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Politik

Baskischer oder islamistischer Terror?

Wer steckt hinter dem Anschlag? Der spanische Innenminister ist sicher, es war die ETA. Terrorexperten sind sich uneinig.

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Spurensuche nach den Bombenanschlägen

Der Chef der europäischen Polizeibehörde Europol , Jürgen Storbeck, hat Zweifel an der Verantwortung der baskischen Untergrundorganisation ETA für die Bombenanschläge von Madrid geäußert. Die Anschläge unterschieden sich von der bisherigen Vorgehensweise der ETA, sagte Storbeck am Donnerstag (11.3) während eines Besuchs in Rom. Zwar könne die ETA verantwortlich sein, aber dies könne noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Der Unterschied zu bisherigen ETA-Anschlägen sei, dass die Organisation bislang stets auf bestimmte Personen gezielt habe. Wenn Gefahr für die Allgemeinheit bestanden habe, habe sie bislang eine Vorwarnung abgesetzt, was vor den Anschlägen von Madrid nicht geschehen sei.

Dagegen sieht der Leiter des Essener Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik, Rolf Tophoven, wenig Zusammenhänge zwischen den Attacken und islamistischen Terrorgruppen. "Es macht aus Sicht islamistischer Terrorgruppen wenig Sinn, in spanischen Nahverkehrszügen Bomben zu zünden", sagte Tophoven der dpa. Anhaltspunkte seien höchstens die spanische Anti-Terror-Unterstützung für die USA und die Größenordnung des Anschlags. Für die baskische Separatistenorganisation ETA passe ins Bild, dass in Spanien Wahlen bevorstehen und die ETA ihre Anschläge grundsätzlich in Spanien verübe. Ungewöhnlich seien allerdings die fehlenden Warnungen und die Wucht der Anschläge.

Nach Einschätzung ETA-Experten und "El-Pais"-Redakteurs José Luis Barberia tragen die Anschläge die Handschrift der baskischen Terrororganisation ETA. Zugleich sei darin ein Zeichen ihrer Schwäche zu erkennen, sagte Barberia am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Es sei für die ETA viel leichter, Attentate gegen eine unbestimmte Zahl Zivilpersonen zu verüben als gegen Politiker oder Repräsentanten des spanischen Staates, sagte der Autor eines Buches über die ETA.

Dagegen schloss Anthony Gooch von der London School of Economics (LSE) nicht aus, dass "El Kaida oder andere islamistische Gruppen die Hand im Spiel hatten". Der britische Spanien-Experte Gooch schloss eine solche Verbindung zum Irak-Konflikt nicht aus. Er meldete zugleich Zweifel an einer Urheberschaft der ETA an. Das Ausmaß und die Koordination der Anschläge passten "nicht in das Muster von ETA". Möglich sei, dass die ETA bei den Anschlägen mit anderen Gruppen zusammengearbeitet habe. Die ETA selbst habe in der Vergangenheit zivile Ziele "nicht so massiv" angegriffen, fügte Gooch hinzu.

Der Kieler Sicherheitsexperte Joachim Krause vertrat die Ansicht, "dass eine geschwächte, aber radikalisierte ETA" hinter den Anschlägen auf Nahverkehrszüge in Madrid stecke. Nach Ansicht von Joachim Krause von der Universität Kiel könnte ein "radikaler Kern" der ETA hinter den Anschlägen stecken. "Die alten Kader sind alle verhaftet. Wir haben es heute mit sehr jungen Leuten zu tun, mit sehr radikalen Leuten, die sich vielleicht auch El Kaida oder andere Terroristen zum Vorbild gemacht haben, die unter großem Aufwand solche Anschläge wie die in New York und Washington verübt haben", sagte er dem Sender n-tv. Auch die Tatsache, dass die spanische Polizei vor zwölf Tagen einen Lastwagen mit 500 Kilogramm Sprengstoff beschlagnahmt habe, deute darauf hin, dass die ETA versuche, "hier ganz brutal zuzuschlagen". (stl)