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Fußball

Die Bundesliga diskutiert Geldfragen

Der "kleine" FC St. Pauli und der "große" FC Bayern München wollen mehr Geld aus dem TV-Topf der Bundesliga. Allerdings sind die Ansätze, dieses Ziel zu erreichen, völlig unterschiedlich und erhitzen die Liga.

Erst in einem halben Jahr schließt die Deutsche Fußballiga (DFL) neue TV-Verträge ab. Dennoch wird bereits jetzt über die Verteilung des noch zu backenden Kuchens gestritten. Den Anstoß gegeben hat der FC St. Pauli, der am 10. November mit einem Antrag zur DFL-Mitgliederversammlung, die an diesem Mittwoch stattfindet, für Aufregung sorgte. Der Kiezklub greift darin Werksvereine an, wie Bayer 04 Leverkusen (Tochter der Bayer AG) und den VfL Wolfsburg (Tochter des VW-Konzerns), aber auch 1899 Hoffenheim (gehört Mäzen Dietmar Hopp) und künftig möglicherweise Hannover 96 (Mäzen und Präsident Martin Kind könnte 2017 die Mehrheit der Vereinsanteile übernehmen).

Die vier Klubs müssten sich aufgrund von Sonderregelungen nicht der so genannten "50+1-Regel" zur Stimmenmehrheit bei Profi-Vereinen unterwerfen und seien daher in Zukunft von der Verteilung aus der Fernsehvermarktung sowie der Gruppenvermarktung auszuschließen, heißt es im Antrag. Unter dem Begriff Gruppenvermarktung sind die Gelder zusammengefasst, die von Adidas als Sponsor des Ligaballs, vom Logistikunternehmen Hermes als Ballboten und von der Brauerei Krombacher als offizieller Partner der Bundesliga kommen.

Antrag wird zum Bumerang

Nachdem der Vorschlag für heiße Diskussionen sorgte, betonte der FC St. Pauli vergangenen Donnerstag in einer Stellungnahme, der Antrag habe "mit der gemeinsamen zentralen Vermarktung der medialen Rechte ebenso wenig zu tun wie mit der Forderung nach Einzelvermarktung oder mit der Aufkündigung der Solidargemeinschaft". Es gehe lediglich um die Stärkung der 50+1-Regel, die deutsche Vereine davor bewahre, "zum Spielball interessierter, finanzkräftiger Einflussnehmer von Außen zu werden". Die 50+1-Regel besagt, dass Investoren ungeachtet der Höhe ihrer Anteile nicht die Stimmenmehrheit an einem Fußballklub erlangen dürfen.

Geschäftsführer Andreas Rettig vom FC St. Pauli (Foto: Revierfoto)

Andreas Rettig, Geschäftsführer beim FC St. Pauli

Doch als die Erklärung kam, hatte sich das Thema längst verselbstständigt und droht nun wie eine Art Bumerang den FC St. Pauli und andere Zweitligisten selbst zu treffen. Denn Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge nahm den Anstoß aus Hamburg dankend auf, um auch für seinen Verein - als Zugpferd der Branche in Deutschland - mehr Geld zu fordern. Allerdings mit einem anderen Ansatz als die Paulianer. Die Liga müsse insgesamt mehr Geld durch den Verkauf ihrer TV-Rechte einnehmen. Am Montag sagte Rummenigge im Interview mit dem Fußball-Fachmagazin "Kicker", eine "Steigerung der Einnahmen auf 1,x Milliarden Euro" pro Saison sei wünschenswert. Das wären bei einem Vierjahresvertrag mehr als vier statt derzeit 2,5 Milliarden Euro. "Im zweiten Schritt geht es um den Verteilermechanismus", sagte Rummenigge weiter. Hier fordert der FC Bayern insbesondere mehr Geld für die Top-Klubs.

Rummenigge: "Überfällige Debatte"

Dank St. Pauli gebe es nun endlich die "überfällige Debatte", sagte Rummenigge, der den Antrag des Zweitligisten als "Eigentor" bezeichnete, denn wer Solidarität fordere wie die 2. Liga, der solle sich auch selbst solidarisch verhalten und keine anderen Vereine ausschließen. Er verwies darauf, dass englische Premier-League-Klubs rund 200 Millionen Euro Fernsehgeld pro Saison bekämen, der FC Bayern müsse dagegen mit einem Drittel dieser Summe auskommen. "Wir sind bereit, uns weiter zentral vermarkten zu lassen, wenn damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit des FC Bayern München nicht infrage gestellt wird", sagte Rummenigge. Andernfalls, so ließ er zwischen den Zeilen durchblicken, würden die Münchener darüber nachdenken, sich selbst zu vermarkten.

Karl-Heinz Rummenigge (Foto: Andreas Gebert/dpa)

Bayern-Vorstand Rummenigge setzt die DFL unter Druck und fordert TV-Einnahmen von 1,x Milliarden Euro pro Saison

Die Münchener würden in Eigenvermarktung wahrscheinlich eine Summe irgendwo zwischen 150 und 200 Millionen pro Jahr erzielen können, für kleinere Klubs wäre der Austritt des FC Bayern aus der Solidargemeinschaft aber ein Horrorszenario. Schließlich wäre das Rechte-Paket Fußball-Bundesliga nur noch halb so attraktiv, wenn es nicht mehr die Spiele des Rekordmeisters enthielte. Zudem könnte ein solcher Schritt der Bayern auch Klubs wie Borussia Dortmund oder den FC Schalke 04 zum Nachahmen animieren. Für alle anderen, insbesondere die Zweitligisten, würden die TV-Einnahmen dann wohl dramatisch schrumpfen.

Nicht mehrheitsfähig

Stefan Reuter, Manager des FC Augsburg, warnte vor dem Zusammenbruch der Solidargemeinschaft im deutschen Profifußball. Ähnlich argumentierte Ingolstadts Sport-Geschäftsführer Harald Gärtner: "Die Verteilung war bisher für alle in Ordnung." Viele andere "kleinere" Erstliga-Vereine halten ebenfalls nichts vom Vorschlag, Werksklubs bei den Erlösen aus der Zentralvermarktung auszugrenzen. "Das provoziert, dass die Großen rausgehen und sich einzeln vermarkten. Das wäre eine Katastrophe für die Liga", sagte Reuter. "Ich glaube, dass die Solidargemeinschaft sehr wichtig ist für die Liga. Ich hoffe, dass sie Bestand hat."

Der St.-Pauli-Vorschlag dürfte nicht annähernd mehrheitsfähig sein. Diskutiert werden könnte allerdings eine abgeschwächte Variante. Nämlich die, dass die Vereine, bei denen die 50+1-Regel außer Kraft ist, in der Klub-Rangliste für die Verteilung der TV-Einnahmen ein wenig zurückgestuft werden. Möglicherweise wäre das ein Vorschlag, mit dem letztlich alle Beteiligten leben könnten.

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