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Hintergrund

Die guten Seelen von Nebenan

Nicht jeder hat das Glück in guter Nachbarschaft zu wohnen, besonders in größeren Städten. In kleinen Orten ist oft noch mehr Verlass auf die Nachbarn, in jeder Lebenslage.

Glühweintrinken (Foto: Nina Treude)

Nachbarschaft, was heißt das eigentlich genau? Jeder hat Nachbarn, aber nicht jeder kennt auch die Menschen, die im direkten Umfeld leben. Besonders in der Anonymität der Großstadt wird es immer schwerer, Kontakte zu knüpfen und eine Brücke zu denjenigen zu bauen, die man direkt vor der Tür hat. In kleineren Orten fällt das oft leichter. Man wohnt länger zusammen und kennt sich eben.

Sogar Hund Carlo profitiert von der guten Nachbarschaft

Jan Polak und Carlo (Foto: Nina Treude)

Jan und Carlo sind ein eingespieltes Team

"Wir haben nicht nur im Haus, sondern auch in der nächsten Nachbarschaft einfach Familien, die füreinander da sind", freut sich Wolfgang Stange. Seit über 20 Jahren lebt er mit seiner Frau Angelika und Hund Carlo im 3000-Seelen-Ort Wiedenest im Oberbergischen Kreis. Gute Nachbarn hat er viele und auch Carlo erfreut sich großer Beliebtheit. Gerade eben hat es noch an der Haustür geklingelt und der Nachbar von nebenan kam mit seiner zweijährigen Tochter vorbei, um Carlo einen großen Knochen zu bringen. Man kennt sich und man tut gerne etwas füreinander.

"Man schippt auch gerne mal beim Nachbarn Schnee"

Wolfgang Stange (Foto: Nina Treude)

Wolfgang schippt auch mal beim Nachbarn, wenn der nicht da ist

Zum Beispiel sind da Conny und Hans Stoffleth oder Helga und Jan Polak, auf die sich Stanges jederzeit verlassen können. "Wir fühlen uns im Urlaub immer sehr gut, weil wir wissen, dass unsere Wohnung in guten Händen ist. Die Blumen werden versorgt, es guckt immer jemand nach der Wohnung, wir brauchen keine Angst zu haben, dass irgendwas passiert. Und das Aquarium wird versorgt, unsere Fische, das ist ganz wichtig", freut sich Helga. Gerade in diesen Tagen ist die Hilfe von den Nachbarn besonders wichtig, denn es herrscht Ausnahmezustand in Wiedenest. Der Winter ist über den kleinen Ort hereingebrochen und auch wenn die Oberberger das gewohnt sind, müssen die Schneemassen manchmal gemeinsam bewältigt werden. Normalerweise schippt zwar jeder für sich selbst den Schnee aus der Einfahrt, aber es ist auch ganz normal, beim Nachbarn mitzuschippen, wenn der gerade nicht kann.

Auf die nachbarschaftliche Notfallhilfe ist jederzeit Verlass

Im alltäglichen Leben kommen natürlich auch Notfälle vor, in denen der Nachbar stets zu Stelle ist. Bei Stanges ist das jedenfalls so, Angelika erinnert sich noch gut an so manche Katastrophe. "Als unser jüngster Sohn gerade seinen Führerschein hatte und ausgezogen ist, wollte er mit meinem nagelneuen Auto einen Eimer Farbe in seine Wohnung bringen. Der ist dann natürlich prompt im Kofferraum umgefallen und von uns war keiner zu Hause, der helfen konnte. Zum Glück hat unser Nachbar Hans nicht lange nachgedacht und hat direkt den ganzen Kofferraum auseinander gebaut und ausgewaschen." Für Angelika ist es schwer vorstellbar, dass so etwas auch in einer großen Stadt normal wäre, schließlich kennt man da seine Nachbarn oft gar nicht richtig.

Sein neues Zuhause hat Carlo auch den Nachbarn zu verdanken

Spaziergang mit Hunden (Foto: Nina Treude)

Beim spazieren gehen wechseln sich alle ab

Wenn man über 20 Jahre nebeneinander wohnt, dann schweißt das zusammen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Nachbarn nicht nur die Blumen gießen, wenn einer im Urlaub ist, sondern auch bei ernsten Entscheidungen eine Rolle spielen. Hund Carlo, der vorher im Tierheim gelebt hat, ist das Ein und Alles der Stanges und ohne die Hilfe der Nachbarn hätte er vielleicht kein neues Zuhause bei Angelika und Wolfgang gefunden. Beide sind berufstätig und einen neuen Hund kann man schließlich nicht stundenlang alleine in der Wohnung lassen. Doch die Nachbarn haben direkt zugesichert, dass sie auch auf Carlo aufpassen und sich um ihn kümmern. Besonders Jan geht so oft wie möglich mit Carlo spazieren. "Er gehört irgendwie uns allen."

Ein neuer Anfang ist nie leicht

Schon fast verdächtig scheint die Harmonie, die am Sonnenweg in Wiedenest herrscht, aber es ist tatsächlich alles ganz entspannt. Natürlich war das nicht von Anfang an so. Conny weiß noch genau, wie es war, neu dazuzukommen. "Am Anfang war es schon ein bisschen schwer, man muss sich ja erst kennenlernen und Vorurteile sind schnell da. Doch dann hat der Eine mal geholfen, dann der Andere und so konnte das alles zusammenwachsen. In großen Städten ist das sicher schwerer. In der ehemaligen DDR, wo wir herkommen, war das auf jeden Fall nicht so." Und wenn es doch mal ein Problem geben sollte, dann wird das ganz nüchtern geklärt, man kennt sich schließlich nicht erst seit gestern. Für Hans ist das nicht der Rede wert. "Man spricht über alles und wenn da mal Unklarheiten sind, dann fragt man eben. Deswegen gibt es doch keine Heimlichkeiten oder dass hinter dem Rücken eines anderen geredet wird."

"Wir gehen hier nicht mehr weg!"

Nachbarn in Küche versammelt (Foto: Nina Treude)

Für einen Kaffee ist immer Zeit

Trotz aller Selbstverständlichkeit wissen die Familien Stange, Polak und Stoffleth durchaus, was sie aneinander haben. Wolfgang fühlt sich wohl und will auch nicht mehr weg aus Wiedenest. "Wir haben fast alle Eigentum, da kann man nicht mal eben umziehen. Deshalb muss man halt versuchen, miteinander umzugehen. Da gibt es immer eine Ebene, auf der man sich einigen kann. Und bei uns ist das einfach toll. Man kann hier in der Umgebung alle fragen, ich bin sicher, die sehen das genauso."

Autorin: Nina Treude

Redaktion: Elena Singer

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