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Aktuell Welt

Terrorgruppe IS hat angeblich Tausende Gefangene in ihrer Gewalt

Nach Angaben syrischer Menschenrechtler soll der "Islamische Staat" mehrere tausend Gefangene in seiner Gewalt haben, darunter auch Ausländer. Droht ihnen ein Schicksal, wie dem ermordeten US-Journalisten Foley?

Die Zahl allein schockiert: von mindestens 4000 Menschen in den Händen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) spricht die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Ein Sprecher der Organisation sagte der Deutschen Presseagentur, die Gefangenen würden an verschiedenen Orten in Ostsyrien festgehalten, vor allem in der Extremistenhochburg Al-Rakka, aber auch in Dair as-Saur oder Aleppo. Rund 20 von ihnen seien Amerikaner und Europäer. Weitere Gefangene sind den Angaben zufolge Anhänger syrischer Rebellengruppen aus anderen arabischen Ländern wie etwa Tunesien.

Die Erkenntnisse decken sich mit den Angaben befreiter Geiseln und ihren Angehörigen, wie die Zeitungen "New York Times" und "Guardian" recherchiert haben. Laut "New York Times" sind mindestens drei Amerikaner und mehrere Briten in der Gewalt der Extremisten. Der britische "Guardian" spricht auch von einem Dänen und zwei Italienerinnen. Die Extremisten der IS hatten in dem Video, das die Enthauptung des US-Journalisten James Foley zeigt, davon gesprochen, auch den US-Reporter Steven Sotloff in ihrer Gewalt zu haben und mit seiner Ermordung gedroht.

Terroristen forderten Lösegeld für US-Journalisten

James Foley (Foto: dpa)

Von der IS brutal ermordet: der US-Reporter James Foley

Laut Darstellung der Terrormiliz war Foley angeblich als Reaktion auf die US-amerikanische Luftangriffe auf IS-Stellungen im Nordirak getötet worden. Zuvor aber hatten die Extremisten umgerechnet 75 Millionen Euro Lösegeld für Foleys Leben gefordert. Nach Berichten verschiedener US-Zeitungen hatte die Regierung der USA die Zahlung verweigert.

Wie Großbritannien und Israel lehnen die USA jegliche Geldzahlungen für verschleppte Landsleute ab. Die Begründung lautet, dass diese Praxis Anreize für weitere Entführungen schaffe und Terrorgruppen als Finanzierung dient. Auch Frankreich etwa lehnt Lösegeldzahlungen offiziell ab, soll aber – oft über Vermittler – in der Praxis dann doch hohe Lösegelder zahlen.

Um dennoch ihren Einsatz für eine Rettung Foleys nachzuweisen, machte die US-Regierung am Mittwoch publik, dass ein Befreiungsversuch für den Journalisten Forley im Sommer unternommen worden war. Die Aktion von US-Elitesoldaten scheiterte: Die Geiseln waren nicht mehr an dem erwarteten Ort.

Die türkische Regierung hat den Bericht einer oppositionsnahen Zeitung zurückgewiesen, wonach Ankara mit dem IS einen Handel zur Befreiung türkischer Geiseln plant. Die Zeitung " Taraf" hatte berichtet, dass die Regierung im Austausch für dutzende seit Juni in IS-Geiselhaft sitzende Türken der IS die Kontrolle über ein unter türkischer Verwaltung stehendes Grabmal in Syrien geben will. Entsprechende Berichte entbehrten jeder Grundlage, hieß es in einer Erklärung des türkischen Außenministeriums.

Bei der Eroberung der nordirakischen Stadt Mossul hatten IS-Kämpfer am 11. Juni das türkische Konsulat besetzt und 49 türkische Diplomaten, Spezialeinsatzkräfte und Zivilisten, darunter Kinder, in ihre Gewalt gebracht.

US-Jets fliegen weitere Angriffe

Im Nordirak setzten US-Kampfflugzeuge am Donnerstag ihre Angriffe auf Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat" fort – ungeachtet der IS-Drohungen mit Morden an weiteren Amerikanern. Das US-Zentralkommando hatte bereits in der Nacht zuvor 14 Angriffe auf IS-Kämpfer gemeldet. Dabei seien mehrere Fahrzeuge zerstört oder beschädigt worden.

US-Präsident Barack Obama hatte nach der brutalen Tötung Foleys ein noch entschiedeneres Vorgehen gegen die Dschihadisten angekündigt. "Es muss eine gemeinsame Anstrengung geben, den Krebs zu entfernen, damit er sich nicht ausbreitet." Eine Gruppe wie der "Islamische Staat" habe "keinen Platz im 21. Jahrhundert".

Für Ende September lud Obama zu einem internationalen Anti-Terrorismus-Gipfel in New York ein. Das Treffen soll am Rande der UN-Vollversammlung stattfinden. Teilnehmen sollen die Staats- und Regierungschefs der fünf Vetomächte im Weltsicherheitsrat. Dazu gehören neben den USA Russland, China, Großbritannien und Frankreich.

cw/ re (dpa, afp)