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Asien

"Die Geduld der USA geht zu Ende"

Kurz vor Beginn der Afghanistan-Konferenz besuchte US-Außenministerin Clinton Pakistan. Denn ohne Islamabad kann die Region nicht befriedet werden, sagt der Politikwissenschaftler Gebhard Schweigler gegenüber DW-WORLD.DE

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Experte für Sicherheitsfragen: Gebhard Schweigler

DW-WORLD.DE: Washington hat Pakistan für die nächsten Jahre Hilfsgelder in Höhe von 7,5 Milliarden US-Dollar zugesagt. Was erwarten die USA dafür?

Gebhard Schweigler: 7,5 Milliarden ist eine Menge Geld, aber es ist noch gar nicht klar, dass am Schluss auch all diese Gelder bewilligt werden, denn sie sind sehr stark an Bedingungen gebunden, die Pakistan erfüllen muss. Offensichtlich ist die erste Zahlung von 500 Millionen Dollar mit einem neuen Handelsvertrag zwischen Pakistan und Afghanistan, der die Grenzen für afghanische Waren öffnen soll, verknüpft gewesen. Das ist ein Beispiel, wie diese Mittel eingesetzt werden sollen: Zum einen im Verhältnis zwischen Pakistan und Afghanistan; zum anderen zur Stärkung pakistanischer Maßnahmen gegen die Taliban und gegen El Kaida, die von Pakistan aus operieren.

Das Verhältnis zwischen Pakistan und den USA war eher kühl in den vergangenen Monaten. Wie kooperationsbereit ist Islamabad?

Darüber kann man sich stundenlang streiten, zumal ja die pakistanische Regierung in sich auch nicht so gefestigt ist, dass man sagen könnte, dass man es nur mit einer Regierung zu tun hat. Es gibt Geheimdienstorganisationen in Pakistan, die ziemlich selbständig operieren und offenbar nicht der Kontrolle der Regierung unterliegen, weil es auf Seiten der Regierung Kräfte gibt, die mit El Kaida und den Taliban kooperieren. Das hat man in Washington natürlich nicht gerne.

Hillary Clinton fährt am Dienstag (20.7.2010) weiter zur Afghanistan-Konferenz: Ein Thema dort wird der Truppenabzug sein. Welche Rolle wünschen sich die USA von Pakistan?

Pakistan - das hat sich ja in den vergangenen Jahre gezeigt - ist einer der wichtigen Akteure in der Region, vor allem wegen der Gebiete, die von der Regierung nicht kontrolliert sind. Dort sitzen Taliban, und von dort aus operieren El-Kaida-Kräfte. Wenn man dieses Problem nicht in den Griff bekommt, dann wird eine Lösung in Afghanistan nicht zu erreichen sein. Deswegen ist die Politik der USA auch auf Pakistan ausgerichtet. Wobei man hinnehmen muss, dass die Einflussmöglichkeiten auf Pakistan eigentlich gering sind.

In Afghanistan stehen die USA mit einem neuen Oberkommandierenden an der Spitze. Es existiert eine neue Strategie, unter anderem soll der Schutz der eigenen Soldaten dem Schutz der Zivilbevölkerung vorgezogen werden. Wie wird Hillary Clinton in Afghanistan begrüßt werden?

Die Karzai-Regierung wird - wie bisher - sehr höflich sein und allerlei Versprechungen machen, aber möglicherweise, wie schon so oft, nicht in der Lage sein, diese auch zu halten. Das Ziel dieser Konferenz ist ja, die Karzai-Regierung dazu zu bringen oder vielleicht auch zu zwingen, Versprechungen einzuhalten, vor allem bei der Korruptionsproblematik. Die afghanische Regierung in Kabul muss sich stärker durchsetzen können und muss am Ende auch die eigene Sicherheit garantieren können, denn sonst können sich die ausländischen Truppen nicht so frühzeitig zurückziehen, wie sie das eigentlich wollen.

Kann die Strategie, jetzt noch mal die Truppen zu verstärken, um aufzuräumen und sie dann schnell abzuziehen, überhaupt funktionieren?

Das hat im Irak funktioniert, aber es ist unwahrscheinlich, dass das auch in Afghanistan funktioniert. Allerdings muss man erkennen, dass nach neun Jahren im Krieg die Bereitschaft der amerikanischen Bevölkerung zurück geht, weiter Hilfestellung zu leisten, sowohl militärischer Art, aber auch finanzieller Art. Es zeichnet sich auch militärisch nicht ab, dass mit einem einmaligen kräftigen Militäreinsatz die Sicherheitsprobleme gelöst werden könnten und deswegen wird ein solches militärisches Vorgehen auch nicht in Erwägung gezogen.

Und ein schneller Truppenabzug auch nicht?

Nun, ein schneller Truppenabzug ohnehin nicht. Die Obama – Regierung hat in Aussicht gestellt, mit dem Abzug der amerikanischen Truppen im Juli nächsten Jahres zu beginnen, das wird sie wohl auch tun. Der Begriff Abzug ist dann relativ zu sehen, man kann fünf Soldaten abziehen, 5000 oder auch 50.000. Wie viele es sein werden, bleibt dann abzuwarten. Aber sicherlich ist absehbar, dass nach zehn Jahren Krieg die Geduld auf amerikanischer Seite zu Ende geht, auf internationaler Seite ohnehin – denn auch die Verbündeten haben angekündigt, dass sie ihre Truppen abziehen werden – so dass dieser Krieg einmal so oder so zu Ende gehen wird.

Gebhard Schweigler lehrt als Politikwissenschaftler am International War College in Washington D.C.

Das Gespräch führt Anne Herrberg

Redaktion: Silke Ballweg

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