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So geht Deutschland

Die deutsche Ordnung

Wir Deutschen gelten als ordnungsverliebt. Dabei haben wir sie gar nicht erfunden. Wir haben nur erkannt, dass es mit ihr besser geht, als ohne sie. In seiner ersten Kolumne widmet sich Peter Zudeick der Ordnung.

Nein, wir haben sie nicht erfunden. Die Ordnung. Auch nicht die Ordnungsliebe. Das muss der Ordnung halber doch mal gesagt werden. Unsere Vorfahren waren wilde Kerle, die das Chaos liebten. Ordnung kam von den Römern. Im Rechtswesen, im Münzwesen, im Staatswesen. Vor allem aber beim Militär. Die Römer: Immer in Reih und Glied, während Teutonen und andere germanische Stämme wild durcheinander rannten. Nach den ersten Niederlagen gegen solche Unordnung war bei den Römern allerdings eine umfassende Heeresreform angesagt. Und auch wir haben gelernt. Seit wir keine germanischen Horden mehr sind, sondern ordentliche Deutsche, herrscht Ordnung. Und wir lieben sie.

Bleistifte in verschiedenen Farben stehen in einem Schaukasten (Foto: dpa)

Alles muss seine Ordnung haben

Ordnung ist der geregelte Zustand. Egal von was. Und Ordnung ist das halbe Leben. Sagt der Volksmund, der deutsche. Um die andere Hälfte sollen sich getrost die anderen kümmern. Die Römer zum Beispiel, also die jetzigen, die in Italien leben, dem Inbegriff des Unordentlichen. Das war jedenfalls so,  bis die Griechen sie verdrängten.

Ordnung hat Gott lieb

"Ordnung muss sein", "Ordnung hilft haushalten", "Ordnung erhält die Welt." Alles deutscher Volksmund. Es gibt keine Sprache, die so inbrünstig die Ordnung lobt wie die deutsche. Das schönste Sprichwort: "Ordnung hat Gott lieb." Das hat der Deutsche am liebsten: Wenn irgendein höheres Wesen hinter dem steht, was er gut findet. Gott oder Kaiser, Pastor oder Kanzler.

Der Deutsche kennt freilich nicht nur den Ordnungshüter, die Ordnungsmacht oder den Ordnungsruf, sondern auch die Ordnung als Charaktereigenschaft. Ein Mensch, der was taugt, der ist "in Ordnung". Ein ordentliches Stück Arbeit, das bringt Respekt. Wir kennen geordnete Landschaften, die geordnete Insolvenz - jaja, einfach nur pleite gehen und kein Geld mehr haben, das ist was für Taugenichtse, aber nicht für den richtigen Deutschen.

Im Schrebergarten ist nicht mehr alles in Ordnung

Ein Schrebergarten des Gartenvereins Brünninghausen in Dortmund (Foto: dpa)

Ein deutscher Schrebergarten - Rückzugsort für das Wochenende

Für alles gibt es in Deutschland eine Ordnung: Die Hausordnung, die Bahnhofsordnung, die Badeordnung und die Seeschifffahrtsstraßenordnung. Doch nicht überall regiert die Ordnung. Es soll schon Schrebergärten geben, in denen das Chaos herrscht. Wo doch der Kleingarten des Deutschen liebstes Kind ist: Rasen statt Wiese, ordentliche Wege, Zäune, Hecken. Weil man doch die Natur nicht einfach der Natur überlassen kann, das hieße Unordnung höchster Güte. Da muss man den Anfängen wehren.

Gartenzwerge (Foto: dpa)

Strikt festgelegt: Rote Mütze, Bart und Lederschürze

Wie bei den Gartenzwergen. Die Gartenzwergordnung, keine geschriebene, sondern eine dem Deutschen als solchem innewohnende, schreibt bindend vor, dass der Gartenzwerg maximal 69 Zentimeter groß ist, einen Bart trägt und mit roter Mütze, Lederschürze, Schaufel, Spitzhacke, Laterne oder Schubkarre ausgestattet sein muss. Was da inzwischen auf dem Markt ist - schauerlich. Weibliche Gartenzwerge, unglaublich, solche mit nacktem Hinterteil oder erhobenen Mittelfinger. Aber da sorgt die deutsche Justiz für Ordnung: Solche Zwerge sind keine Zwerge, sondern eine Ehrverletzung, stören den Nachbarfrieden und müssen entfernt werden. Also sprach das Amtsgericht Grünstadt im Jahre 1994. Und die deutsche Welt war wieder in Ordnung.

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