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Welt

Die Frage der Farbe

Barack Obama hat gute Chancen, der erste schwarze Präsidentschaftskandidat der USA zu werden. Auf den ersten Blick spielt seine Hautfarbe im Wahlkampf eine untergeordnete Rolle. Doch der Schein trügt.

barack obama - ap

Sind die USA reif für den ersten farbigen Präsidenten?

Man dürfe in Amerika kein Rassist sein, sagt Edward Frantz, Geschichtsprofessor an der Universität von Indianapolis. Frauenfeindlichkeit zur Schau zu tragen und sexistische Witze zu machen, das sei auch nicht politisch korrekt, würde aber gerade noch durchgehen. Aber sich offen zu seiner Abneigung Schwarzen gegenüber zu bekennen, sei vor allem unter jüngeren Menschen völlig unmöglich: "Ein Rassist zu sein, würde bedeuten, zu ignorieren, was in den letzten 40 bis 50 Jahren in diesem Land geschehen ist."

So erntete Hillary Clinton auch sofort harsche Kritik, als sie nach ihrem knappen Sieg in Indiana und dem Verlust in North Carolina sagte, sie sei die Kandidatin, die hart arbeitende, weiße Amerikaner wählen würden - während ihr Konkurrent mit diesen Wählern Probleme hätte. Ihre nicht besonders verschleierte Botschaft war klar: Der schwarze Kandidat wird nicht genug weiße Wählerstimmen bekommen, wenn es darauf ankommt. Doch diese Aussage ist nicht nur ein Tabu in den USA – sie ist auch nicht so einfach zu belegen.

Der wunde Punkt der amerikanischen Gesellschaft?

Wahlpkakate Obama - AP

'Change': Obama will den Wandel - und damit die Gemüter in der Rassenfrage beruhigen

So hat Obama seinen ersten, spektakulären Sieg in Iowa errungen – einem Bundesstaat mit 95 Prozent weißer Bevölkerung. Auch in vielen Städten, vor allem unter der jungen Wählerschaft, hat er Anhänger bei beiden Hautfarben. Doch findet der Wettbewerb im Moment nur in der demokratischen Partei statt. Was, wenn im November das ganze Land wählt? Möglicherweise hat Hillary Clinton den wunden Punkt Obamas und der amerikanischen Gesellschaft doch getroffen.

"Ich traue keinem Amerikaner, der nein sagt, wenn er von den Meinungsforschern gefragt wird, ob Rasse eine Rolle bei seiner Wahl-Entscheidung spielt", sagt Edward Frantz. "Es muss eine Rolle spielen", sagt der Historiker. Die Frage sei, ob die Hautfarbe ein negativer oder positiver Faktor ist. Obama profitiere davon, sagt Frantz. "Die Menschen erkennen, dass es ein historischer Moment ist", sagt er.

Er repräsentiert die nächste Generation

Von den Schwarzen wird Barack Obama mittlerweile rückhaltlos unterstützt – seine Zustimmungsquoten bei dieser Wählergruppe liegen konstant über 90 Prozent. Dabei wurde gerade dies vor kurzem noch in Zweifel gezogen, denn Barack Obama ist kein "Ghettokind": Sein Vater stammt aus Kenia, er wuchs in Hawaii und Jakarta auf, ging auf die Columbia Universität und studierte in Harvard. Er repräsentiert die nächste Generation der Schwarzen – diejenigen, die sich ihre Rechte nicht erkämpfen mussten, sagt Frantz.

Obamas früherer Pastor Jeremiah A. Wright Jr. - AP

Zu ungestüm: Obamas früherer Pastor Jeremiah A. Wright

"Weil er diese Kämpfe nicht austragen musste, kommt seine Unterstützergruppe auch nicht aus der klassischen schwarzen Bürgerrechtsbewegung", erklärt der Wissenschaftler. "Er hat einen ganz anderen Stil, als es die meisten Amerikaner gewohnt sind." So ist ihm die Wut der Schwarzen über die Benachteiligung, die noch immer vorhanden ist, fremd. Er hat sich öffentlich von seinem Pastor Jeremiah Wright losgesagt, dem Mann, der ihn getraut und seine Kinder getauft hat - der aber auch in seiner Kirche "Gott verdamme Amerika" gerufen und die Vermutung ausgesprochen hat, AIDS sei von der amerikanischen Regierung erfunden, um Minderheiten auszurotten.

Die alten Wunden heilen

Barack Obama ist angetreten, wie er in seiner Rede im März in Philadelphia sagte, um die alten Wunden zu heilen oder wenigsten einen weiteren Schritt auf dem Weg dahin zu tun. Eine knappe Mehrheit der Wählerinnen und Wähler der Demokraten scheint bisher der Ansicht zu sein, dass Barack Obama Präsident werden könne. Doch die Frage, ob ein Kandidat auch im November bestehen kann, ist ein Entscheidungskriterium für das Votum der Superdelegierten, die aller Voraussicht nach das letzte Wort im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur haben werden. Sie können also das nächste Signal dafür geben, ob Amerika bereit ist für einen schwarzen Präsidenten.

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