1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Die Wiedergeburt einer Sprache

Nach der Franco-Diktatur haben die stolzen Katalanen ihre jahrzehntelang verbotene Sprache wieder entdeckt. Und der Stolz ist so groß, dass die Buchmesse jetzt von einem kulturpolitischen Streit überschattet wird.

Besucher im katalanischen Ausstellungsbereich der Frankfurter Buchmesse, Foto: AP

Schwerpunktland Katalonien: Schon im Vorfeld ein Zankapfel

"¡Habla en cristiano!" – "Sprich christlich!"- Diese Aufforderung, bei der mit "christlich" die spanische Sprache gemeint war, hörten die Katalanen 36 Jahre lang. Von 1939 bis 1975 stand in Spanien unter der Herrschaft des Diktators Francisco Franco der Gebrauch des Katalanischen unter Strafe. 32 Jahre nach Francos Tod sind die Verbote längst abgeschafft, Katalonien ist Gastregion der Frankfurter Buchmesse – und im Mittelpunkt steht die einst verfolgte katalanische Sprache.

Präsentation der Plakate für die Buchmesse 2007, Foto: AP

Schwerpunktland der Frankfurter Buchmesse 2007 ist die spanische Region Katalonien

Katalanisch ist heute lebendiger denn je: Mehr als sieben Millionen Menschen sprechen die Sprache in den spanischen Regionen Katalonien, Valencia und auf den Balearen sowie in Andorra. Als eigenständiges romanisches Idiom ist Katalanisch zudem die achtgrößte Sprache innerhalb der Europäischen Union. Mehr als 1200 Autoren schreiben derzeit katalanisch, im vergangenen Jahr erschienen mehr als 8000 Titel von ihnen, der Umsatz der Verlage mit katalanische Schriften betrug 235 Millionen Euro.

Zwischen Provinzialismus und Nationalismus

Mit der "Katalanischen Kultur" als Schwerpunkt wagt die Frankfurter Buchmesse jedoch einen Spagat, der schon im Vorfeld der weltgrößten Bücherschau für Debatten sorgte: Politikwissenschaftler und Schriftsteller warnten bereits vor einem europäischen "Provinzialismus".

Anhänger des FC Barcelona (Archiv), Foto: AP

Ist Katalonien spanisch oder nicht?

Die wirtschaftsstärkste Region Spaniens mit dem Zentrum Barcelona und einer eigenständigen Sprache versteht sich nach einem im vergangenen Jahr verabschiedeten Autonomiestatut als "Nation". Entsprechend selbstbewusst nimmt sie ihre Rolle ein. "Wir sind eine reiche Region, und das macht uns stolz", sagt etwa die katalanische Wirtschaftswissenschaftlerin Muriel Casals. Und der ehemalige katalanische Präsident und Ex-Oberbürgermeister von Barcelona, Pasqual Maragall, plädiert ganz offen für eine Stärkung der Regionen: Man müsse das Europa der Nationen voranbringen, fordert er.

Spanisch Publizierende nicht erwünscht

Doch viele Intellektuelle glauben, Europa könne nur dann eine starke Einheit werden, wenn sich seine Regionen ihrer Rolle innerhalb des Ganzen bewusst seien. Der Präsident der deutschen Sektion der Schriftstellervereinigung PEN, Johano Strasser, verurteilt etwa die "Überbetonung des Separierens". "Kulturelle Identitätspolitik ist immer eine zweischneidige Angelegenheit", sagt er.

Die Sagrada Familia in Barcelona (Archiv), Foto: AP

Katalonien hat mehr zu bieten als die Touristenstadt Barcelona

Damit spielt er auf den kulturpolitischen Streit schon im Vorfeld der Buchmesse an, in dem es um die Beteiligung der auf Spanisch schreibenden Katalanen ging. Dazu zählen etwa Bestseller-Autor Carlos Ruiz Zafón ("Der Schatten des Windes“) und Eduardo Mendoza ("Stadt der Wunder“). Entgegen seiner ursprünglichen Pläne hatte das katalanische Kulturinstitut Ramón Llull die spanisch schreibenden Autoren doch noch offiziell eingeladen. Dann wollten diese aber nicht mehr.

Verordneter Katalanismus?

Dabei ist Barcelona auch das Zentrum der Buchproduktion in spanischer Sprache. 250 Verlage haben in Katalonien ihren Sitz, darunter die großen Konzerne Planeta und Random House Mondador. Der Gesamtumsatz betrug 2005 fast 1,6 Milliarden Euro. Nationalisten empfinden das mächtige Spanisch in ihrer Region als Bedrohung und begründen damit dessen Ausblendung bei der Buchmesse.

Installation zur Literatur der diesjaehrigen Gastregion der Buchmesse, Katalonien, Foto: AP

"Die spanische Sprache ist ein Teil von Katalonien"

"Die spanische Sprache ist ein Teil von Katalonien, weshalb auch spanischsprachige katalanische Autoren zur Buchmesse müssten", meint hingegen Lluis María Todó, der im vergangenen Jahr den "Premio Josep Plá" erhielt, den wichtigsten Preis für katalanischsprachige Literatur. Aber auch Todó blieb unberücksichtigt, obwohl er auf Katalanisch schreibt.

Einer der Gründe für seine Nicht-Berücksichtigung könnte Todós Kritik an der Sprachpolitik sein, die das Katalanische gegenüber dem Spanischen stärken soll. So müssen Geschäfte seit einigen Jahren katalanisch beschriftet werden, für Radios gelten Mindestquoten für Programme auf Katalanisch. Todó: "Die repressiven Maßnahmen haben unserer Sprache nicht geholfen." (ina)

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema