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Filme

Die Berlinale bleibt sich treu

Die Berliner Filmfestspiele gaben sich auch diesmal politisch; die Jury entschied - mal wieder - anders als erwartet; und das Publikum kaufte so viele Tickets wie noch nie. Jochen Kürten kommentiert die Berlinale 2008.

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Mit einem neuen Zuschauerrekord sind die 58. Internationalen Filmfestspiele in Berlin zu Ende gegangen. Rund 230.000 Karten wurden verkauft - mehr als im Vorjahr. Und da sich die Berlinale – im Gegensatz etwa zu Cannes und Venedig - als Publikumsfestival versteht, ist dies ein großer Erfolg. Am Ende gab es natürlich auch Preise; Silberne und Goldene Bären wurden verliehen. Über die Preisentscheidungen der internationalen Jury kann man streiten – doch auch das hat Tradition in Berlin, wo nur selten die favorisierten Filme ausgezeichnet werden.

Filmkritiker hätten anders entschieden

Wie in der Vergangenheit bekam am Ende ein Film den Goldenen Bären, mit dem die Wenigsten gerechnet hatten: "Tropa de Elite" des brasilianischen Debütanten José Padhila. Der schnell geschnittene, wüst montierte und mit zuckenden Handkameras aufgenommene Blick auf den tagtäglichen Kampf in den Elendsvierteln Rio de Janeiros hatte die meisten Filmjournalisten nicht überzeugen können. Doch Filmkritiker entscheiden ja auch nicht über Preise.

Die Vorlieben des Jury-Präsidenten

Es ist eine internationale Jury, die meist aus Schauspielern, Regisseuren und anderen Filmschaffenden zusammengesetzt ist. Und die einen Präsidenten hat, der natürlich auch bestimmte, subjektive Interessen und Vorlieben pflegt. Das war in diesem Jahr der französisch-griechische Regisseur Constantin Costa-Gavras, der in seiner Karriere vor allem mit seinen Politthrillern bekannt geworden ist - und der eine starke Affinität zu Lateinamerika hat. Und da die Berlinale seit jeher den Ruf eines politischen Filmfestivals besitzt, musste aus dieser Konstellation fast zwangsläufig ein gesellschaftskritisch relevanter Film den Goldenen Bären gewinnen.

Preisvergabe nur ein Element des "Spiels" Berlinale

Darüber könnte man nun – wie übrigens jedes Jahr wieder – trefflich streiten, ob den ein Festival nicht doch den stilistisch, den künstlerisch wertvollsten Film auszeichnen sollte – so wie es zum Beispiel in Cannes meistens geschieht. Doch dass hieße auch der Illusion aufzusitzen, dass man Kunstwerke überhaupt miteinander messen kann. Dass man die Werke verschiedener, ganz eigenwilliger Künstlerpersönlichkeiten objektiv vergleichen und in wertende Kategorien einordnen kann. Ernsthaft kann das niemand behaupten.

Und so sollte man auch diese Jury-Entscheidung der Berlinale 2008 eher als Spiel sehen, als Teil eines großen Kultur-Events, bei dem eben Preise genauso zum Spiel in der Manege dazugehören wie Stars und Sternchen, die vor jubelnden Menschen Autogramme verteilen oder berühmte Popsängerinnen, die versehentlich auch einmal hinter und nicht vor der Kamera gestanden haben. Viele mit Bären ausgezeichnete Filme der vergangenen Jahrzehnte kennt heute zu Recht niemand mehr, genauso wie auch der Film von Madonna einmal zur Randnotiz einer großen Pop-Karriere werden wird.

Filmfestival mit Happy-End

Darüber sollte man sich nicht grämen. Viel wichtiger ist es doch, dass die Berlinale in den vergangenen zehn Tagen sehr viele, sehr sehenswerte Filme gezeigt und, dass sie die Zuschauer in Scharen angezogen hat und weiterhin Treffpunkt der internationalen Filmszene ist, die eben auch dem politischen Kino einen Raum gibt. Auch dass die Berlinale als perfekt organisierte Kultur-Großveranstaltung nichts von ihrer Strahlkraft verliert, ist im Wettstreit der internationalen Festivals nicht zu unterschätzen. Die Berlinale bleibt sich also treu, auch in dieser Hinsicht, und das ist gut so!

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