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Wirtschaft

Die guten Heuschrecken

Manche Finanzinvestoren fressen nicht alles kahl, sondern liefern Unternehmen auch lebenswichtiges frisches Kapital - gerade jungen Firmen und Mittelständlern.

Bild einer Heuschrecke (Archiv, Quelle: DPA)

Die Hilfe für Mittelständler

Die Maschinenfabrik Krafft Walzen in Düren gibt es seit 1870. Die 110 Mitarbeiter produzieren Walzen, Zylinder und Trommeln, vor allem für die Papierindustrie. Das Unternehmen befindet sich fast ausschließlich im Familienbesitz. Fast, denn zehn Prozent der Firmenanteile gehören heute der S-UBG, einem Aachener Finanzinvestor.
Wenn die Banken abwinken
Der gemeinsame Weg begann vor zehn Jahren, als sich die ehemalige Eisengießerei neu ausrichten musste. "Wir hatten relativ viele kleine Hallen. Die wurden zum Problem, als wir uns zunehmend auf Walzen spezialisierten. Die Walzen wurden immer länger und so mussten wir eine große Halle hier in das Herz des Standortes zu pflanzen", sagt Michael Hess, Geschäftsführer von Krafft Walzen. Für die Umbauten war frisches Kapital nötig. Die Investitionen voll über einen klassischen Bankkredit zu finanzieren, war nicht möglich. Denn wenn es nicht genug Eigenkapital gibt, ist den Banken das Risiko zu groß. Die Hausbank stellte deshalb den Kontakt zum Aachener Finanzinvestor her. Die S-UBG beteiligte sich an dem Unternehmen und lieferte so das nötige Eigenkapital.
Durch die bessere Kreditwürdigkeit fiel es dem Unternehmen leichter, die nötigen Investitionen zu tätigen. Auch die Zahlungsbedingungen bei Lieferanten und Versicherungen verbesserten sich. So wie Krafft Walzen haben viele deutsche Mittelständler tendenziell zu wenig Eigenkapital, um große Wachstumssprünge zu finanzieren. "Über die Börse können sie kein Kapital aufnehmen, weil sie nicht börsennotiert sind. Neue Teilhaber zu finden ist äußerst schwierig. Deshalb bleibt oft nur die Möglichkeit, eine Unternehmensbeteiligungsgesellschaft hereinzunehmen, um Wachstum überhaupt realisieren zu können", sagt der Betriebswirtschafter Thomas Hartmann-Wendels von der Universität Köln.

Wann es Sinn macht

Die S-UBG ist eine solche Beteiligungsgesellschaft. Sie wurde 1988 von den Sparkassen der Region Aachen gegründet. Der Investor ist an 37 Unternehmen in der Region beteiligt, mit einem Volumen von rund 70 Millionen Euro. Der Investor Horst Gier von S-UBG nennt typische Situationen, in denen normale Kredite nicht ausreichen: "Immer dann, wenn ein Unternehmen überragende Wachstumschancen hat. Das gilt auch bei technologieorientierten Unternehmen, die ein neues Produkt, eine neue Technologie marktreif machen wollen."

Ist die Investition zu hoch, um sie über Kredit zu finanzieren, aber stehen die Gewinnchancen gut, kann der Gang zum Finanzinvestor sinnvoll sein. Doch der Markt für Beteiligungsgesellschaften ist sehr unterschiedlich, sagt Finanzexperte Hartmann-Wendels. "Es gibt Gesellschaften, die nur große Transaktionen durchführen. Die setzen Mindestvolumina im zweistelligen Millionenbereich voraus."

Die Heuschrecken aus der Region Regionale Beteiligungsgesellschaften dagegen investieren auch Beträge unter einer Million Euro und gehen meist nur Minderheitsbeteiligungen ein. Dafür erhalten sie Zinsen und werden an Gewinnen beteiligt. Zudem soll der spätere Verkauf der Anteile Gewinn bringen. Für die Aachener Wirtschaftsförderer sind Beteiligungsgesellschaften ein wichtiger Baustein in der Unternehmensfinanzierung. Viele Unternehmen jedoch stehen den Investoren nach wie vor skeptisch gegenüber, sagt ein Investor Horst Gier. "Gerade ein mittelständischer Unternehmer macht sich Sorgen, dass er mit einem Beteiligungspartner nicht mehr selbstständig ist in seinem Unternehmen. Wir aber haben gar kein Interesse, im operativen Geschäft mitzuwirken. Das wollen wir nicht, das können wir auch gar nicht."
Der Unternehmer behält das Zepter in der Hand, so die Philosophie. Das kann auch Unternehmer Michael Hess von Krafft Walzen bestätigen. Lediglich monatliche Berichte seien notwendig. Jeder, der ein vernünftiges Rechnungswesen habe, könne das gut leisten. Wie lange die Zusammenarbeit noch dauert, kann Hess heute nicht sagen. "Das ist ein offener Dialog. So eine Beteiligung ist nicht auf Lebenszeit angelegt. Beide Seiten wissen, dass das irgendwann auch wieder zu Ende geht."

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