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Politik

Die Geiseln in Moskau sind frei

Russische Sondertruppen haben Samstagmorgen das Moskauer Theater gestürmt. Mehrere Dutzend Geiseln sowie zahreiche Geiselnehmer wurden dabei getötet.

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Ein Opfer wird von Sanitätern aus dem gestürmten Theater getragen

Russische Einsatzkräfte haben rund 700 Geiseln, die von tschetschenischen Rebellen in dem Moskauer Theater festgehalten wurden, befreit. Bei der Erstürmung des Gebäudes am Samstagmorgen (26. Oktober 2002) kamen nach Angaben von Nachrichtenagenturen etwa 90 Geiseln ums Leben, etliche weitere wurden verletzt. Alle 75 ausländischen Geiseln, darunter zwei Deutsche, haben Diplomaten zufolge überlebt. Von den Rebellen seien etwa 50 tot, teilte ein Sprecher des Geheimdienstes FSB mit. Unter den Toten befinde sich auch der Anführer Mowsar Barajew. Augenzeugen berichten von Dutzenden Leichen, die aus dem Gebäude abtransportiert wurden.

"Wir haben auf den Tod gewartet"

Geiselnahme beendet Sanitäter tragen eine Person raus

Sanitäter tragen nach der Stürmung eine Person aus dem Musical-Theater in Moskau

Nach Meinung einer mitgefangenen Journalistin wären alle Geiseln ohne den Polizeieinsatz getötet worden. "Wir haben alle auf den Tod gewartet, denn uns war klar, dass sie (die Terroristen) uns nicht lebendig freilassen", sagte Olga Tschernjak, Redakteurin der russischen Agentur Interfax, in einem ersten Gespräch mit ihrer Redaktion. Sie hatte das Musical "Nord-Ost" am Mittwochabend zusammen mit ihrem Mann besucht und mit einem Anruf in ihrer Redaktion als erste die Medien über den Beginn des Geiseldramas informiert.

Das Geiseldrama war Samstagfrüh mit Ablauf eines Ultimatums der Geiselnehmer eskaliert. In den Morgenstunden waren aus dem Gebäude mehrere Explosionen und Schüsse zu hören gewesen. Nach Angaben des russischen Krisenstabes hatte das Rebellenkommando damit begonnen, die festgehaltenen Geiseln zu töten. Sicherheitskräfte begannen daraufhin mit der Befreiungsaktion.

Eine Stunde lang Kampf

Tschetschenen in Grosny verfolgen die Nachrichten aus Moskau

Im fernen Tschetschenien hören diese beiden Radionachrichten über das Geiseldrama. Die Region muss nun mit russischer Vergeltung rechnen

Ein Schützenpanzer fuhr vor das Theater, rund 30 versteckte Soldaten rannten dann auf das Gebäude zu. Der anschließende Kampf tobte nach Angaben eines Krisenstabsprechers etwa eine Stunde lang. Vor der Stürmung des Theaters habe es stark nach Gas gerochen, sagte eine Geisel. Vermutlich haben die Soldaten bei der Aktion Betäubungsgas eingesetzt.

Hunderte von Menschen liefen nach der Befreiung aus dem Gebäude. Mehrere Dutzend von ihnen wurden in Bussen abtransportiert. Sicherheitskräfte trugen Tote aus dem Gebäude, Ärzte kümmerten sich um Verletzte. Die Einsatzkräfte haben das Theater laut Agenturangaben vollständig unter Kontrolle.

Rebellenführer Mowsar Barajew ist tot

Neben Rebellenführer Barajew seien auch alle Geiselnehmerinnen getötet worden, "die einen Sprengstoffgürtel trugen", sagte der stellvertretende Innenminister Wladimir Wassiljow.

Die Geiselnehmer hätten trotz aller Bemühungen des Krisenstabes damit begonnen, die festgehaltenen Menschen zu erschießen, sagte der russische Geheimdienst-Sprecher Sergej Ignatschenko im russischen Fernsehen. Zuvor war ein Ultimatum der Rebellen an die Regierung in Moskau um vier Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) abgelaufen. Sie erschossen daraufhin nach den Worten Ignatschenkos zwei Geiseln. Daraufhin habe eine Gruppe von Menschen zu fliehen versucht und die Rebellen hätten auf sie geschossen. "Unter diesen Bedingungen war ein Sonderkommando gezwungen, in das Gebäude einzudringen und die Menschen zu befreien", erklärte der Sprecher.

Russische Vergeltung in Tschetschenien

Geiselnahme beendet Panzer unterwegs

Kurs vor der Stürmung fuhren Schützenpanzer vor dem Theater auf

Bis zu 50 tschetschenische Rebellen hatten das Gebäude am Mittwochabend gestürmt und mit der Ermordung der Geiseln gedroht, wenn Russland seine Truppen nicht aus der abtrünnigen Kaukasus-Republik Tschetschenien abziehe.

In Agenturberichten heisst es, nach dem Ende der Geiselnahme hätten russische Truppen eine Großoffensive in Tschetschenien gestarten. Die Armee durchkämme alle Regionen des Landes, in denen sich Rebellen aufhalten sollen, meldet die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass. (kap/mas)

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