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Wirtschaft

Die digitale Seite der Buchmesse

Die Buchmesse ist längst nicht mehr nur für Bücher da. Zahlreiche digitale Angebote rund um E-Book, Blogs und Hörbücher machen sie auch zu einer der größten Medienmesse. Wirtschaftlich hilft es der Buchbranche.

Eine Frau steht vor einem Bildschirm, auf dem E-Books präsentiert werden. Quelle: AP

E-Books werden vor allem im Bereich der Sachbücher genutzt

Rund 30 Prozent der Ausstellungsfläche auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse werden für digitale Produkte genutzt. Wahrscheinlich nicht zuletzt, weil man sich den Herausforderungen der Zukunft stellen will. So hat die Buchmesse die Digitalisierung auch zu einem Schwerpunktthema gemacht. E-Books und Hörbücher sehen die Teilnehmer einer Online-Branchenumfrage, die die Buchmesse unter rund 1300 Fachleuten aus über 80 Ländern gemacht hat, als die entscheidenden Wachstumssparten.

Recherche-Plattform des Börsenvereins

Ein junges Mädchen sitzt neben einem Kamin in dem ein Feuer brennt und liest. Quelle: bilderbox

Das altmodische Papier-Buch hat noch viele Fans

Als Vorreiter auf dem Gebiet der Digitalisierung gelten Google und der Versandhändler Amazon. Google hatte allerdings mit seiner Buchsuche "Booksearch", bei der online in digitalen Büchern recherchiert werden kann und Teile oder das komplette Buch angezeigt werden, immer wieder Probleme mit dem Urheberrecht. Nach zweijähriger Vorbereitungsphase hat jetzt auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine ähnliche Online-Plattform gestartet. Auf "libreka.de" seien bisher rund 8000 Bücher erfasst und es würden sich 300 Verlage beteiligen, wie der Verein am Mittwoch auf der Buchmesse mitteilte. Allerdings wolle man nicht in Konkurrenz zu Google treten, sondern möglicherweise zusammenarbeiten.

Kein Genuss ohne Papier

Im Bereich der E-Books, also Bücher die komplett gegen eine Gebühr heruntergeladen werden können und auch am Bildschirm gelesen werden, gibt es mit Portalen wie "ciando.com", "beam-ebooks.de" und "libri.de" einige Anbieter, die vor allem ältere Belletristik und Sachbücher anbieten. Allerdings gehören für die meisten Leser Buch und Papier untrennbar zusammen. Texte auf einem Display würden für die Leserschaft einfach keinen Genuss darstellen, meint Bodo Franzmann, Leseforscher der Stiftung Lesen. Um das E-Book attraktiver zu machen, wetteifern die Anbieter der elektronischen Bücher auch in Bezug auf geeignete Lesegeräte.

Jemand liest in einem elektronischen Buch. Quelle: AP

Das Lesen auf dem Display bietet wenig Komfort

Auf der Buchmesse stellt der E-Book-Anbieter "libri.de", der laut eigener Angaben 40.000 Titel anbietet, das neue mobile Lesegerät "iLiad" vor, das durch besonders kontrastreiche Darstellung dem Lesegefühl eines gedruckten Buches besonders nahe kommen soll. Auch Amazon soll einem Bericht der "New York Times" zufolge mit "Kindle" ein Gerät vorstellen, das eine drahtlose Verbindung zu einem Amazon-E-Buchladen im Internet herstellt. Damit wäre der Anschluss an einen Computer nicht mehr nötig. Damit macht Amazon dem 2004 von Sony auf den Markt gebrachten "Reader" Konkurrenz. Hier hatten die Nutzer die notwendige Verbindung zu einem Computer bemängelt. Mit einem Preis zwischen 400 und 500 Dollar (rund 294 bis 367 Euro) für "Kindle" beziehungsweise 649 Euro, inklusive 100 Euro E-Book-Gutschein, für "iLiad", ist das digitale Lesevergnügen allerdings nicht ganz günstig.

Hörbücher auch beim Herunterladen beliebt

Bei Hörbüchern ist der Trend zum Herunterladen deutlicher zu erkennen. Bereits auf zehn Prozent wird der Downloadanteil im gesamten deutschen Hörbuchmarkt geschätzt. Genauso hoch wie auf dem fünfmal größeren US-Markt. Allgemein wächst der Hörbuch-Markt fleißig weiter: Insgesamt sind bereits 20.000 Titel von 500 Verlagen erhältlich, 2000 neue erscheinen in diesem Jahr. Rund acht Millionen CD- und Downloadkäufe machen das Hörbuch zu einem ganz eigenen Medium. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers lauschen vor allem bei Kindern gerne der CD, der Kassette und dem MP3-Player: 21 Prozent im Vergleich zu sechs Prozent bei den Erwachsenen.

Der Bücher-Markt wächst weiter

Trotz der Herausforderung, die die Digitalisierung und das Internet für die Verleger darstellen, machen sie damit auch Geschäfte. "Die alte Angst, elektronische Medien könnten das Buch verdrängen und weite Geschäftsfelder der Verlage zerstören, sitzt den Verlegern längst nicht mehr so tief in den Knochen", beurteilt Buchmesse-Direktor Jürgen Boos. Mit den neuen Angeboten lassen sich Geschäfte machen. Die aktuellen Marktdaten zeigen: 2006 stieg der Umsatz mit Büchern um 1,1 Prozent auf 9.3 Milliarden Euro. Der Online-Umsatz stieg sogar um elf Prozent. Auch für dieses Jahr wird ein weiter wachsender Markt

Ein Kind mit Kopfhörern steht vor einer Wand mit Kinderhörbüchern. Quelle: Frankfurter Buchmesse / Hirth

Vor allem bei Kindern beliebt: Hörbücher

prognostiziert. Nach Angaben des Branchenverbands der deutschen Buchhändler wird derzeit ein Wachstum von etwa vier Prozent erwartet. Das werde sich bis Ende des Jahres erfahrungsgemäß wieder etwas verringern, aber "die Stimmung in der Branche ist gut", beurteilt auch Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Eine mögliche Begründung liefert Michael Cader, Verleger und Herausgeber des US-amerikanischen Online-Nachrichtendienstes "Publishers Lunch". Das Internet bringe den Verlegern das kostbarste Gut überhaupt: Aufmerksamkeit. Die Verleger könnten auf diesem Wege neue Beziehungen zur Leserschaft knüpfen und den Absatz steigern.

Auch die Buchmesse versucht seit letztem Jahr diese neuen Wege der Kommunikation zu nutzen. Im so genannten Web 2.0 Wohnzimmer können die Besucher einen Blick auf die Arbeit der Blogger und Podcaster werfen, die täglich Blogs und Podcasts von der Buchmesse verfassen, dieses Jahr auch erstmals auf Englisch. (elo)

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