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Aktuell Welt

Die Antarktis schmilzt schneller

Der Westteil der Antarktis erwärmt sich ungewöhnlich rasch. In 50 Jahren erhöhte sich die Temperatur um 2,4 Grad - drei Mal so stark wie im weltweiten Durchschnitt. Ein schnellerer Meeresspiegelanstieg wird befürchtet.

Die Temperaturen in der westlichen Antarktis steigen rasant. Der westantarktische Eisschild erwärme sich doppelt so rasch wie bisher gedacht, berichteten Forscher im Wissenschaftsblatt "Nature Geoscience". Demnach ergab eine Überprüfung der Temperaturdaten zwischen 1958 und 2010, dass die Temperatur in diesem Zeitraum um 2,4 Grad Celsius gestiegen ist - drei Mal so stark wie im weltweiten Durchschnitt. Damit sei die Westantarktis das sich am schnellsten erwärmende Gebiet der Welt.

Umfangreiche Schmelze befürchtet

Das Eis im Westen der Antarktis liegt teilweise über Land, erstreckt sich aber auch weit ins Meer hinein und schmilzt deshalb schneller. Schon bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Schmelzprozess in diesem Gebiet zu rund zehn Prozent des durch den Klimawandel erzeugten Anstiegs des Meeresspiegels beiträgt.

Ein Pinguin steht am Rande eines Eisbergs in der Antarktis( Foto: AP)

Die Schmelze im Westen der Antarktis trägt zu zehn Prozent des Anstiegs des Meeresspiegels bei

Die neuen Erkenntnisse könnten bedeuten, "dass die Region einen größeren Beitrag zum ansteigenden Meeresspiegel leisten könnte als sie es bisher tut", sagte der Mitverfasser der Studie, David Bromwich vom Byrd Polar Research Center. "Wenn der Erwärmungstrend anhält, wird die Schmelze in der Region in der Zukunft umfangreicher sein."

Grundlage der Berechnungen sind Temperaturmessungen der amerikanischen Byrd-Station, die sich auf 1530 Metern über dem Meeresspiegel mitten auf dem westantarktischen Festlandeis befindet. Diese Daten sind aber lückenhaft, da die Station nur von 1958 bis 1975 ständig besetzt war. Daher galten sie bisher als zu unsicher für längerfristige Trends, wie eine Gruppe um David Bromwich von der Ohio State University in Columbus (USA) berichtet.

Folgen für den Meeresspiegel

Von 1980 an gab es nur zum Teil Daten einer automatischen Wetterstation, weil beispielsweise deren Solarzellen im antarktischem Winter keinen Strom lieferten. 2005 wurde die Station ganz geschlossen. Das Bromwich-Team nutzte nun Wetterdaten anderer zumeist über die Küstenregionen der Antarktis verteilten Stationen und berechnete so die mit großer Wahrscheinlichkeit in der Byrd-Region herrschenden Temperaturen. Damit konnte es die Datenlücken schließen und eine langfristige Temperaturkurve für die Inlandregion erstellen.

Der Weltklimarat hatte 2007 einen Anstieg der Meeresspiegel zwischen 18 und 59 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts vorhergesagt. Mehrere Studien der vergangenen Monate haben aber bereits prognostiziert, dass der Anstieg wesentlich höher sein dürfte.

GD/se (dpa, afp)