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Deutschland

Die Berliner wollen wieder Wowereit

Berlin hat gewählt und fest steht, dass Klaus Wowereit auch in den nächsten fünf Jahren Bürgermeister der Bundeshauptstadt sein wird. Er gilt als einer der schillerndsten Politiker Deutschlands.

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Wowereit unterwegs in eigener Sache

Klaus Wowereit war schon immer der Jüngste und trotzdem meistens der Erste. Seine vier Geschwister sind älter als er. Deshalb und weil die Familie ohne Vater aufwuchs, habe er früh lernen müssen, sich zu behaupten. Mit Anfang 40 wechselte der Jurist und Sozialpolitiker in die Landespolitik, wurde 1999 Fraktionsvorsitzender und nach dem Bruch der Koalition aus Sozial- und Christdemokraten Regierender Bürgermeister.

Ein geflügeltes Wort: "Und das ist auch gut so!"

Bevor Wowereit sich mit Hilfe der Postkommunisten in dieses Amt wählen ließ, machte er auf einem SPD-Sonderparteitag das öffentlich, was politisch korrekt als "sexuelle Orientierung" bezeichnet wird: "Ich weiß ja, ich bin schon eine Person des öffentlichen Lebens. Und ich weiß auch ganz genau, dass mein Privatleben jetzt sowieso nur noch öffentlich sein wird. Aber damit auch keine Irritationen hochkommen, liebe Genossinnen und Genossen, ich sag's euch auch und wer's noch nicht gewusst hat: Ich bin schwul, und das ist auch gut so." Sein Outing bescherte Wowereit weit mehr Sympathien als Ablehnung, auch außerhalb der eigenen Partei.

Der nächste Tabu-Bruch folgte nach einem kurzen Regierungs-Intermezzo mit den Grünen auf politischem Terrain. Nach der vorgezogenen Abgeordnetenhaus-Wahl im Herbst 2001 schmiedete der Westberliner Wowereit eine Koalition mit der PDS, die aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) hervorgegangen war. Ein Bündnis mit der für den Mauerbau verantwortlichen SED mussten viele als ungeheuerliche Zumutung empfinden.

Lebensfroher Politiker oder Partymeister?

Trotz aller Bedenken und Befürchtungen gelang es Wowereit schnell, sich die Sympathien der meisten Berliner zu erwerben. Als lebensfroher Politiker, der gerne das Tanzbein schwingt, ist er bei der politischen Konkurrenz zwar als Partymeister verrufen. Doch seinem Image als ehrliche Haut schadet das nicht - im Gegenteil: Anfang September wurde er in einer Umfrage zu einem der beliebtesten Länder-Regierungschefs Deutschlands gewählt. Und, so viel steht nach der Wahl am Sonntag (17.9.) fest: Auch der künftige Regierende Bürgermeister wird wieder Wowereit heißen.

Weil Berlin hochverschuldet ist, unter geringem Wirtschaftswachstum und hoher Arbeitslosigkeit leidet, haftet der Stadt trotz allen Glamours und historischer Faszination das Image des Armenhauses der Republik an. Kein Problem für den Lebenskünstler Klaus Wowereit - sein Motto lautet: Arm, aber sexy. Fremdenfeindliche Übergriffe indes stören das Bild vom weltoffenen, toleranten Berlin. Wowereit verschweigt sie nicht, warnt auf Wahlveranstaltungen aber auch vor Übertreibungen und Verallgemeinerungen: "Es kann in Deutschland, es kann in Europa, es kann auf der ganzen Welt passieren, dass einige Verrückte immer noch nichts gelernt haben. Das kann in London passieren, das kann in New York passieren. Aber da, wo etwas passiert, müssen die Anständigen auch Flagge zeigen und sagen: 'Das lassen wir uns nicht gefallen!'"

Wirtschaftsfaktor Tourismus für Berlin

Bei allen Problemen kann der Berliner Regierende Bürgermeister auch auf Erfolge seiner Politik verweisen. So dürfte es kein Zufall sein, dass die Stadt durch eine geschickte Vermarktung bei Touristen mittlerweile zu den weltweit am meisten gefragten Zielen gehört. In Europa lediglich von London und Paris übertroffen. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, neben der kulturellen und wissenschaftlichen Ausstrahlung.

Wowereits Traum indes ist es, die Olympischen Spiele in die deutsche Hauptstadt zu holen. Einen Coup hat der 53-jährige sportbegeisterte Sozialdemokrat schon gelandet: die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 wird in Berlin stattfinden. Wahrscheinlich mit ihm als Gastgeber. Es sei denn, Wowereit wechselt in die Bundespolitik. Ambitionen werden ihm nachgesagt.

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