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Nahost

Die Divisionen des Diktators

Saddam Husseins Elitetruppen leisten den USA und Großbritannien heftigen Widerstand. Die Doppelstruktur der Armee ist eine Herausforderung: Neben Soldaten kämpfen Milizen, Partisanen und andere Paramilitärs.

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Irakisches Militär - die Geschlossenheit täuscht

Amerikanische Experten stellen sich den Irak als eine Fläche vor, die von mehreren Ringen aus militärischen Kräften geschützt wird. Im Mittelpunkt liegt die Hauptstadt Bagdad. Auf dem äußeren Ring stehen die regulären Streitkräfte: Zu Kriegsbeginn waren das 17 Divisionen aus Infanterie, Panzern und Artillerie mit jeweils 10.000 Soldaten.

Der mittlere Ring wird nach US-Informationen von sechs verbliebenen Divisionen der Republikanischen Garde geschützt. Die Truppen gelten als eine der besten Kampftruppen im Nahen Osten. Anders als die regulären Streitkräfte sind die bis zu 60.000 Gardisten nach Erkenntnissen westlicher Experten mit modernen Waffen ausgerüstet und genießen Privilegien. Diese irregulären Streitkräfte entstanden aus der Leibwache des irakischen Präsidenten, die während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er-Jahren auf 150.000 Mann ausgebaut wurde.

Saddam Hussein mit der Republikanischen Garde

Saddam Hussein mit der Republikanischen Garde

Allerdings ist auch die Ausstattung der Republikanischen Garde nicht die neueste. Das militärische Gerät ist mindestens zehn Jahre alt und stammt aus Zeiten des so genannten zweiten Golfkriegs, also der irakischen Annexions Kuwaits Anfang 1991. "Sie sind nicht besonders gut, aber sie sind zäh", sagt der Militäranalyst Michael O'Hanlon gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Mehrere Eliten

Eine besondere Rolle kommt der Medina-Division zu. Diese bis zu 10.000 Mann starke Truppe ist derzeit im Süden Iraks stationiert und soll die Eroberung Bagdads verhindern. Sie verfügt nach Informationen der "Washington Post" über 250 Panzer, 60 Artilleriegeschütze und kleinere Luft-Boden-Raketen.

Für den britischen Premierminister Tony Blair nähert sich ein "kritischer Augenblick", wenn die alliierten Truppen auf einige "der treuesten und tapfersten Anhänger des irakischen Machthabers" treffen, schreibt die Nachrichtenagentur dpa am 25.3.2003. US-Generalmajor Stanley McChrystal erklärte, mit der Division "Medina" stehe und falle die Verteidigung Bagdads.

Eine andere Elite stellt die "Spezielle Republikanische Garde" (SRG) dar. Sie wird als verlässlichste Stütze des Regimes bewertet. Die SRG soll bis zu 15.000 Mann stark sein und im Bedarfsfall auf 25.000 vergrößert werden können. Die Spezialkräfte verfügen über Panzer, Panzerabwehrwaffen, Hubschrauber und schwere Artillerie.

Besonderer Schutz für die Hauptstadt

Die Aufgabe der SRG ist der Schutz des Präsidenten und seiner Paläste. Organisatorisch ist die Garde nach westlichen Erkenntnissen in mindestens 14 Bataillone gegliedert. Rekrutiert wird die Freiwilligentruppe aus der Region um Saddam Husseins Geburtsstadt Tikrit und anderen als loyal geltenden Landesteilen. Sowohl die Republikanische Garde als auch die kleinere SRG werden von Saddams jüngerem Sohn Kusai befehligt.

Bagdad selbst wird von mehrere Sicherheitsbehörden geschützt, die auch im gesamten Land Vertretungen haben. In ihrem Zentrum steht die so genannte Spezielle Sicherheitsorganisation, die sämtliche irakischen Geheimdienststellen und Einrichtungen der inneren Sicherheit überwacht. Besonderen Schutz beansprucht Saddam Hussein für seine Person. Dafür sind verschiedene Zirkel aus Verwandten aus seiner Heimatstadt Tikrit, Vertretern seiner Baath-Partei und seine persönlichen Leibwächtern zuständig.

Kämpfer im Hintergrund

Saddam Hussein und Sohn

Saddam Hussein und sein Sohn Odai

Die "Fedajin Saddam" ("Partisanen Saddams") sind eine weitere paramilitärische Einheit. Die auf eine Stärke von 15.000 Mann geschätzte Miliz wurde 1995 von Saddam Husseins ältestem Sohn Udai gegründet und ist wegen ihrer Grausamkeit gefürchtet. "Ihr Löwen Iraks, bekämpft die ausländischen Hyänen, und der Sieg wird unser sein", hieß es in einem von der irakischen Nachrichtenagentur INA verbreiteten Aufruf an die irakischen Partisanen.

Tausende bewaffnete Mitglieder der regierenden Baath-Partei sollen sich in der "El Kuds-Armee" organisiert haben. Sie soll als eine Art "Volkssturm" für Ruhe und Ordnung in den Städten und Dörfern sorgen. Die paramilitärische Truppe wurde nach dem Beginn des zweiten Palästinenseraufstandes gegen Israel Ende 2000 gegründet. Die Miliz hat sich die "Befreiung Palästinas" zum Ziel gesetzt ("El Kuds" ist der arabische Name von Jerusalem). In den vergangenen Jahren hat diese Miliztruppe großen Zulauf gefunden. Nach offiziellen irakischen Angaben hat die "Armee" 6,5 Millionen freiwillige Mitglieder.

Loyalitätsproblem unter den Soldaten

Die regulären irakischen Streitkräfte sind nach Einschätzung amerikanischer Verteidigungs- und Geheimdienstexperten nur bedingt loyal gegenüber Saddam Hussein. Vor diesem Hintergrund ist auch die große Propaganda-Aktion der Alliierten zu verstehen. Mit Flugblättern und über Rundfunkkanäle werden die Soldaten zum Desertieren aufgerufen.

In der irakischen Armee gebe es eine "Tendenz zur Rebellion, zur Kapitulation und zur Kohäsion", schreibt der britische Politikwissenschaftler Faleh A. Jabar in "Le Monde Diplomatique" vom 17.1.2003. Im Kuwait-Krieg zum Beispiel hätten bereits am ersten Tag der Kämpfe 70.000 Mann kapituliert. "Nach dem Waffenstillstand erreichten Aufstände und Fahnenflucht bei den Truppen der Südfront ein solches Ausmaß, dass die Armee sich vollständig auflöste. Die 150.000 Soldaten der im Norden stationierten Truppen streckten ebenfalls die Waffen nieder", berichtet Jabar weiter.

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