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Nahost

Die Bedrohung durch den "Islamischen Staat" vereint einstige Feinde

Verfeindete Mächte in der Region haben Differenzen beigelegt, um die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu bekämpfen. Die Militäroperation der USA im Norden des Irak wurde vom Iran und Saudi-Arabien abgesegnet.

Die Veränderungen in der politischen Landschaft in der arabischen Region erfordern neue Allianzen. Nur so lässt sich die Position des Irans verstehen, der nun doch die Kämpfer der Peschmerga unterstützen möchte. Selbst die militärische Intervention der USA im Norden des Irak -auch wenn dies nicht offiziell verkündet wurde- scheint durch den Iran abgesegnet worden zu sein.

Weitaus ungewöhnlicher ist, dass Saudi-Arabien nun bereit ist, eine Allianz mit dem Erzfeind Iran einzugehen, um den "Islamischen Staat (IS)" zu bekämpfen. Aber auch die Partner Riad und Washington waren in der jüngeren Vergangenheit nicht immer einer Meinung. Während Saudi-Arabien den Sturz des früheren ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi als "Militärputsch" bezeichnet hat, haben die USA den Machwechsel in Ägypten unterstützt. Saudi-Arabien fördert die gemeinsamen internationalen Bemühungen, um "IS" zu bekämpfen - mit einer Spende in Höhe von 100 Millionen US-Dollar.

"Ein nie zuvor dagewesenes Phänomen"

Abdel Bari Atwan, Herausgeber der in London erscheinenden Onlinezeitung "Raialyoum", erklärt in einem Gespräch mit der Deutschen Welle: "Der 'IS' versetzt die Region in Angst und Schrecken. Daher beobachten wir ein nie zuvor dagewesenes Phänomen: Die Länder in der Region legen ihre Differenzen beiseite, um diese Organisation zu bekämpfen.

Außenminister John Kerry trifft Saud Al-Faisal bin Abdulaziz al-Saud in Riad. (Foto: REUTERS/Jason Reed)

US-Außenminister John Kerry trifft Saud Al-Faisal bin Abdulaziz al-Saud in Riad

Die 'IS' rekrutiert Kämpfer sowohl innerhalb als auch außerhalb der islamischen Länder." Der Journalist fügt hinzu: "Der 'IS' existierte im Herzen der arabischen Welt und nicht am Rand, wie dies früher der Fall bei Al-Kaida war. Er versorgt sich selbst mit Waffen durch die Einnahme von Millionen von Dollar von Banken in den Gebieten, die er selbst kontrolliert."

Diese Einschätzung teilt Ali Alawsi, Experte für Terrorismus und Direktor des Zentrums für Studien zum südlichen Irak in London. "Der 'IS' stellt eine Gefahr für die ganze Welt dar", so Alawsi. "Er schließt eine iranische Intervention im Irak und in Syrien gegen die Extremisten nicht aus. Der Iran wird nicht schweigend zusehen, wie sich die Gefahr ihm nähert. Viel mehr würde Teheran seine Strategie ändern und aufhören, bestimmte Parteien zu unterstützen, und direkt Streitkräfte in beide Länder entsenden."

Nutzloser Plan?

Im Gespräch mit der DW kritisiert Alawsi den Plan des UN-Sicherheitsrats, "IS" finanziell zu schwächen und beschreibt ihn als "nutzlos." Der UN-Sicherheitsrat hatte in der vergangenen Woche Sanktionen gegen die Unterstützer des "IS" verabschiedet. In der Resolution geht es darum, die Finanzierung der Extremisten-Gruppe und ihre Rekrutierung von Kämpfern zu unterbinden. Außerdem wurden gegen sechs Männer aus dem Kuwait, Saudi-Arabien und weiteren Ländern, die als Hintermänner und Geldgeber der Terroristen gelten, Reiseverbote und Kontensperrungen beantragt.

Alawsi erklärt, dass die Organisation "IS" keine staatlichen Strukturen besitzt und eher ein Zusammenschluss organisierter Banden sei. Der "IS" besäße weder Banken, um sein Geld zu deponieren, noch Immobilien oder weitere öffentliche Besitztümer. Somit sei diese Resolution "nutzlos und nicht dursetzbar". Er bezeichnet die Sperrung der Konten und die verhängten Reiseverbote gegen die sechs Männer als "Theater", da der selbsternannte Kalif Abu Bakr al-Baghdadi und weitere Führer der Organisation nicht auf der Liste stünden.

Die Welt vereint im Kampf gegen den Extremismus

Herausgeber Abdel Bari Atwan hingegen meint: "Auch wenn diese Maßnahmen als schwach erscheinen, so sind sie der Anfang einer noch folgenden langen Liste weiterer Maßnahmen. Sie haben einen hohen moralischen Stellenwert und zeigen, dass die Welt mit vereinten Kräften gegen den Extremismus kämpft und jeglichen Umgang auch wirtschaftlich mit der Terrorgruppe kriminalisiert." Wichtig sei dies vor allem, da der "IS" in den vergangenen Wochen mehrere wichtige Ölquellen im Irak eingenommen habe und sich mit dem Erlös des verkauften Öls weitere Waffenkäufe finanzieren könnte.

Peschmerga Kämpfer beim Mossul-Damm. (Foto: AP Photo/Khalid Mohammed)

Peschmerga Kämpfer beim Mossul-Damm

Die Prioritäten der USA in der Region haben sich laut Atwan in den vergangenen sechs Monaten verändert. Die Bekämpfung des "IS" im Irak und in Syrien sei nun das Wichtigste. Dafür sei der Sturz des Assad-Regimes in den Hintergrund geraten. Dies spiegele auch die Lage in Syrien wieder, so Atwan. Die Konfliktparteien "Islamische Front", "Freie Armee" und die Mudschahedin-Armee hätten sich vorrübergehend geeinigt, um den gemeinsamen Feind, den "IS", zu bekämpfen.

Als Folge bilden nun auch der Iran, der Irak, Saudi-Arabien und der Westen eine Allianz gegen den "IS". Um die nationale Einheit des Irak zu gewährleisten, wurden die kurdischen Kämpfer bewaffnet und der frühere Ministerpräsident Nuri al-Maliki abgelöst.

"Wir können in naher Zukunft sehen, wie iranische und irakische Soldaten Seite an Seite unter der Führung einer US-britischen Militäroperation kämpfen", sagt Atwan. "Erste Anzeichen einer solchen militärischen Operation sieht man bereits im Irak durch die Intervention der Peschmerga im Kampf gegen den 'IS'."

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