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Deutschland

Dicke Luft bei den Muslimen

Die Muslime in Deutschland sind in verschiedenen Verbänden organisiert. Nun sorgen Alleingänge des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, für Unmut.

Ein Grund für den jetzigen Ärger liegt bereits im Herbst vergangen Jahres. Damals hatte Aiman Mazyek an einer Demonstration gegen Antisemitismus in Berlin teilgenommen. Erst kurz vor seiner Teilnahme an der Demonstration soll er nach Angaben einiger Medien die übrigen muslimischen Verbände davon in Kenntnis gesetzt haben. In einem gemeinsamen Beschluss hatte man sich im Koordinationsrat zuvor dagegen entschieden, an der Demonstration teilzunehmen.

Problematisch, aus Sicht der DITIB, ist dieser Schritt vor allem deswegen gewesen, da Mazyek durch sein Verhalten den Eindruck erweckte, dass die anderen muslimischen Verbände "bei dem Thema Antisemitismus unsensibel" sind. Vor allem regt man sich bei der DITIB darüber auf, dass Mazyek diese in den Raum gestellten Vorwürfe nicht entkräftet habe. Mazyek hatte einen Artikel der Frankfurter Rundschau dazu auf seiner Facebookseite gepostet.

Demonstrationzug gegen Antisemitismus (Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Antisemitismus-Demonstration im September 2014 in Berlin

Öffentlicher Schlagabtausch

Anfang dieser Woche ging die Türkisch-Islamische Union (DITIB) an die Öffentlichkeit und watschte den ZMD ab. Von "Vertrauensbruch" war die Rede, den der ZMD-Vorsitzende Ayman Mazyek gegenüber den anderen muslimischen Verbänden im Koordinationsrat in Deutschland (KRM) begangen habe.

Beim Zentralrat der Muslime (ZMD) ist man pikiert. Man wünsche sich in Zukunft "mehr Behutsamkeit und Sachlichkeit im Umgang miteinander", heißt es in einer Pressemitteilung vom Dienstag. Gekoppelt war die Aufforderung des ZMD an die DITIB mit der Bitte, Auseinandersetzungen nicht mehr öffentlich, sondern bitteschön intern auszutragen.

Im KRM sind die vier bedeutendsten islamischen Verbände des Landes zusammengefasst. Neben der DITIB und dem ZMD sind dies der "Verband Islamischer Kulturzentren" (VKIZ) und der "Islamrat". Die DITIB ist der größte, der ZMD der kleinste der Verbände. Bisher gilt der Koordinationsrat als loser Zusammenschluss voneinander unabhängiger Organisationen. Die Außendarstellung übernimmt ein Sprecher, der alle sechs Monate wechselt.

"Kein Streit"

Aiman Mazyek (Foto: picture-alliance/dpa/Kumm)

Im Zentrum der Kritik: Aiman Mazyek

In der jetzigen Diskussion rudert die DITIB wieder zurück. Sie scheint erkannt zu haben, dass sich ein medialer Schlagabtausch nur negativ auf die eigene Außendarstellung auswirken könnte. DITIB-Generalsekretär Bekir Alboga versuchte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst die Wogen wieder zu glätten: "Es ist kein Streit, sondern eine Klarstellung, damit kein falscher Eindruck entsteht." Aber dennoch sind die Vorwürfe der DITIB gegenüber Mazyek wohl nur die Spitze des Eisbergs. Schon häufiger war man in der Vergangenheit über die medialen Alleingänge des Vorsitzenden des ZMD verärgert gewesen. Ein Gespräch, das Klärung bringen sollte, verließ Mazyek frühzeitig.

Auch beim Koordinationsrat ist man unterdessen bemüht, klar Stellung zum Vorwurf des Antisemitismus zu beziehen. Erol Pürlü vom VKIZ ist derzeit der Sprecher. Gegenüber der Deutschen Welle sagte er: "Zwischen den islamischen Religionsgemeinschaften innerhalb des KRM gibt es keinen Dissens, was die Ablehnung von Antisemitismus, Rassismus oder religiös begründetem Extremismus angeht." Zu der Diskussion um Mazyek äußerte sich Pürlü nicht. Auch die anderen Verbände reagierten nicht auf eine Anfrage der Deutschen Welle.

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