Die Leute brachten ihre Geräte und Gewohnheiten mit. Dann gingen die Teams nach Hause zurück und mussten weiterhin zusammenarbeiten, wobei sie in unterschiedlichen Zeitzonen lebten und verschiedene Sprachen sprachen. In dieser ganzen Verschiedenheit war das CERN ein Mikrokosmos der übrigen Welt", schreibt Berners-Lee in seinem Buch "Der Web-Report".

Tim Berners-Lee (Foto: AFP)

Tim Berners-Lee

Tim Berners-Lee brachte das alles unter einen Hut. "Im Prinzip war alles schon da, ich habe es nur miteinander verheiratet," sagt Berners-Lee heute. Vor 25 Jahren hat er von der Schweiz aus die erste Webseite der Welt veröffentlicht. Am 20. Dezember 1990 schaltete er die Homepage "info.cern.ch" am Europäischen Kernforschungszentrum frei. Unter http://info.cern.ch/hypertext/WWW/TheProject.html gibt es eine Kopie der ersten Webseite aus einfachem Text.

Heute ist die eigene Homepage fast schon selbstverständlich. Dem Branchenverband Bitkom zufolge haben 86 Prozent der Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern ihren eigenen Web-Auftritt. Bei den kleineren Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sind allerdings 43 Prozent nicht im Netz vertreten. "Weltweit nutzen über drei Milliarden Menschen das Internet. Auch Privatpersonen treten immer häufiger mit einer eigenen Webseite auf", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Fast jeder nutzt das WWW

Die mit Abstand häufigste Endung bei den Internet-Adressen, auch Top-Level-Domains genannt, ist mit 120 Millionen registrierten Adressen ".com". Im globalen Vergleich belegt das deutsche ".de" mit 16 Millionen Adressen den zweiten Platz. Um die Zahl ansprechender und einprägsamer Adressen zu erhöhen, hat die Vergabestelle ICANN Ende 2013 weitere Domains zugelassen.

Mittlerweile existieren mehr als 1000 verschiedene Endungen für Webadressen. Hinter dem Punkt können inzwischen einprägsame und ungewöhnliche Bezeichnungen folgen, wie etwa ".pizza", ".ninja" oder ".kiwi". In Deutschland sind besonders regionale Domains beliebt. So gibt es bereits rund 69.000 Adressen mit ".berlin", fast 25.000 mit ".koeln", über 31.000 mit ".bayern" und etwa 23.000, die auf ".hamburg" enden.

Was mit der schlichten Seite von Tim Berners-Lee begonnen hat, ist heute zu einer gigantischen Industrie geworden. Allein in Deutschland nutzen 80 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren das World Wide Web. Selbst für einen Großteil der Älteren ist die Internetnutzung selbstverständlich: 84 Prozent der 50- bis 65-jährigen Bundesbürger sowie 37 Prozent der über 65-Jährigen nutzen heute das Internet.

"Man muss nicht jeden Unsinn lesen"

"Das, was ich getan habe, hätte jeder tun können", schreibt Tim Berners-Lee in seinem Buch "Der Web-Report". "Die Idee, das World Wide Web herauszubringen, war, als ob man ein Streichholz in eine Scheune wirft, die voller Stroh ist. Das Web hat sich ausgebreitet, weil viele Individuen kräftig mit geholfen haben, dass es angenommen wird."

1994 gründete Tim Berners-Lee das World Wide Web Consortium (W3C) am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Oft wird er, inzwischen zum "Sir" geadelt, gefragt, ob er nicht enttäuscht sei, dass das Internet so kommerziell geworden ist. Berners-Lee sieht das nicht so: "Das Internet soll ein universeller Raum sein - da kann man nicht irgendein Gebiet ausschließen. Viele fragen mich: Bist Du nicht enttäuscht, dass es so viel Unsinn im Web gibt? Aber niemand ist verpflichtet, das alles zu lesen. Das Internet ist im Großen und Ganzen nur ein Spiegel des Lebens."

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