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So geht Deutschland

Der tierliebe Deutsche

Manchmal kommt der Deutsche mit seinem Hund weit besser klar, als mit seinen Mitbürgern - so sagt man. In seiner vierten Kolumne widmet sich Peter Zudeick der Tierliebe der Deutschen.

In deutschen Kneipen und anderen guten Stuben hängen gerne mal Sinnsprüche an der Wand. In Holztäfelchen geritzt. Oder in Kupfer gestochen. "Morgenstund hat Gold im Mund" steht da drauf. Oder: "Üb immer Treu und Redlichkeit". Oder: "Glück und Glas, wie leicht bricht das". Mein Lieblingsspruch lautet: "Dass mir mein Hund das Liebste sei, sagst du, oh Mensch, sei Sünde. Mein Hund ist mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde." Das Gedichtlein soll von Franz von Assisi stammen. Aber das glaube ich nicht. Ein deutscher Hundebesitzer muss es erfunden haben. Ein Schäferhundbesitzer versteht sich. Denn deutsch und Schäferhund - das ist irgendwie synonym.

Ein Pudel Nico blickt zu seinem Herrchen auf (Foto: dpa)

Ein Pudel als Mensch?

Es darf aber auch ein Pudel sein. In Goethes "Faust" erscheint Mephistopheles als Pudel. Also der Teufel. Das darf aber nicht als Herabsetzung des Pudels als solchem missverstanden werden. Der Philosoph Arthur Schopenhauer hatte einen Pudel als ständigen Begleiter. Alle paar Jahre musste der Pudel erneuert werden. Er hieß aber immer Butz. Und wenn Schopenhauer sauer auf Butz war, nannte er ihn "Mensch".

Ehrlicher als ein Mensch?

Eine Katze und eine Maus schauen sich an (Foto: Fotolia)

Die Katze ist des Deutschen liebstes Haustier

"Woran sollte man", schrieb Schopenhauer, "sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären, in deren ehrliches Gesicht man ohne Misstrauen schauen kann?" Er war mit seiner Hundeverehrung keineswegs allein: "Alles Wissen, die Gesamtheit aller Fragen und alle Antworten ist in den Hunden enthalten." Meinte der Schriftsteller Franz Kafka. "Je mehr ich von den Menschen sehe, umso lieber habe ich meinen Hund." Sagte Preußenkönig Friedrich der Große. Von dem deutschen Schriftsteller Carl Zuckmayer stammt der Satz "Ein Leben ohne Hund ist ein Irrtum", der Schauspieler Heinz Rühmann hat ihn variiert zu "Natürlich kann man ohne Hund leben - es lohnt sich nur nicht", und beim deutschen Satiriker Loriot heißt es schließlich: "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." Wer etwas auf sich hält in Deutschland, der liebt Hunde. Oder behauptet es zumindest.

Über achtzig Prozent aller Deutschen halten sich für "sehr tierlieb", und da sich nicht alle auf Hunde stürzen können, bleibt für Katzen, Meerschweinchen, Kanarienvögel und Wellensittiche auch noch etwas übrig von den annähernd vier Milliarden Euro, die in Deutschland pro Jahr für Haustiere ausgegeben werden. Tatsächlich stehen die Hunde gar nicht auf Platz eins der Beliebtheitsskala: Die Katzen sind es, gefolgt von Meerschweinchen und Kaninchen, erst dann kommen die Hunde.

Ein Wackeldackel auf der Hutablage in einem Auto (Foto: picture alliance)

Beliebter Beifahrer im Auto: Der Wackeldackel

Die Dackel zum Beispiel, die als kopfnickende Kunststoffnachbildung auf der Hutablage des Autos das untrügliche Markenzeichen des deutschen Spießers sind und "Wackeldackel" heißen. Der Dackel ist äußerst beliebt, ob als Kurzhaar, Langhaar oder Rauhaar, heißt meistens Waldi, hat krumme Beine und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Was ein bisschen untypisch für den deutschen Hund ist, denn der deutsche Hundebesitzer erzieht und dressiert gern, und wenn er dafür keine Kinder zur Hand hat, kommt er gerne auf den Hund.

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