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Politik

Die Geschichte der ETA:
Vom Widerstand zum Terror

Der Verdacht gegen die baskische Untergrundorganisation ETA verhärtet sich. Der bei dem Anschlag in Madrid verwendete Sprengstoff deutet auf die ETA als Attentäter hin.

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Für ein unabhängiges Baskenland:
die Terrororganisation ETA

Als die ETA 1959 von einigen Studenten der Jesuiten-Universität in Bilbao gegründet wurde, galt sie noch als radikale, aber trotzdem legitime Widerstandsgruppe. Die ETA hatte viele Sympathisanten; nicht nur bei den Basken sondern auch bei vielen Spaniern. Heute gilt sie als Terrororganisation.

Für Freiheit; gegen Franco

Die Abkürzung "ETA" steht für "Euskadi Ta Askatasuna", zu deutsch "Baskenland und Freiheit". Diese Freiheit war den Basken 1939 nach Ende des spanischen Bürgerkriegs genommen worden. Der Sieger des Bürgerkrieges, General Franco, regierte im Baskenland mit besonders harter Hand, weil die Basken gegen ihn gekämpft hatten. Franco verwandelte das Baskenland in einen Polizeistaat und die baskische Sprache wurde verboten.

Der Erhalt des Baskischen war der ETA besonders wichtig. Ihre Mitglieder, darunter viele Intellektuelle, interessierten sich außerdem für die baskische Geschichte und für die "Fueros", die alten baskischen Sonderrechte. Auch Bauern, Fischer und Klein-Unternehmer wandten sich der ETA zu.

Mordanschläge

Bald wurden die Aktionen der ETA radikaler: Es kam zu ersten Überfällen auf die spanische Polizei und auf Einrichtungen des spanischen Militärs im Baskenland. Der erste vorsätzliche Mord wurde 1968 begangen: Ein ETA-Kommando erschoss einen gefürchteten Geheimdienstchef des Franco-Regimes. Fünf Jahre später tötete die ETA tötete den designierten Nachfolger Francos, Carrero Blanco.

Unabhängigkeitsforderungen

Als Franco 1975 starb, wurde Spanien demokratisch. Das Baskenland erhielt Autonomie-Rechte zurück. Das Baskische wurde dem Spanischen gleichgestellt und ist seit dem offizielle Landessprache. Die baskische Regierung bestimmt über Erziehung, Kultur, Wirtschaft und andere Bereiche des gesellschaftlichen und politischen Lebens. Mit dem Ende des Franco-Regimes war die ETA ihres Feindes beraubt. Aber sie bombte weiter. Die Autonomie reichte ihr nicht mehr - jetzt wurde die vollständige Unabhängigkeit gefordert.

Damit änderte sich auch ihr Ansehen in der Bevölkerung: Während die ETA bis in die 1970er Jahre als bewaffneter Widerstand wahrgenommen wurde, sah man die ETA jetzt zunehmend als Terrorbande, die sich gegen alle richtete, die nicht mir ihr einverstanden waren. Getötet wurden auch Politiker und Journalisten, die der "Kollaboration mit dem spanischen Staat" bezichtigt wurden.

1980, dem "blutigen Jahr" in der Geschichte Spaniens, tötete die ETA 118 Menschen. Innerhalb der baskischen Separatisten-Organisation begann es zu rumoren; viele alte ETA-Leute verstanden die Logik des Terrors nicht mehr. Es kam zur Spaltung und der politische Arm der ETA, "Herri Batasuna" entstand. Mittlerweile wurde sie vom obersten spanischen Gerichtshof verboten.

Todesschwadrone

Die ETA bombte weiter - der spanische Staat reagierte. Die Sozialistische Regierung unter Felipe Gonzales rüstete auf und zwischen 1983 und 1987 wurden paramilitärische Todesschwadrone gebildet, die Jagd auf ETA-Mitglieder machten und über 20 von ihnen, außerhalb von Recht und Gesetz, umbrachten. Das war ein Skandal, der 1996 erheblich zu der historischen Wahlniederlage der Sozialistischen Partei beitrug. Die Nachfolge-Regierung unter José María Aznar und seiner rechtsgerichteten Volkspartei setzte die Politik fort. Auch Aznar versuchte, die Basken-Frage mit Polizei-Einsätzen zu lösen. Einige bekannte ETA-Terroristen wurden festgenommen. Mehr als 500 ETA-Mitglieder sitzen heute in Haft.

Spätestens 1997 hat die ETA jeglichen Rückhalt in der spanischen Bevölkerung verloren, als sie einen jungen baskischen Stadtrat nach zwei Tagen Geiselhaft tötete. In ganz Spanien gingen Millionen auf die Straße, um gegen die ETA zu demonstrieren. "Basta Ya" stand auf ihren Transparenten. Zu deutsch: "Es reicht jetzt."

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