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Kultur

Die 100 Tage der Documenta11

Die Documenta11 in Kassel ist zu Ende. Sie erntete neben großer Aufmerksamkeit und Lob auch viel Kritik. Damit kann die Kunstschau aber gut leben, denn sie ist und bleibt die Nummer 1.

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Es kehrt wieder Ruhe ein im beschaulichen, nordhessischen Kassel

Spätestens am letzten der 100 Tage dauernden Documenta war klar: Ihre Spitzenposition unter den weltweit renommierten Kunstschauen ist unangefochten. Das bestätigt auch der erneute Besucherrekord. Nach offiziellen Angaben kamen zur diesjährigen Schau 650.000 Besucher.

Nachdem bereits seit März letzten Jahres vier "Plattformen" genannte Symposien eine theoretische Basis zu legen versucht hatten, eröffnete diesen Juni, als fünfte Plattform, die große Kasseler Kunstausstellung – neben dem Museum Fridericianum erstmals auch an drei anderen Standorten. Für 100 Tage zeigten 118 Künstler und Künstlergruppen aus allen Kontinenten rund 450 Exponate. Die Auswahl verfolgte ausdrücklich das Anliegen, transnational, interdisziplinär und generationsübergreifend zu sein – und löste dieses in einer Vielzahl an künstlerischen Disziplinen auch ein.

Die 11. Documenta in Kassel: Fridericianum

Das Museum Fridericianum in Kassel, Hauptgebäude der Documenta11

Neben der gewohnten Aufmerksamkeit bot die alle fünf Jahre stattfindende Kunstschau auch dieses Mal einige Aufreger - außerhalb der Ausstellungsräume. So durften die als Teil des fiktiven "Museums für zeitgenössische afrikanische Kunst" des Künstlers Meschac Gaba verliehenen Fahrräder nach 60 Tagen nicht länger vermietet werden, weil sie ohne Handbremse gegen die Straßenverkehrszulassungsordnung verstießen. Auch ein Verbot der documenta für nicht von der Veranstalterin selbst ausgebildete Führer sorgte für kurzzeitigen Ärger.

Keine geballte Atmosphäre

Trotzdem blieben Skandale aus, die zu vielen der Vorgängerausstellungen gehört hatten - aber auch künstlerisch markante Höhepunkte. Während Kunstkritiker geteilter Meinung über die von Film- und Videoarbeiten dominierte Schau waren, vermissten viele Kasseler und Besucher die sonst übliche lebendige documenta-Atmosphäre in der Stadt. Mit dem neu geschaffenen zusätzlichen Ausstellungsraum in einer alten Brauerei am Stadtrand entzerrte sich der Besucherstrom. "Die geballte Atmosphäre auf dem Friedrichsplatz vor dem Fridericianum ist damit aber nicht mehr gegeben", bestätigte der Geschäftsführer der Kassel-Tourist-Gesellschaft, Knut Seidel.

Bemängelt wurde in diesem Zusammenhang auch, dass sich die Documenta11, die sich doch so kritisch mit Repräsentationsformen und Ausschlusskriterien aus dem Kunstbetrieb auseinandersetzte, praktisch ausschließlich einer geschlossenen Gesellschaft präsentierte. Da es - anders als bei früheren Ausstellungen - fast keine Kunstwerke im Außenbereich gab, entfaltete die Schau ihre Botschaft nur für Besucher mit Eintrittskarte. Deshalb wird die documenta diesmal wohl auch keine bleibenden Spuren hinterlassen - anders als frühere Ausstellungen, bei denen etwa Joseph Beuys 7000 Eichen in der Stadt pflanzte oder Walter de Maria ein 1000 Meter tiefes Loch in den Friedrichsplatz bohrte.

Mit besonderem Blickwinkel

Okwui Enwezor, Künstlerischer Leiter der Documenta 11

Okwui Enwezor, Künstlerischer Leiter der Documenta11

Jede der elf seit 1955 veranstalteten documentas hat versucht, einen eigenen Schwerpunkt zu setzen. Die Arbeit von Kurator Okwui Enwezor erregte Aufsehen, weil der aus Nigeria stammende Amerikaner einer wirtschaftlichen Globalisierung endlich auch in der Kunstwelt Rechnung tragen wollte. Der erste nichteuropäische künstlerische Leiter setzte bei der Auswahl der Exponate deshalb vor allem auf inhaltliche Kriterien - mit besonderer Berücksichtigung außereuropäischer Blickwinkel.

Äußerst schwach vertreten war deshalb auch Osteuropa - für viele Kritiker unverständlich. Auch konnte nicht wirklich von einer Erneuerung der Kunstszene gesprochen werden: Fast ein Viertel der in diesem Jahr anwesenden Künstler ist bereits um die 60 Jahre alt. Doch was nicht war, kann ja wieder werden: Das Besondere an der documenta ist schließlich, dass sie jedes Mal anders ist.

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