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Wissen & Umwelt

Der Meeresspiegel steigt schneller als erwartet

Das Eis in der Arktis schmilzt rasant. Das hatten die Klimaforscher bei ihren Berechnungen zum Meeresspiegelanstieg nicht mit eingerechnet. Wie es aussieht - ein verhängnisvoller Fehler.

In ihrer neuen Studie, die jetzt im Fachmagazin "Environmental Research Letters" veröffentlicht wurde, verglichen Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und seine Kollegen Modellrechnungen für den Zeitraum zwischen 1990 und 2011 mit realen Messdaten.

Während die globale Mitteltemperatur in den letzten Jahrzehnten in einer Geschwindigkeit zugenommen hat, die mit den Projektionen des Weltklimarats übereinstimmt, soll der Meeresspiegel schneller angestiegen sein als vorhergesagt. Das könnte darauf hinweisen, dass die Berechnungen für die Zukunft ebenfalls zu niedrig angesetzt sind, so die Wissenschaftler. Und dies könnte verheerende Auswirkungen für Küstenregionen und Megastädte haben.

Meeres- und Klimaforscher Stefan Rahmstorf (Foto: PIK)

Das Team um Stefan Rahmstorf überprüfte die Modelle

Projektionen ohne wichtige Daten

Die Meeresspiegel-Arbeitsgruppe des Weltklimarats (IPCC) versucht, mit Daten aus unterschiedlichen Studien den maximal möglichen Pegelanstieg zu berechnen. Je höher der erwartete Anstieg ist, desto mehr muss in Deiche, Küstenschutz und die Umsiedlung investiert werden.

Die bisherigen Projektionen zum Meerespegelanstieg über mehrere Jahrhunderte, die der IPCC benutzt hat, berücksichtigen den Anstieg durch die Ausdehnung des wärmeren Meerwassers. Dies könnte laut IPCC bis zum Jahr 2300 bis zu einem Meter betragen. Doch als der letzte Bericht veröffentlcht wurde fehlten wichtige Daten aus der Arktis. Diese sollen im Bericht aufgenommen werden, der 2013 veröffentlicht wird.

Ein großes Stück Eis bricht vom Eisberg. (Foto: dpa)

Schmelzende Gletscher lassen den Meeresspiegel steigen

Das Zwei-Grad-Ziel schützt nicht vor Überflutungen

Bereits im Sommer 2012 hatten Rahmstorf und Kollegen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sowie der Universität Wageningen in "Nature Climate Change" eine Studie veröffentlicht, die diesen zusätzlichen Faktor mitberücksichtigte. Sie zeigte, wie groß die Auswirkungen eines vergleichsweise geringen Temperaturanstiegs auf den Meeresspiegel sein könnten. Die Wissenschaftler berechneten, dass selbst, wenn die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt würde - wie von der internationalen Gemeinschaft angepeilt - der globale mittlere Meeresspiegel weiter ansteigen und bis 2300 um 1,5 bis 4 Meter höher liegen könnte als heute. Als besten Schätzwert gab die Studie 2,7 Meter an. Das hätte verheerende Konsequenzen für die Küstenregionen der Welt und die vielen Megastädte, die sich dort befinden.

Auswirkungen von Hurrikan Sandy: Ein untergetauchtes Auto auf einer Rampe in New York. (Foto: dpa)

Nach Hurrikan Sandy war New York teilweise stark überflutet

"Für New York City zum Beispiel könnte ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter die Häufigkeit schwerer Überflutungen von einmal pro Jahrhundert auf einmal alle drei Jahre steigern ", so Rahmstorf.

Satellitentechnik korrigiert bisherige Modelle

Für die neue Studie haben die Wissenschaftler aus Potsdam, dem Laboratoire d' Etudes en Géophysique et Océonagraphie Spatiales (LEGOS) in Frankreich und Tempo Analytics in den USA fünf gemittelte globale Datenreihen zu Land- und Ozeantemperaturen mit den Projektionen des IPCC verglichen. Um einen möglichst genauen Vergleich zu ermöglichen, berücksichtigten sie dabei auch kurzfristige Temperaturschwankungen durch das El Nino-Phänomen, Schwankungen in der Sonnenintensität und Vulkanausbrüche. Während sich die Prognosen aus den 1960er und 1970er Jahren für die Erderwärmung als Konsequenz steigender Treibhausgaskonzentrationen als akkurat erwiesen, wich der tatsächliche Meeresspiegelanstieg von den IPCC-Berechnungen erheblich ab.

Schlechte Nachrichten für Küstenbewohner

Die Wissenschaftler verglichen die früheren Vorhersagen mit Satellitenmessungen, die den Anstieg exakt messen können. Nach der neuen Studie steigen die Ozeane 60 Prozent schneller als nach der mittleren Prognose des Weltklimarats in den beiden letzten Berichten.

Menschen waden durch überschwemmte Straßen. (Foto: Orlando Barria/dpa)

Ärmere Länder sind von Überflutungen stärker betroffen

Während der Weltklimarat von 2mm pro Jahr ab dem Jahr 1990 ausging, zeichneten Satellitendaten einen Anstieg von 3,2 mm pro Jahr auf. Die Analyse schließt einen vorübergehenden Eisverlust vom grönländischen Eisschild oder der Antarktis oder andere interne Schwankungen im Klimasystem als Ursache für die erhöhte Meeresspiegelanstieg weitgehend aus. Die Anstiegsrate korreliert nach Angaben der Forscher eng mit der Zunahme der globalen Mitteltemperatur.

46 Millionen Menschen weltweit leben weniger als einen Meter über dem Meeresspiegel. Weitere Siedlungen befinden sich in der Nähe von Flussdeltas, die von Überflutungen bedroht sind. Während wohlhabende Länder wie die Niederlande sich mit Deichen und Hochtechnologie schützen, fehlen in den meisten ärmeren Entwicklungsländern Ressourcen, um die Bevölkerung durch geeignete Maßnahmen zu schützen.

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