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Wissen & Umwelt

Die Hoffnung im Auge

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Die Patienten verlieren zunächst ihr Gedächtnis, zum Schluss ihre Persönlichkeit. Eine frühe Diagnose der Krankheit ist schwierig. Ein neues Verfahren soll das nun ändern.

Experten rechnen in den nächsten Jahren mit einer wahren Explosion der Fallzahlen: Wegen der Alterung von Gesellschaften ist eine Verdopplung, ja sogar eine Vervierfachung der Demenzkranken bis 2050 nicht ausgeschlossen. Schon jetzt leiden weltweit 25 Millionen Menschen an der Krankheit Alzheimer - der häufigsten Form der Demenz. In Deutschland gibt es derzeit rund eine Million Patienten. Für jeden Einzelnen ist die Diagnose eine Katastrophe, eine Heilung gibt es nicht. Doch eine Forschergruppe aus München gibt Anlass zur Hoffnung.

Im Gehirn eines Alzheimer-Patienten verklumpen außerhalb und innerhalb von Nervenzellen die körpereigenen Eiweiße Beta-Amyloid und Tau. Warum ist noch unklar. Die Eiweißklumpen beeinträchtigen lebenswichtige Zellfunktionen und behindern die Kommunikation der Nervenzellen untereinander. Die Folge: Gehirnzellen sterben ab, das Hirn schrumpft - je nach Schwere der Erkrankung um bis zu 20 Prozent. Das Gedächtnis der Patienten wird zerstört, sie verändern ihr Wesen, verlieren das Gefühl für Raum und Zeit, das alltägliche Leben ist nicht mehr zu bewältigen. Am Ende verliert der Patient komplett seine Persönlichkeit, der Kranke ist ein Pflegefall.

Hilfe kommt oft zu spät

Hirnforscher Jochen Herms (Foto: DW)

Hirnforscher Jochen Herms

Die Medizin konnte bisher nicht wirklich helfen. Schon die Diagnose ist ein Problem: Es dauert bis zu 20 Jahre, bis sich Vergesslichkeit und Verwirrtheit als die ersten typischen Anzeichen einer Demenz zeigen - so lange kann das Gehirn den Zellverlust oft noch kompensieren. Doch dann ist es oft schon zu spät: Ein Drittel der Gehirnzellen kann bereits zerstört sein. Die Krankheit ist nach dem heutigen Stand der Forschung dann nicht mehr aufzuhalten. Medikamente, die Heilung versprechen, gibt es bisher ebenso wenig wie Methoden zur Frühdiagnose.

Der Münchner Neuropathologe Professor Jochen Herms ist mit seinem 20-köpfigen Forscherteam nun dabei, dies zu ändern. Bisher brauchte man aufwändige, teure Magnetresonanztomographien oder nuklearmedizinische Verfahren, aufwühlende Gespräche mit Angehörigen und belastende Testreihen, um Alzheimer zu diagnostizieren. Zukünftig soll ein einfacher Blick ins Auge reichen. Herms' These: In der Netzhaut von Alzheimer-Patienten lassen sich krankhafte Veränderungen feststellen. Diese wiederum lassen Rückschlüsse auf die entsprechenden Vorgänge im Gehirn zu - und zwar lange bevor die typischen Alzheimer-Symptome auftreten. Die Krankheit soll dann behandelt werden, bevor irreversible Schäden auftreten.

Umfangreiche Experimente

Jochen Herms mit Hirnprobenim Labor des ZNP München (Foto: Grit Hoffmann/DW)

Jochen Herms mit Hirnprobenim Labor des ZNP München

Herms versucht derzeit den Zusammenhang zwischen den Veränderungen in Netzhaut und Gehirn nachzuweisen und zu beschreiben. Experimentiert wird an Gehirn- und Netzhautproben verstorbener Alzheimer-Patienten und an gentechnisch veränderten Alzheimer-Mäusen. Parallel dazu läuft am Clemens-Schöpf-Institut der Technischen Universität Darmstadt die Suche nach sogenannten "Sonden"-Farbstoffen, die Veränderungen in der Netzhaut erkennbar machen sollen. Eine klinische Studie an der Augenklinik der Universität Jena untersucht die Veränderungen der Netzhaut von Alzheimer-Patienten, bei denen die Erkrankung bereits fortgeschritten ist - und Spezialisten von Carl-Zeiss-Jena entwickeln die notwendigen Netzhaut-Laserscan-Geräte.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und hat einen Umfang von rund drei Millionen Euro. Es finanziert sich komplett aus Fördergeldern, vor allem des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Autorin: Lydia Heller
Redaktion: Nicole Scherschun

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